Winterbach

Ausbildung bei Remsgold in Winterbach: Eduard Janz ist bester Chemikant in BW

Eduard Janz
Chemikant Eduard Janz an einem Gerät, mit dem ermittelt wird, welche Zusammensetzung eines Waschmittels einen mit verschiedenen Substanzen verunreinigten Stoffstreifen am saubersten wäscht. © Gabriel Habermann

Mit 96 von 100 möglichen Punkten war im vergangenen Ausbildungsjahr in seinem Fachgebiet niemand in Baden-Württemberg besser als Eduard Janz. Der Leutenbacher hat seine Ausbildung als Chemikant beim Winterbacher Reinigungsmittelhersteller Remsgold abgeschlossen. Seine Arbeit spielt sich dort weniger im Labor als im technischen Bereich ab. Der 30-Jährige soll bei einem Zukunftsprojekt eine wichtige Rolle spielen: Es soll ein neues Produktionsgebäude für Remsgolds Schwesterunternehmen Almawin entstehen.

Bevor er zu Remsgold kam, hat Eduard Janz zunächst noch einen kleinen Umweg genommen. Nach dem Abitur am Lessing-Gymnasium in Winnenden begann er ein Physik-Studium. Aber das sehr theorielastige Studium lag ihm nicht. Im sechsten Semester brach er ab, orientierte sich neu und ging zur Berufsberatung, um sich über mögliche Ausbildungsberufe zu informieren. Weil sein Interesse im naturwissenschaftlichen Bereich lag, wurden ihm daraus verschiedene Berufe angeboten. „Dann habe ich mich bei den Firmen in der Gegend beworben, die Ausbildungsplätze angeboten haben“, sagt er.

"Hier gibt es auf jeden Fall eine Zukunft"

Bei Remsgold habe ihm gefallen, „dass das kein Superriesenunternehmen ist“. Nach den drei Jahren Ausbildung kenne er praktisch alle Kolleginnen und Kollegen im Unternehmen. Der andere Faktor, der ihm gefiel, war die nachhaltig-ökologische Ausrichtung der Firma. „Da wusste ich: Hier gibt es auf jeden Fall eine Zukunft.“

Bei Remsgold und Almawin kommen zur Herstellung der Reinigungsmittel statt erdölchemischer Inhaltsstoffe pflanzliche und mineralische, also nachwachsende Rohstoffe zum Einsatz. Außerdem haben sich die beiden Schwesterunternehmen ein ressourcenschonendes Wirtschaften und Arbeiten auf die Fahnen geschrieben. Almawin und das dazugehörige Klar sind dabei die Marken für den Normalverbraucher, die Produkte von Remsgold sind auf Gewerbekunden oder große Einrichtungen wie Schulen oder Krankenhäuser ausgerichtet.

„Bindeglied zwischen Fertigung und Labor“

Ein Chemikant wie Eduard Janz sei „das Bindeglied zwischen Fertigung und Labor“, sagt Betriebsleiter Raymund Ellinghoven. Das heißt, er ist einerseits naturwissenschaftlich in chemischen Dingen ausgebildet, andererseits aber auch technisch.

Damit sei der Beruf anders ausgerichtet als zum Beispiel der eines Chemielaboranten, sagt Ellinghoven. Beim Chemikanten geht es um die praktische Umsetzung der Chemie in Produktionsprozessen. „In der Großchemie steuern die Chemikanten die Anlagen“, sagt der Betriebsleiter. Eduard Janz sei bei Remsgold und Almwin jedoch weitgehend von solchen ganz alltagspraktischen Tätigkeiten ausgenommen, ihn setze man eher bei Projekten ein.

„Ich sitze in meiner Tätigkeit jetzt eher am Schreibtisch“, sagt Eduard Janz. Er betreut zum Beispiel das Warenwirtschaftssystem. Außerdem organisiert er federführend die Umrüstung der Beleuchtung auf LED-Technik im Betrieb, die laut Raymund Ellinghoven jetzt fast abgeschlossen ist.

