Winterbach

Baugebiet Riedwiesen in Winterbach: Wann kommen Bauplätze und Wohnungen für bis zu 500 Menschen?

Winterbach Luftbild Baugebiet Riedwiesen
Hier am östlichen Ortsrand von Winterbach sollen Häuser und Wohnungen entstehen. © Gabriel Habermann

Viele Wohnungs- und Bauplatzsuchende blicken mit Spannung auf Winterbach, seit die Gemeinde das Baugebiet „Riedwiesen“ angekündigt hat. 500 Menschen sollen dort einmal wohnen können. Wie die Gemeinde jetzt mitteilt, wird die Erschließung allerdings erst im Frühjahr 2023 beginnen können. Die Gemeinde denkt über ein Haus für Betreutes Wohnen oder Seniorenwohnen nach, hat aber darüber hinaus keine eigenen Bauplätze zum Verkauf. Insgesamt soll die Vorgabe gelten: 20 Prozent der Wohnungen müssen deutlich unter dem örtlichen Mietspiegel angeboten werden.

Der Gemeinderat hat jetzt den Satzungsbeschluss für den Bebauungsplan einstimmig und ohne weitere Diskussion gefasst. Bürgermeister Sven Müller sprach von einem „Meilenstein“. Warum aber dauert es mit dem Baugebiet nun trotzdem noch so lange? Antworten auf diese und weitere Fragen zum Baugebiet Riedwiesen.

Warum dauert es jetzt noch so lange bis zur Erschließung des Baugebiets?

Der Bebauungsplan für die Riedwiesen steht, aber geplant und vorbereitet werden muss noch viel, bevor auch nur ein Körnchen Erde am östlichen Winterbacher Ortsrand bewegt wird, bis Leitungen verlegt und Straßen gebaut werden können. Im Januar oder Februar werde man das Umlegungsverfahren mit den Grundstückseigentümern abschließen, sagt der Winterbacher Bauamtsleiter Rainer Blessing. Dann könne der Erschließungsträger, ein von der Gemeinde damit betrautes Ingenieurbüro, mit diesen die nötigen Verträge abschließen.

Bis zum Sommer werde es dauern, rechnet Blessing, bis die nötige Planung der Erschließung abgeschlossen ist. „Man muss eine sehr ausführliche Tief- und Straßenbauplanung machen“, sagt er. Es gebe sehr viele Vorschriften einzuhalten. „Das Ingenieurbüro arbeitet da mit Hochdruck dran.“ Aber alle Ingenieurbüros seien derzeit mit Aufträgen voll und könnten zugleich nicht mehr Personal einstellen, weil die nötigen Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt fehlen.

Steht die Planung, folgt die Ausschreibung der einzelnen Gewerke für die Bauarbeiten. Die Vergabe könne dann im Spätherbst erledigt sein, so Rainer Blessing. Theoretisch könnte es dann in den Riedwiesen losgehen, aber: „Nachdem wir da auch Wasserleitungen bauen, kann man das nicht über den Winter machen.“ Deswegen der angepeilte Baubeginn für Leitungen und Straßen im Frühjahr 2023.

Und diese Bauarbeiten, das ist klar, werden auch nicht von heute auf morgen erledigt sein. Rainer Blessing geht von einem Zeitraum von bis zu eineinhalb Jahren aus, so dass die Bauherren, die ihre Genehmigung bis dahin haben, im Herbst 2024 loslegen könnten mit ihren Häusern. Weitergedacht heißt das: Vor Ende 2025 oder gar Anfang 2026 wird wahrscheinlich niemand in den Riedwiesen wohnen.

Wohin muss ich mich wenden, wenn ich eine Wohnung in dem Gebiet will?

Diese Frage kann jetzt noch nicht beantwortet werden. Der Bebauungsplan sieht vor allem Mehrfamilienhäuser und nur einige wenige Kettenhäuser vor, keine Einfamilienhäuser.

Fest steht, dass alle relevanten Bauplätze, die für den Bau von Wohnhäusern infrage kommen, in privater Hand sein werden. Das heißt, die bisherigen Grundstücksbesitzer, die im Umlegungsverfahren Baugrundstücke bekommen haben, können diese selbst bebauen oder an einen Bauträger veräußern, der dann die Häuser und Wohnungen auf den Markt bringt.

Baut die Gemeinde nichts in den Riedwiesen?

Die Gemeinde hat im Umlegungsverfahren keine Baugrundstücke bekommen, die sie auf den Wohnungsmarkt bringen könnte, wie Bauamtsleiter Rainer Blessing auf Nachfrage erklärt. Er bittet deswegen Wohnungs- und Bauplatzsuchende, von Anrufen auf dem Rathaus abzusehen.

