Winterbach

Ein Stadtmobil für Winterbach

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Einige Interessierte am geteilten Auto gibt es in Winterbach schon, in der Bildmitte mit Plakat von links: Cornelia Mästle und Theo Wember von der Agenda-Gruppe und Bettina Beißwenger, die lokale Filialleiterin von Stadtmobil aus Remshalden. © Manz / ZVW

Winterbach. Flexibel, umweltschonend und preisgünstig – mit diesen Eigenschaften wirbt Stadtmobil Carsharing für das Angebot seiner Flotte von Gemeinschafts-Fahrzeugen in der Region. Einige Interessierte wollen nun dafür sorgen, dass so ein Auto auch nach Winterbach kommt. Bisher gestaltet sich ihr Ansinnen etwas zäh. Doch das Nutzer-Potenzial sehen sie im Ort.

Mit zähfließenden Blechlawinen verstopfte Straßen, verpestete Luft und Parkplatznotstand – die zunehmenden Plagen der Autoregion Stuttgart kennen sie auch in Winterbach nur zu gut. Die Lösung für all diese Probleme: Carsharing. Findet zumindest eine Gruppe Engagierter um die Winterbacherin Cornelia Mästle. Ihre überzeugende Gleichung: Je mehr Leute auf ein eigenes Auto verzichten und sich stattdessen gemeinschaftlich eins teilen, desto mehr Platz und frische Luft gibt es auf den Straßen, desto weniger Ressourcen gehen drauf, um immer neue Blechkisten zu produzieren.

Dieser Gedanke ist seit 25 Jahren das Konzept des Vereins Stadtmobil Stuttgart, der heute sein Netz von Carsharing-Fahrzeugen weit in die Region gespannt hat. Im Remstal reicht die Versorgung bis Schorndorf, aber Winterbach ist bisher noch ein weißer Fleck auf der Karte. Das wollen Cornelia Mästle und ihre Mitstreiter ändern.

"Autohasser": Mit Bahncard 100 und Fahrrad durchs Leben

Theo Wember bezeichnet sich selbst als „Autohasser“. Er besitzt selbst keines und bewegt sich mit Bahncard 100 und Fahrrad durchs Leben. 60 000 Kilometer mit der Bahn und 12 000 mit dem Rad legt er im Jahr zurück, so hat er zusammengerechnet („Ich bin Statistiker.“). Mit dieser Konsequenz ist Wember unter den Carsharing-Interessenten in Winterbach bisher noch relativ alleine. Die meisten haben noch ein eigenes Auto, allerdings nutzen sie es nur sehr wenig. So zum Beispiel Dorothea Schlink-Zykan. Sie sagt, sie sei noch nicht ganz soweit, auf das „Feeling des eigenen Autos“ verzichten zu können. Ganz nüchtern betrachtet, so stellt sie jedoch fest, hätte sie auch alle Annehmlichkeiten, die ihr wichtig sind, mit dem geteilten Auto.

Cornelia Mästle nutzt seit mehr als drei Jahren Carsharing. „Ich habe mein Auto abgeschafft, nachdem ich in einem Jahr nur noch 300 Kilometer damit gefahren bin“, sagt sie. Sie muss bisher für das Gemeinschafts-Auto allerdings nach Weiler oder nach Grunbach zur S-Bahn-Station, wo von Winterbach aus die nächstgelegenen Stadtmobil-Fahrzeuge stehen.

Problematisches Verfahren

20 angemeldete Winterbacher Nutzer verlangt der Verein Stadtmobil Stuttgart, damit er sich mit der Möglichkeit beschäftigt, ein Auto im Ort zu stationieren. Bisher nutzen jedoch weniger als zehn Winterbacher das Carsharing-Angebot. Das Problem sei, meint Cornelia Mästle: „Es gibt einige, die sagen: Wenn ein Auto kommt, dann mache ich mit.“ Da beiße sich die Katze in den Schwanz: Denn das Auto komme eben nur, wenn schon 20 Anmeldungen da seien.

