Winnenden

Zweite Chance für todgeweihte Straßenhunde

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Das ist Ella: Sie hat in Rumänien auf der Straße gehaust, jetzt hat sie in Schorndorf eine Heimat. © Ramona Adolf
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Er schaut zu ihnen auf: Balai mit den Möllers aus Waiblingen. Foto: Privat
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Brav hält sie fürs Foto still: Ella mit den Schuhs aus Schorndorf. © ALEXANDRA PALMIZI
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Er sucht noch ein neues Zuhause: Hund Max mit Beate Müller von der Tierhilfe Hoffnung und Jutta Andrä, Dagmar Deuschle und Doreen Herter vom Tierschutzverein Winnenden

Winnenden/Pitesti. Die Hunde Ella und Balai haben einen großen Teil ihres Lebens auf den Straßen Rumäniens verbracht, als todgeweihte Streuner. Dank der „Tierhilfe Hoffnung“ und dem Winnender Tierheim haben sie jetzt ein richtiges Zuhause gefunden – hier im Rems-Murr-Kreis. Hund Max wartet noch im Tierheim auf seine Familie.

Max und Ella toben ausgelassen über die Wiese. Alle Anwesenden freuen sich, die beiden so unbeschwert zu sehen. Schließlich haben beide bis vor nicht allzu langer Zeit noch auf der Straße gelebt. Hund Balai bleibt währenddessen lieber bei Herrchen und Frauchen Möller – fremden Hunden misstraut er.

Balai ist schon etwas älter, er war vermutlich zweieinhalb Jahre alt, als er 2011 von Hundefängern eingefangen und in die städtische Tötungsstation in Pitesti, Rumänien, gebracht wurde.

Im Oktober kam Balai zu den Möllers

Direkt neben dieser Einrichtung aber befindet sich zu Balais Glück das riesige Tierheim Smeura, gebaut und geleitet von der deutschen Organisation „Tierhilfe Hoffnung“. Sie holt Hunde von der Straße und aus den Tötungsstationen, bringt sie tiergerecht unter und vermittelt die so aus der Todesgefahr Geretteten nach Deutschland.

Im Oktober 2017 gelang auch für Balai die Vermittlung. Das Ehepaar Möller aus Waiblingen war auf der Suche nach einem ruhigen, älteren Hund und hatte schon sämtliche Tierheime in der Gegend abgeklappert. Das Tierheim Winnenden kontaktierte schließlich den Verein „Tierhilfe Hoffnung“ – und Balai reiste an. „Ich bin in die Box gekommen und wusste sofort, das ist mein Hund“, erinnert sich Möller.

Seitdem hat der Tierschutzverein Winnenden immer wieder Hunde aus der Smeura übernommen, fünf sind inzwischen gut untergebracht. Anlässlich des Welttierschutztags am 4. Oktober haben sich zwei der Hunde mit ihren neuen Haltern wieder hier eingefunden. Max ist der jüngste Gast aus Rumänien und wartet im Winnender Tierheim auf seine zukünftigen Menschen.

Der hübsche, schäferhundartige Junghund ist vor gerade einmal eineinhalb Jahren als mutterloser Welpe auf den Straßen von Pitesti gefunden worden. Seit Ende Juni 2018 ist Max in Winnenden. Wer ihn trifft, würde nie auf die Idee kommen, einen ehemaligen Straßenhund vor sich zu haben: Max liebt alle Menschen, alle Hunde, ist verschmust, verspielt, vertrauensselig – die Mitarbeiter im Tierheim würden ihn am liebsten mit nach Hause nehmen.

Ella lebt seit März in Schorndorf

Auch die goldfarbene Ella hat in den Straßen Pitestis das Licht der Welt erblickt. Als sie im September vergangenen Jahres dort gefunden wurde, war sie ganz allein, eine verlorene Streunerin. Über das Tierheim Winnenden konnte die Hündin vermittelt werden, sie lebt seit März in Schorndorf. Ihre Halter, Manfred und Elke Schuh, sind überglücklich, sie zu haben. „Durch sie haben wir wieder gelernt, auf Kleinigkeiten zu achten und uns darüber zu freuen“, sagt Elke Schuh. Das Ehepaar erzählt von seinem verstorbenen Hund Benno. Nach dessen Tod hätten sie eigentlich beschlossen, keinen anderen Hund mehr aufzunehmen – „aber an Ostern saßen wir dann doch ein bisschen verloren herum, so ohne Hund“, sagt Manfred Schuh. Bei der Suche nach einem neuen Hund seien sie auf Ella gestoßen, die zu dieser Zeit gerade im Winnender Tierheim betreut wurde. „Wir haben uns direkt in sie verliebt, und das Tolle ist, sie ist das genaue Gegenteil von unserem Benno“, freut sich Elke Schuh. „Alles mit ihr ist ganz anders und ganz neu.“