Ganz leer ausgegangen ist die Gemeinde allerdings nicht. Ein Grundstück in den Riedwiesen ist als Gemeinbedarfsfläche für den Bau einer neuen Kindertagesstätte reserviert.

Angedacht sind laut Rainer Blessing in dem Gebäude auch eine öffentlich nutzbare Begegnungsstätte sowie auch einige Wohnungen. Diese sollen staatlich geförderte, sogenannte Sozialwohnungen sein, die an Menschen mit Wohnberechtigungsschein vergeben werden. „Wir sind gerade dazu im Gespräch mit der Kreisbaugruppe“, sagt der Bauamtsleiter.

Für ein zweites Grundstück, das für den Bau eines Mehrfamilienhauses geeignet ist, erwägt die Gemeinde, etwas in Richtung Betreutes Wohnen oder Seniorenwohnen zu realisieren. „Das wird der Gemeinderat noch diskutieren“, sagt Rainer Blessing.

Worum geht es, wenn von „Sozialwohnungen“ die Rede ist?

Das Wort weckt Assoziationen, die mit der Realität wenig zu tun haben. In einem Einwand gegen den Bebauungsplan schreibt ein Winterbacher Bürger von einer „Ghettoisierung“, die er befürchtet, weil die Gemeinde festschreiben will, dass 20 Prozent der Wohnungen für den sozialen Wohnungsbau reserviert sein müssen.

Das heißt allerdings konkret lediglich: Sie müssen, mit Hilfe staatlicher Förderung, mit Mieten unter dem ortsüblichen Mietspiegel angeboten werden. Und: Sie sind nicht für den freien Markt bestimmt, sondern nur Personen mit einem Wohnberechtigungsschein können sich Hoffnung darauf machen.

Diesen Schein stellen die Kommunen auf Antrag aus. Dafür gelten als Voraussetzungen unter anderem bestimmte Einkommensgrenzen, die deutlich höher liegen, als man vielleicht denkt. Laut Info des Wirtschaftsministeriums Baden-Württemberg kann zum Beispiel ein Haushalt mit zwei Personen mit einem Haushaltseinkommen von bis zu 51 850 Euro pro Jahr einen Wohnberechtigungsschein bekommen.

Welche Einwände gab es sonst gegen Baugebiet und Bebauungsplan?

Die Pläne der Gemeinde in den Riedwiesen stießen, wie mehrfach berichtet, nicht bei allen auf uneingeschränkte Begeisterung. Winterbacher Bürger äußerten Befürchtungen angesichts der Größe des Baugebiets, dass der „dörfliche Charakter“ des Orts verloren gehen könnte, wenn zu den bisher rund 7500 Einwohnern 500 neue dazukommen. Auch vom BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) kam massive Kritik: Er bezweifelt den Bedarf für so viele Wohnungen und den hohen Flächenverbrauch. In einer weiteren Stellungnahme schreibt der BUND nun noch einmal von „ungezügelter Bebauung“ und einer zu kurz gekommenen Abwägung der Auswirkungen auf Natur und Tierwelt und fehlenden Festlegungen für Klimaschutzmaßnahmen beim Bauen.

Die Gemeinde ist jedoch der Ansicht, wie Bauamtsleiter Rainer Blessing noch einmal auf Nachfrage erklärt: „Dass Klimaschutz nicht so weit gehen darf, dass man die grünen Wiesen belässt und nichts ändert.“ Es sei eine Abwägung: „Wir haben auf der anderen Seite der Waage die große Wohnungsnot und viele Familien, die keine Wohnung finden.“

Deswegen legen Verwaltung und Gemeinderat den Fokus in den Riedwiesen auch auf den Bau von mehrstöckigen Mehrfamilienhäusern und verdichtetes Bauen. Es soll keine frei stehenden Einfamilienhäuser geben, sondern außer den dominierenden Mehrfamilienhäusern nur einige Ketten- oder Reihenhäuser.

Viele Wohnungs- und Bauplatzsuchende blicken mit Spannung auf Winterbach, seit die Gemeinde das Baugebiet „Riedwiesen“ angekündigt hat. 500 Menschen sollen dort einmal wohnen können. Wie die Gemeinde jetzt mitteilt, wird die Erschließung allerdings erst im Frühjahr 2023 beginnen können. Die Gemeinde denkt über ein Haus für Betreutes Wohnen oder Seniorenwohnen nach, hat aber darüber hinaus keine eigenen Bauplätze zum Verkauf. Insgesamt soll die Vorgabe gelten: 20 Prozent der Wohnungen müssen

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