Winterbach

Bluesnacht beim Zeltspektakel Winterbach: King King, Walter Trout und Gov't Mule

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Walter Trout Zeltspektakel Winterbach
Trout und seine Band geben beim Zeltspektakel alles. © ZVW/Alexandra Palmizi
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Gov't Mule Zeltspektakel Winterbach
Kunstvoll, lebendig und vor allem kraftvoll liefern Gov't Mule eine Show ab. © ZVW/Alexandra Palmizi

„Endlich wieder Rock'n Roll“ heißt es zur Begrüßung der Bluesnacht beim Winterbacher Zeltspektakel. Nach eher sanften Konzerten mit Gregor Meyle und Milow am Vorabend soll es heute Abend bei gleich drei Konzerten richtig scheppern. Und das Publikum ist ein ganz anderes als gestern. Auffallend viele Männer in den besten Jahren sind da. Viele mit langen, schon ergrauten Haaren. Manche sehen aus wie waschechte Rocker. Es ist schon vor allem ein Männerabend. Rau, dunkel und herzhaft.

Große Hymnen und Balladen von King King

Den Auftakt machen King King. Die Band aus Schottland erhielt bei den British Blues Awards mehrfach die Auszeichnung Beste Band und Bestes Bluesalbum. Der korpulente Frontmann Alan Nimmo trägt einen klassischen Kilt. Sein Bruder Steve steht als Gitarrist ebenfalls auf der Bühne. Die Musik bewegt sich zwischen Bluesrock, Soul und Classic Rock. Manchmal klingt es ein wenig nach Whitesnake oder Europe. Große Hymnen und Balladen, die aber immer straight und schnörkellos rüberkommen.

Im Song „Rush Hour“ geht es um ein Leben unter Hochspannung, über das Gefangensein im großen Getriebe. „Reaching for the light - But I'm outta of time - And I can′t breathe - In the rush hour“. Alan Nimmo hat viel Soul in der Stimme und auch in den anderen Songs geht es immer ums Ganze. Nicht aufgeben, an die eigene Kraft glauben. „One World“ ist eine rockige Hymne an das Leben aus dem aktuellen Album „Maverick“ von 2020. King King sind sehr freigiebig mit kraftvollen Hooklines, die im Ohr bleiben. Da beben die hölzernen Bodenplatten im großen Winterbacher Konzertzelt.

Ungestüm, psychodelisch, als wär's der letzte Tag: Walter Trout

Weiter geht es mit Walter Trout. Ein Altgedienter. Er spielte bei John Lee Hooker, Canned Heat und John Mayall. Mit über 70 Jahren bringt Trout eine fantastische Energie rüber. Eine Energie, die nicht trotz des Alters da ist, sondern zu ihm zu gehören scheint. Dabei wäre Trout 2014 fast an einer Lebererkrankung gestorben. Nur durch eine groß angelegte Spendenaktion konnte eine Organtransplantation finanziert werden. Seit Ender der 60er steht er schon auf der Bühne. Und seit 1989 ist er Solo unterwegs. Wow, Trout und seine Band geben alles. Ungestüm, psychodelisch, als wär's der letzte Tag. Seine Stimme ist kratzig und widerborstig wie der Klang seiner Gitarre. Dabei ist Trout viel näher am klassischen Blues als King King. Manchmal klingt er wie John Mayall auf Speed.

Kreatives Feuerwerk mit Gov't Mule

Um 22 Uhr betreten Gov't Mule die Bühne. Die Musiker verschwinden regelrecht hinter buntem Licht und vor allem hinter der Größe ihrer Musik. Starkstrom. Warren Haynes (Gesang und Gitarre) brennt ein kreatives Feuerwerk ab. Die Songs gehen ineinander über, nur ganz selten bricht der reißende Strom ab. Haynes entlockt seinem Instrument kreischende, glucksend Töne, die nichts mit dem Standard-Repertoire im Rock zu tun haben. Nie wird es schematisch, nie vorhersagbar. Da schwebt plötzlich über dem kraftvollen Klangteppich eine zarte Melodie, die nach den Beatles klingt, da treibt kraftvoller Reggae den Blues vor sich her. Dabei sind die Ausnahmemusiker auf magische Weise aufeinander abgestimmt.

Auf den Alben der Band finden sich klassische Songs, hier allerdings sind es eher lebendige Wesen, die aus reiner Energie zu bestehen scheinen und sich ständig wandeln. Diese Vielschichtigkeit lässt sich kaum auf eine Scheibe pressen. Passend dazu der Text aus „Bank of the deep end“ aus dem Album „The deep end, Vol.1“: „Wild dreams turn to nightmares - Silver clouds turn to golden stairs - Everything that you used to know - Is slippin' away, yeah“. Klingt wie ein Manifest dieser Musik, die trotzdem im Kern bodenständig ist.

Haynes kam wie der 2000 verstorbene Bassist Allen Woody von der Allman Brothers Band. 1994 wurden Gov't mules gegründet und haben sich seitdem musikalisch längst von den Allman Brothers emanzipiert. Im aktuellen Longplayer „Heavy Load Blues“ ist die Band wieder näher dran am klassischen Blues. Aber so kunstvoll, so lebendig und vor allem so kraftvoll hat noch kaum jemand auf der Tradition des Blues getanzt. Die ganz große Zeit des Rock findet gerade jetzt in diesem Moment statt – in Winterbach.                     

„Endlich wieder Rock'n Roll“ heißt es zur Begrüßung der Bluesnacht beim Winterbacher Zeltspektakel. Nach eher sanften Konzerten mit Gregor Meyle und Milow am Vorabend soll es heute Abend bei gleich drei Konzerten richtig scheppern. Und das Publikum ist ein ganz anderes als gestern. Auffallend viele Männer in den besten Jahren sind da. Viele mit langen, schon ergrauten Haaren. Manche sehen aus wie waschechte Rocker. Es ist schon vor allem ein Männerabend. Rau, dunkel und

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