Mästle erkennt in Winterbach mit seinen 8000 Einwohnern aber durchaus das Potenzial dafür. Bettina Beißwenger sieht das auch so. Die Remshaldenerin ist ehrenamtliche Filialleiterin für die Station mit zwei Fahrzeugen am Bahnhof in Grunbach und steht auch als Ansprechpartnerin für alle Carsharing-Interessenten aus Winterbach zur Verfügung.

Beißwenger nutzt das Angebot mit ihrem Lebensgefährten schon seit 2006. Sie weiß: Meist sind es Menschen, die ohnehin möglichst aufs Auto verzichten und eher mit dem Fahrrad oder den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, die sich für das Carsharing interessieren. Beißwenger sieht das Modell aber auch durchaus attraktiv für Familien, die ihr Zweit- oder Drittauto abschaffen wollen – und zwar nicht nur aus ökologischen Gesichtspunkten, sondern unter Umständen sehr wohl auch wirtschaftlich gesehen.

Ab wann lohnt sich Carsharing?

Laut Stadtmobil Stuttgart lohnt sich die Nutzung für alle, die weniger als 12 000 Kilometer im Jahr mit dem Auto zurücklegen. Wer will, kann das Fahrzeug aus dem Car-sharing sogar für den Urlaub nutzen. „Das ist in der Regel günstiger als ein Mietwagen, weil alles drin ist.“ Alles drin, das heißt: In der Grund- und Nutzungsgebühr sind Fixkosten wie für Versicherung, Steuer oder Wartung bereits enthalten.

Ein Carsharing-Nutzer muss sich um nichts kümmern: Pflege, Tanken und Wartung übernehmen Mitarbeiter der Stadtmobil-AG oder auf dem Land ehrenamtliche Wagenwarte des Vereins. Für Winterbach gäbe es bereits einen potenziellen Wagenwart, sollte das Angebot hier zustande kommen. Die Gemeindeverwaltung ist auch mit im Boot: Sie will den nötigen Stellplatz am Bahnhof zur Verfügung stellen.


Carsharing

Mehr als 500 Gemeinschaftsautos von Carsharing Stuttgart stehen an mehr als 200 Stationen in der Region. Der größere Teil befindet sich im Stadtgebiet Stuttgart, viele aber auch im Umland. So gibt es im Remstal Fahrzeuge zwischen Waiblingen und Schorndorf, meist an den Bahnhöfen. Winterbach ist dazwischen noch ein weißer Fleck, die nächstgelegenen Carsharing-Stationen sind von dort die Bahnhöfe in Grunbach und Weiler.

Stadtmobil ist einerseits eine Aktiengesellschaft, andererseits als Verein organisiert, den es schon seit 25 Jahren gibt. In Stuttgart und im Remstal bis Waiblingen betreut die AG die Fahrzeuge. Geht es weiter aufs Land, kümmert sich der Stadtmobil-Verein.

Ehrenamtliche Ansprechpartnerin für Remshalden und Winterbach ist Bettina Beißwenger. Wer Interesse an der Nutzung des Carsharing-Angebots hat, kann sich bei ihr melden (Telefon: 07151/99 46 61, E-Mail: remshalden@stadtmobil-ev.de).

Wer Mitglied bei Stadtmobil wird, kann nicht nur die Fahrzeuge an seinem Wohnort nutzen, sondern alle in der Region Stuttgart und sogar in anderen Städten und Regionen wie zum Beispiel in Berlin, Karlsruhe oder dem Rhein-Main-Gebiet.

Und was kostet es? Es gibt verschiedene Tarife. Allen gemeinsam ist die Aufnahmegebühr von 50 Euro. Die Monatstarife betragen je nach Tarif zwischen 0 und 9,50 Euro. Dazu kommen die Nutzungsgebühren, die sich nach Dauer der Nutzung, Benzinverbrauch und Fahrzeugklasse (von Kleinstwagen bis Transporter) bemessen. So kostet beispielsweise die Nutzung eines Kombis zwischen 7 und 24 Uhr pro Stunde 2,80 Euro plus 26 Cent pro Kilometer (ab 100 und erneut ab 700 Kilometern wird es günstiger, außerdem gibt es günstigere Tages- und Wochentarife). Alle Tarife und weitere Informationen gibt es unter www.stadtmobil-stuttgart.de.