Winterbach

Café-Bistro „Volapük“ schließt zum Ende des Jahres

Raus aus der Selbstständigkeit_0
Zwanzig Jahre und viele Höhen und Tiefen hat Petra Pleser in das „Volapük“ gesteckt. Jetzt startet für sie ein neuer Lebensabschnitt. © ZVW/Benjamin Büttner

Winterbach. Vor 20 Jahren hat Petra Pleser das „Volapük“ übernommen und seitdem den Großteil ihrer Zeit in das Café-Bistro und seine Gäste investiert. Jetzt will sie neue Wege gehen, aber nicht ohne sich auf diesem Wege und mit einer kleinen Feier für die Gäste zu verabschieden. Was danach aus dem Betrieb wird, steht noch in den Sternen.

„Gastronomie war einfach mein Ding“, sagt Petra Pleser. Seitdem sie 18 ist, hat sie nebenher bedient, Abende und Wochenenden geopfert und mit Gästen gelacht. Jetzt ist sie 57 Jahre alt und die Entscheidung, sich beruflich zu verändern, ist lange in ihr gereift. Ein Mangel an Bedienungskräften, lange Arbeitstage und eine Woche Urlaub im Jahr waren letztendlich ausschlaggebend. „Den Absprung schaffen, solange es noch geht“ will Petra Pleser mit einer Stelle in ihrem alten Beruf als Zahnarzthelferin.

Die Höhen: Der Kontakt zu den Gästen war das Beste an der Arbeit

Einfach fiel ihr die Entscheidung aber nicht, das wird klar, wenn sie über ihre Gäste spricht, von denen viele immer wieder kamen. Die Winterbacher Kulturinitiative Rock und Mitglieder aus den verschiedensten Sportvereinen trafen sich abends bei ihren Stammtischen, nachmittags fanden sich Gäste aus dem benachbarten Pflegeheim zu Kaffee und selbst gebackenen Kuchen ein. „Seelsorgerin“ war sie, der Kontakt mit Gästen hat ihr so Spaß gemacht, dass sie trotz harter Arbeitszeiten so lange weitergemacht hat. „Die Gäste haben mich akzeptiert“, freut sie sich. „Ich habe mir hier wirklich etwas aufgebaut.“

Die Tiefen: Keine Zeit für die Familie und eigene Hobbys

Viele Gäste sind traurig, wenn sie erfahren, dass es das „Volapük“ bald nicht mehr gibt. Besonders die Stammgäste fragen nach dem Warum. Bei der Erklärung zeigen sie dann aber Verständnis: Das „Volapük“ hat von Montag bis Sonntag geöffnet, an den meisten Tagen von zehn Uhr morgens bis um Mitternacht. Petra Pleser ist jeden Tag da, bis auf Montag. Da geht sie einkaufen und macht die Buchhaltung, „nebenher“. Vor zehn Uhr kocht sie, damit sie sich danach um die Gäste kümmern kann.

„Zeit für mich selbst“ – darauf freut sie sich am meisten, wenn sie ab nächstem Jahr „nur“ noch einen Vollzeitjob ausübt. Freie Abende und Wochenenden, an denen sie einfach mal ein Buch lesen, schwimmen oder spazieren gehen kann. Besonders kurz gekommen ist auch die Familie. An Feiertagen hat sie gearbeitet, an Heiligabend gab es ein paar kurze Stunden Freizeit, bevor es wieder ins „Volapük“ ging. Wenn ihre Familie sie sehen wollte, mussten sie ins Café kommen.

„Ohne meinen Lebensgefährten hätte ich schon früher aufgehört“, ist sie sich sicher. Der ist zwar selbst berufstätig, war ihr in den letzten fünf Jahren aber eine große Unterstützung, hat bei Feiern gekocht und ausgeholfen, wenn eine Bedienung kurzfristig abgesagt hat. Auch ihre zwei Kinder verbrachten viel Zeit im Café. „Seitdem sie 18 sind, haben sie in den Ferien mitgeholfen und sind immer für mich da gewesen.“

Die Suche nach einem Nachfolger lief bis jetzt erfolglos

Jetzt ist das erste Enkelkind da und Petra Pleser bald weg. Nicht aus Winterbach, aber zumindest weg vom „Volapük“. Am Tag vor Silvester öffnet sie das letzte Mal die Türen, danach ist Schluss mit dem Herzensprojekt. Wie es danach mit dem Gebäude weitergeht, ist noch nicht geklärt.

Die Suche nach einem Nachfolger für das „Volapük“ lief bis jetzt erfolglos. Ein paar Nachfragen habe es gegeben, aber „das Konzept muss passen“, findet Petra Pleser. „Es wäre toll, wenn’s in dieselbe Richtung weitergeht.“ Sie hofft, dass jemand den Laden übernimmt, der auch von den Stammgästen akzeptiert wird. Was der Nachfolger dafür tun muss? „Flexibel sein“, sagt Petra Pleser. Sie erzählt von Weißwurstfrühstücks morgens um sieben Uhr, um die Handballer, die regelmäßig vorbeikommen, vor ihrem Jahresausflug mit einer guten Grundlage zu versorgen, von Gästen, die Extras wollen oder nur eine halbe Portion schaffen. „Auf Gäste eingehen“: Petra Pleser hat das gern gemacht, weil sie ihr über die vielen Jahre ans Herz gewachsen sind.


Winterbach. Vor 20 Jahren hat Petra Pleser das „Volapük“ übernommen und seitdem den Großteil ihrer Zeit in das Café-Bistro und seine Gäste investiert. Jetzt will sie neue Wege gehen, aber nicht ohne sich auf diesem Wege und mit einer kleinen Feier für die Gäste zu verabschieden. Was danach aus dem Betrieb wird, steht noch in den Sternen.

„Gastronomie war einfach mein Ding“, sagt Petra Pleser. Seitdem sie 18 ist, hat sie nebenher bedient, Abende

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