Er sei jetzt im Förderprogramm des Unternehmens, es gehe darum, ihn berufsbegleitend weiterzubilden, entweder mit einem Studium oder zum Meister in Chemie und Verfahrenstechnik.

Eduard Janz tendiert selbst eher zum Meister, wie er zugibt. „Ich habe es ja mal mit dem Studium versucht.“ Die Ausbildung sei ihm aber ganz einfach nähergelegen. „Die Betriebsnähe finde ich viel interessanter.“ Deswegen würde er lieber den Industriemeister machen.

„Leute, die aus der Praxis kommen, die aber auch ein theoretisches Wissen haben“

Bei Remsgold und Almawin haben sie jedenfalls einiges mit ihm vor. Neben dem 2020 in Betrieb genommenen Neubau von Almawin in der Fabrikstraße soll ein Gebäude für die Produktion entstehen. Für die Planung und Umsetzung brauche man „Leute, die aus der Praxis kommen, die aber auch theoretisches Wissen haben“, sagt Raymund Ellinghoven. „Da könnte er ein wichtiger Baustein werden.“

Eine grobe Vorplanung gebe es schon, sagt Geschäftsführerin Verena Bund. Derzeit liegt das Projekt aber noch auf Eis. Eigentlich hätte es mit den konkreten Planungen schon im vergangenen Jahr losgehen sollen, so Bund. „Wir warten jetzt, bis die wirtschaftliche Lage sich normalisiert oder stabilisiert.“ Bis also zum Beispiel die Preise für Handwerker, Baufirmen und Material wieder etwas moderater sind.

„Der Bio-Markt ist momentan ein bisschen schwierig“

Wie andere Unternehmen aus dem Bio-Sektor spürt auch Almawin durch die Inflation und die Energiekrise, dass der Absatz seiner Produkte etwas zurückgegangen ist. „Der Bio-Markt ist momentan ein bisschen schwierig“, sagt Betriebsleiter Raymund Ellinghoven.

Nicht nur wohlhabende Leute würden ökologische Produkte wollen. Aber viele Menschen, die weniger Geld zur Verfügung hätten, müssten derzeit auf manches verzichten. Da sei die Heizung dann natürlich wichtiger als ein ökologisches Spülmittel, sagt Ellinghoven. Aber die Kosten und der Aufwand für die Produktion seien nun mal höher, wenn man auf Petrochemie verzichte, daher müssten die Preise für solche Produkte auch höher sein. Jetzt warte man noch etwas ab, wie sich dieses Jahr entwickle.

„Wir hoffen, dass wir Ende dieses Jahres mit der Planung für den Neubau loslegen können“, sagt Verena Bund. Sie rechnet dann mit einer Planungszeit von eineinhalb Jahren und dann noch mal eineinhalb Jahren für die Umsetzung.

Im Stammhaus von Remsgold in der Talstraße sollen dann nur noch die kleineren Mengen, zum Beispiel für Aufträge im Lohnfertigungsbereich, und Reinigungsmittel in Pulverform produziert werden, im Neubau in der Fabrikstraße die größeren Flüssigmengen.

Eduard Janz freut sich jedenfalls auf das Großprojekt. „Das ist auf jeden Fall spannend“, sagt der 30-Jährige. „Wenn man noch relativ frisch ist, ist das schon ziemlich gewaltig, was man vor sich hat, wenn man zum ersten Mal dabei ist bei so einer großen Planung.“

Mit 96 von 100 möglichen Punkten war im vergangenen Ausbildungsjahr in seinem Fachgebiet niemand in Baden-Württemberg besser als Eduard Janz. Der Leutenbacher hat seine Ausbildung als Chemikant beim Winterbacher Reinigungsmittelhersteller Remsgold abgeschlossen. Seine Arbeit spielt sich dort weniger im Labor als im technischen Bereich ab. Der 30-Jährige soll bei einem Zukunftsprojekt eine wichtige Rolle spielen: Es soll ein neues Produktionsgebäude für Remsgolds Schwesterunternehmen Almawin

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