Auch Ella ist sichtlich zufrieden mit ihrer neuen Familie. Die Hündin ist noch zurückhaltend fremden Menschen gegenüber, doch Herrchen und Frauchen vertraut sie voll und ganz. „Wenn es ihr zu viel wird, dann setzt sie sich hinter meine Beine und versteckt sich dort“, so Elke Schuh, „aber sie läuft nicht weg.“

Während des Interviews liegt Ella gelassen auf dem Boden, trotz der vielen Fremden um sie herum. Insgesamt sei sie ein sehr ruhiger Hund, der eher ausweiche, als die Konfrontation zu suchen. „Sie hat noch kein einziges Mal gebellt in der Wohnung“, sagt Elke Schuh. Probleme mit anderen Tieren habe es nie gegeben – sogar die Katze der Freundin akzeptiere sie, wenn sie dort zu Besuch seien.

Anfangs ein sehr ängstlicher Hund

Am Anfang sei sie schon sehr ängstlich gewesen. „Vor allem in der Dunkelheit. Aber dann hat sie uns und ihre neue Umgebung, ihr Zuhause, besser kennengelernt und langsam hat sich das gegeben“, erzählt Manfred Schuh. Von vornherein sei Ella stubenrein gewesen, das habe ihn angenehm überrascht. Inzwischen kann sie sogar einige Stunden alleine bleiben. „Wir geben ihr ein kleines Geschenk, bevor wir gehen, einen Knochen oder so etwas. Dann geht sie zu ihrem Bettchen und bleibt brav dort liegen, bis wir zurückkommen“, erzählt Elke Schuh. Die Wohnung verwüstet habe sie noch nie. Besonders schön seien die vielen kleinen Momente gewesen, in denen Ella gezeigt habe, dass sie langsam Vertrauen fasst. „Eines Morgens stand sie schwanzwedelnd vor unserem Bett, statt wie bis dahin üblich in ihrer Ecke liegen zu bleiben. Sehr schön war auch, als sie angefangen hat zu hören, wenn man sie ruft.“

Die Schuhs verbringen sehr viel Zeit mit ihr in der Hundeschule. Weil es ihnen Spaß macht und sie die Zeit dafür haben, sind sie mit Ella drei- bis viermal die Woche dort. Ella gehorcht inzwischen ausgezeichnet. Wenn man sie rufe, komme sie in 90 Prozent der Fälle sofort her. „Außerdem kann man in der Hundeschule schön sehen, dass auch Hunde, die nicht wie Ella auf der Straße geboren sind, in der Pubertät ganz schön schwierig werden können“, sagt Elke Schuh und lacht. Und Manfred Schuh: „Schön ist eigentlich jeder Tag mit Ella.“

Die Winnenderin Beate Müller hat dieses Treffen mit Herrchen und Frauchen von Hunden aus Pitesti organisiert; sie ist zuständig für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Vereins „Tierhilfe Hoffnung“. Oft stoße sie auf Zweifel, wenn sie von der Vermittlung der Smeura-Hunde in Deutschland erzähle. Viele seien skeptisch: „Kann man einen Hund übernehmen, der auf der Straße gelebt hat?“ Für Müller ist klar: Ja, das geht definitiv. Die Hunde würden sich gut einleben und ihr Trauma verarbeiten. Ella und Balai sind lebende Beweise dafür, wie gut dieser Neuanfang funktionieren kann. Und auch Max wird es schaffen, da besteht kein Zweifel.


Tierschutztag

Den Welttierschutztag gibt es seit 1925. Er findet alljährlich am 4. Oktober statt, dem Namenstag Franz von Assisis. Der heilige Franziskus ist auch der Schutzpatron der Tiere und des Naturschutzes.