Winnenden

Zwei Rumänen nach Mord im China-Restaurant verhaftet

Soko Perle
Reiner Möller, der Leiter der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen, informierte gestern Nachmittag die Presse über den Ermittlungsstand im Backnanger Mordfall. Gut acht Monate nach der Tat hat die Polizei zwei dringend verdächtige Männer festgenommen. © Büttner/ZVW.
Waiblingen. Zwei Rumänen sollen die Seniorchefin des Asien-Perle Restaurants in Backnang ermordet haben. Im Zuge eines DNA-Abgleichs ist die Polizei den beiden 42 und 45 Jahre alten Männern acht Monate nach der Tat auf die Spur gekommen. Mit laut Polizei „sehr hoher Wahrscheinlichkeit“ sind die beiden für den Tod der Frau verantwortlich. Das Motiv liegt noch im Dunkeln.
 

Es bleiben noch jede Menge offene Fragen. Die Vernehmungen der beiden Verdächtigen sind erst angelaufen. Reiner Möller, der Leiter der Kriminalpolizeidirektion Waiblingen, informierte am Mittwochnachmittag die Presse über den aktuellen Stand der Dinge. Demnach befinden sich mittlerweile beide Männer in Stammheim. Zur Frage, ob Opfer und mutmaßliche Täter sich gekannt hatten, gab Reiner Möller gestern noch keine Auskunft.

Die positive Wende in diesem Fall ergab sich am Mittwoch vergangener Woche. Das Ergebnis eines internationalen DNA-Abgleichs führte geradewegs zu einem 42-jährigen Rumänen, der bereits in U-Haft saß. Gegen ihn laufen Verfahren wegen gewerbsmäßigen Diebstahls und Einbruchs. Er wurde bereits am 8. November festgenommen, allerdings wegen der Eigentumsdelikte. Der Mann ist 2014 in den Raum Backnang gezogen. Im Zuge weiterer Ermittlungen stieß die Polizei auf seinen mutmaßlichen Tatkomplizen, einen 45-jährigen Rumänen. Am Dienstagabend nahm die Polizei den Mann in Backnang fest. Er leistete laut Reiner Möller keinen Widerstand. Der Tatverdächtige wohnt seit 2013 mit kurzen Unterbrechungen in Backnang. Die beiden Männer hatten „nach meinem Kenntnisstand“, so Möller, ein Trockenbau-Gewerbe angemeldet.

Vor einem DNA-Abgleich sind aufwendige Arbeiten nötig

Weshalb der DNA-Abgleich so lange gedauert hat, erklärt Reiner Möller damit, dass solche Spuren von unterschiedlicher Qualität sind und erst aufwendig aufbereitet werden müssen. Erst wenn all diese Arbeiten abgeschlossen sind, kann ein DNA-Abgleich in der Datenbank stattfinden.

Zu den Hintergründen der Tat, vor allem zum Motiv, konnte die Polizei gestern noch nichts sagen. Nach wie vor geben die Beamten keine Informationen darüber preis, wie die 53-jährige Restaurantbetreiberin zu Tode gekommen ist. Die Frau wies laut Möller „massive Verletzungen“ auf. Details behält die Polizei für sich, weil Infos, die nur der Täter kennen kann, nicht an die Öffentlichkeit gehören.

Die Seniorchefin des Asien-Perle-Restaurants in der Stuttgarter Straße in Backnang war am Vormittag des 4. März tot auf der Toilette der Gaststätte aufgefunden worden. Zuletzt hatte man sie am Vorabend gegen 23 Uhr lebend gesehen. Zunächst wurde gemutmaßt, dass der Täter aus dem familiären Umfeld stammen könnte.

Natürlich sind die Ermittlungen in diesem Fall noch lange nicht abgeschlossen. Nun stehen die Vernehmungen an. Die Wohnungen der beiden Rumänen hat die Polizei bereits durchsucht. Weitere Beweismittel sind beschlagnahmt. Ob es sich um einen Raubmord handeln könnte und ob im Restaurant nach der Tat wertvolle Gegenstände oder Geld fehlten – auch dazu machte die Polizei gestern keine Angaben.

Im Backnanger Mordfall hat die Polizei einen beispiellosen Ermittlungsaufwand betrieben (siehe Infokasten). Akribie bei der Spurensicherung sei sehr sehr wichtig, sagt Möller. Die Vernehmungen im Umfeld des Opfers verliefen zunächst schleppend, weil sich die Polizei nicht mit den Menschen verständigen konnte. Viele von ihnen sprechen einen sehr ausgefallenen chinesischen Dialekt, und es fand sich nicht sogleich ein Dolmetscher. Das Mordopfer, eine Buddhistin, stammte aus Wencheng in der chinesischen Provinz Zhejiang. Ihr Familien-Clan betreibt Gaststätten in verschiedenen Ländern Europas, zudem in China. Im Jahr 1999 kam die Frau nach Deutschland. Sie besaß einen niederländischen Pass. Die 53-Jährige hinterließ vier Kinder, von ihrem Mann lebte sie getrennt.

Weil der Herkunftsort der Frau als Stammland organisierter Verbrechergruppierungen gilt, gab es nach dem Mord auch Spekulationen in diese Richtung. Schutzgelderpressung, ein Rache-Akt, eine als Warnung zu verstehende Tat im Zusammenhang mit organisierter Kriminalität – alles schien denkbar. Das hat sich mit der Festnahme der beiden Männer nicht geändert: Die Frage nach den näheren Umständen bleibt offen. Die Polizei will in den nächsten Tagen weiter informieren.

Nur wenige Hinweise gingen bei der Polizei ein

Aus der Bevölkerung waren nur spärlich Hinweise eingegangen, trotz mehrerer Aufrufe der Polizei. Auch über WeChat, eine Plattform vergleichbar WhatsApp, über die viele Chinesen kommunizieren, veröffentlichte die Polizei Aufrufe. Dennoch ließ eine heiße Spur auf sich warten. Ende Juni setzten Angehörige der Toten zusammen mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart eine Belohnung für Hinweise aus, die zur Ergreifung des Täters führen – ohne Erfolg.

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Riesiger Aufwand
Mit einem derart großen Ermittlungsaufwand wie im Backnanger Mordfall hat es die Polizei selten zu tun. Nahezu 500 Spuren wurden ausgewertet und 400 Vernehmungen geführt. Bei mehr als 200 Personen hat die Polizei DNA-Vergleichsproben genommen. Ein Datenvolumen von rund 5,5 Terrabyte wurde gesichert. Kriminalbeamte leisteten mehr als 20 000 Arbeitsstunden, in enger Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft Stuttgart, dem Landeskriminalamt und internationalen Ermittlungsbehörden.
Die Soko Perle startete mit 70 Mitgliedern. Im Juni löste sie sich auf, eine Ermittlungsgruppe übernahm.