Winnenden

Zwei Knalle und ein "Salafistenbart"

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Christoph Sonntag beim City-Treff in Winnenden. © Habermann/ZVW

Winnenden. Am Samstagabend hat eine seltene Kombination für Wirbel in den sozialen Medien und auf dem Citytreff gesorgt: Um 21.45 Uhr hörte man, wenn man nicht gerade nahe der Rockmusik unterwegs war, zwei explosionsartige Donnerschläge von Düsenjägern. Zeitgleich schritt ein schwarz gewandeter, bärtiger Mann durch den Citytreff.

Düsenjäger hatten die Schallmauer durchbrochen, um ein Flugzeug aus Südkorea zum Flughafen zu begleiten, dessen Funkgerät kaputtgegangen war. „Danach meldeten sich sehr viele auf dem Revier und erzählten, dass sie einen schwarz gekleideten Mann mit "Salafistenbart" gesehen hätten.“ Dies erklärte der stellvertretende Leiter des Winnender Polizeireviers, Friedhelm Veigel, auf Anfrage. Er selbst war auf dem Citytreff unterwegs, hörte aber die Knaller nicht, weil er nahe der Rockmusik stand. Es dauerte nicht lange, da trafen die Polizisten diesen Mann auf dem City-Treff und redeten mit ihm. „Die schwarze Kapuze, die Handschuhe, über denen er Ringe trug, und der orthodoxe Bart, das sei sein Style“, sagte er. Veigel machte ihm klar, dass er in diesem Aufzug Angst verbreite. Der Mann sah das ein und ging nach Hause. „Wir klärten dann jeden, der seine Telefonnummer hinterlassen hatte, über den Knall und den Mann auf.“ Die Strategie wirkte, die Soziale-Medien-Gemeinde beruhigte sich.

Bislang keine aufsehenerregenden Vorkommnisse

Der 40. City-Treff ist in den drei Festnächten überwiegend friedlich, ohne aufsehenerregende Vorkommnisse verlaufen. Der stellvertretende Revierleiter Friedhelm Veigel berichtet von einem aggressiven Störenfried, der die Nacht in der Ausnüchterungszelle verbracht hat. „Es war nicht annähernd wie in Schorndorf im Randgebiet der SchoWo – es gab keine sexuelle Belästigung, und es gab keine Straftat, an der ein Flüchtling, als Geschädigter oder Beschuldigter, beteiligt war.“

Keine Problem-Treffpunkte

Friedhelm Veigel ist noch recht neu im Amt in Winnenden, es war sein erster City-Treff. „Ich bin Samstagnacht unterwegs gewesen, suchte förmlich die Problem-Jugendlichen und -Treffpunkte, fand sie aber nicht.“ Sprich: Es gab keine. Er lobt die Festplätze-Planung, „die Verbindung von Fahrgeschäften und jugendgerechter Musik am Kronenplatz war gut, die Jugendlichen waren beschäftigt.“ Auch der am Freitag erfolgte Sicherheitsrundgang mit Polizei, Feuerwehr, Agentur KMR und Verantwortlichen der Stadt ergab: „Winnenden war gut vorbereitet.“ Auch die Zusammenarbeit mit dem privaten Sicherheitsdienst, den die Stadt engagiert hatte, „lief hervorragend. Die Jungs haben eine gute Wahrnehmung und hielten regelmäßig Kontakt zu uns.“

Diebstahl und Sachbeschädigung

Bei der Polizei angezeigt wurde ein Handydiebstahl an der Mühltorstraße, ein aufgebrochenes Auto, eine Unfallflucht, eine zerbrochene Fensterscheibe an der Schorndorfer Straße (Beschuldigter bekannt) und ein zerstörter Sonnenschirm auf dem Marktplatz. Auch hier ist der Beschuldigte bekannt, es ist ein 20-Jähriger, der von der Polizei einen Platzverweis erhielt, weil er „verbal Stress machte und herumschubste“. Ein Kumpel nahm ihn raus aus der Innenstadt, da pöbelte der Mann vor dem „Glückskind“ wieder Menschen an, die Polizei wurde erneut gerufen. Weil der Mann aber nicht wie versprochen mit dem Taxi nach Hause fuhr, sondern nach einem Kilometer wieder ausstieg, „übernachtete er eben doch bei uns. Am Sonntagmittag ging es ihm wieder gut“, so der Bericht des Revier-Vizeleiters.

Ausfälle wegen zu viel Alkohol

Zu viel Alkohol war der Grund für die meisten Ausfälle – so auch bei einer Rangelei an der Kastenschule unter zwei jungen Leuten und bei einer unter Fußballfans. Warum einer mit einem Baseballschläger auf den Po geschlagen wurde, ermittelt die Polizei noch. „Das war beim ,Jägerstüble’, es ist nicht klar, ob es überhaupt im Zusammenhang mit dem City-Treff steht.“ Verletzt wurde bei diesen drei Fällen niemand, so Veigel.

Betrunkene Jugendliche und lärmende Laubbläser am Morgen

Vier hatten es mit ihrem Alkoholkonsum so übertrieben, dass Freunde in ihrer Not die Polizei riefen. Einen traf sie jedoch gar nicht an, den nächsten, 17 Jahre alt, holten die Eltern ab, die anderen beiden waren 19 und 21 Jahre alt. „Das hält sich alles wirklich im Rahmen, wenn man weiß, wie voll die Stadt war“, sagt Friedhelm Veigel. Unter den bei so einem Fest üblichen Beschwerden wegen Ruhestörung sticht eine kuriose heraus: Sonntagmorgens um 5 Uhr räumte ein (übereifriger?) privater Reinigungsdienst mit einem Laubbläser auf. „Die Arbeit wurde bis 7 Uhr eingestellt und die Organisatoren wissen Bescheid, es sollte nicht mehr vorkommen.“

Radunfall mit einem Schwerverletzten

Zum Radunfall, bei dem sich ein 48-jähriger Mann lebensgefährliche Verletzungen zugezogen hatte, ermittelt die Polizei noch. Nach ersten Erkenntnissen war niemand anderes als er selbst beteiligt, als er nachts um 2 Uhr auf einen „ordnungsgemäß“ am Rand der Max-Eyth-Straße abgestellten Lkw prallte.