Winterbach

25 000 Besucher: Rekord beim Zeltspektakel 2019

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Volles Zelt beim Auftritt von LaBrassBanda in Winterbach. © Ramona Adolf

Winterbach. Mehr als 25 000 Leute: Rekordbesuch beim Zeltspektakel 2019. Elend schade, dass es schon wieder vorbei ist. Zum Trost hier fünf Zugaben: schräge, berührende, unglaubliche Geschichten rund ums Wunder von Winterbach.

Zugabe Nummer eins: Die Bilanz in Zahlen

Es soll Leute geben, die finden, dass es eine große Leistung sei, so ein Festival mit lauter Ehrenamtlichen zu wuppen. Große Leistung? Nun ja, sicherlich. Aber eine wirklich große Leistung ist es, so ein Festival mit lauter Ehrenamtlichen zu wuppen; und dann noch mal; und danach wieder; und erneut. Elfmal seit 1995. Deshalb, liebe Leserinnen und Leser, erheben Sie sich und spenden Sie eine stehende Ovation für die 530 Helferinnen und Helfer von der Kulturinitiative Rock, die beim Zeltspektakel 2019 insgesamt rund 10 000 Arbeitsstunden geleistet haben.

An acht Konzertabenden 25 300 zahlende Zuschauer und damit 800 mehr als im bisherigen Rekordjahr 2017: Das ist die 2019er-Bilanz. Umsatz: 1,3 bis 1,4 Millionen Euro. Unterm Strich wird wohl eher eine schwarze Null stehen, denn auch die Ausgaben für Gagen, Technik und vieles andere sind enorm. Selbst wenn es in der Endabrechnung ein dezentes Minus setzen sollte – „die Vereinskasse ist gut gefüllt“, beruhigt Steffen Clauss, Kopf der Ini.

Wie um Himmels willen kommt Clauss mit diesen Dimensionen klar, ohne sich schon ein halbes Jahr vorher schlaflos im Bett zu wälzen? „Indem du nicht dran denkst. Wenn du anfängst, rumzugrübeln ...“ Nur eines hilft: „Machen. Mit klarem Kopf und Enthusiasmus.“

Zugabe Nummer zwei: Das Fogerty-Epos

Für John Fogerty, den legendären Sänger, Gitarristen und Liederschreiber von Creedence Clearwater Revival, ist die Kulturinitiative über ihren Schatten gesprungen. Gage und Produktionsaufwand waren so hoch, dass schon vorher feststand: Das Zelt würde zwar ausverkauft sein – „einen Abmangel“ würde es dennoch geben, erzählt Steffen Clauss. Erstmals in all den Jahren nahmen sie so etwas in Kauf, „weil wir ihn unbedingt haben wollten“.

Ganz einfach sei er nicht, hieß es im Vorfeld; der Kerl könne knurrig werden, wenn ihm was nicht passe.

Dann aber lieferte er ein stürmisch bejubeltes Konzert ab – und haute auch noch vier Zugaben raus. Ende. Die Musik vom Band ging an, die Lichttechniker schalteten die Scheinwerfer zum Abkühlen aus, die Leute strömten gen Ausgang – als Fogerty plötzlich noch einmal auf die Bühne stürmte; die perplexe Band hechelte hinterher. Seine Backgroundsängerin erzählte nachher: Seit acht Jahren sei sie mit ihm unterwegs – sowas habe sie noch nie erlebt.

Danach, hinter der Bühne, gab Fogerty seiner Gattin ein Interview fürs Familienarchiv vor der Smartphone-Kamera. Sie: „It was great.“ Er: „Great? It was epic.“

Zugabe Nummer drei: Die Kunst der Programmplanung

Klar, es gibt immer Debatten. Zu wenig für die Jungen sei dabei, unken die einen. Zu wenig Bluesrock, hadern die andern. Und eine Besucherin beschwerte sich, „die Frauenquote“ sei nicht eingehalten. Ja nun, seufzt Steffen Clauss, das Leben „ist kein Wunschkonzert“. Joan Baez? Sie ist derzeit auf Abschiedstour, die Ini war dran an ihr, es hat nicht geklappt. Bob Dylan? Keine Chance, da um ihn für den Sommer 2019 auch die Jazz Open Stuttgart mit ungleich größerem Budget buhlten. Van Morrison? Er will nach dem Auftritt immer nach Hause, muss also am selben Abend noch den Flieger kriegen: schwierig. Metallica, wie der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller mal vorschlug? Das ginge! Sofern die Gemeinde ein, zwei Milliönchen von der exorbitanten Gage übernähme.

Aber genug von „wenn“ und „hätte“: Das Spektakel 2019, das waren acht rauschende Nächte ohne einen einzigen Flop.

Zugabe Nummer vier: Eine entschlossene Ansprache

Vor vielen Jahren war da diese Musikerin – sie teilte den Winterbachern mit: Vor ihrem Zelt-Auftritt habe hinter der Bühne ein Liter Tequila bereitzustehen. O-oh, sorgte sich die Ini, ob das gutgeht? Je nun, müssen wir machen. Einen Tag vor dem Auftritt kam ein Fax: Sie brauche jetzt doch nicht einen Liter Tequila; sondern fünf. Clauss & Co beschlossen: Dieses Fax ist nie bei uns angekommen.

Auch diesmal gab es eine kitzlige Situation: Da war diese äußerst strenge, um nicht zu sagen ruppige Tourmanagerin. Als ein Helfer – schon jenseits der 60, eingeteilt für den Fahrdienst, um Musiker ins Hotel zu bringen – sich backstage etwas Gischtendes einschenkte, weil es so heiß war, donnerte die Frau: Du da! Was fällt dir ein! Bier am Steuer? Du fährst keinen Meter mehr!

Was der Mann antwortete, wird von Zeugen im Detail verschieden überliefert. Hier die schönste Version – er sagte: „Also erschtens isch des a alkoholfreies Woiza. Und zwoitens kannsch so mit deim Vaadr schwätza, aber net mit mir.“

Die Managerin habe das zwar nicht im Entferntesten verstanden, aber doch den Tonfall zu deuten gewusst – und sei fortan recht umgänglich gewesen.

Zugabe Nummer fünf: Das Konzert nach dem Konzert

Die bayrische Combo LaBrassBanda brachte mit wildgewordener Blasmusik das Zelt zum Toben. Nach dem Konzert machten die Bursch’n – „null Starallüren“, schwärmt Clauss – eine halbe Stunde Pause; bevor sie in den Biergarten gingen und dort weiterspielten! Eine Anhängerin setzte sich dazu und erzählte: Sie spiele auch ein Blasinstrument. Echt, fragten die Bayern, hast du es denn dabei? Sie ging zum Auto, kehrte mit einer Basstuba zurück, und gemeinsam hupten sie bis halb zwei Uhr morgens.