Winterbach

Eltern wünschen sich einen Waldkindergarten in Winterbach

Wurzelino
Kinder im Waldkindergarten Wurzelino in Waiblingen: In Winterbach wird diese Betreuungsform nun auch Thema. © Benjamin Büttner

Unter Eltern in Winterbach gibt es den Wunsch nach einem Waldkindergarten in der Gemeinde. Die Verwaltung um Bürgermeister Sven Müller will sich damit beschäftigen, wenn es um die Planung der Kita im Baugebiet Riedwiesen geht. Davon abgesehen ist die Gemeinde bei den Betreuungsplätzen derzeit gut aufgestellt. Aber auch in Winterbach machen sich Fachkräftemangel und zunehmender Frust bei den Mitarbeiterinnen angesichts verschiedener Entwicklungen bemerkbar.

Bei der Anstrengung, den Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder zu decken, steht Winterbach vor großen Herausforderungen. Eine bereitet Katrin Leitlein, die im Rathaus für den Bereich zuständige Mitarbeiterin, „Bauchschmerzen“, wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung sagt: die Suche nach Fachkräften für die neue Kita im Neubaugebiet Riedwiesen. 2025, so der Plan, sollte diese den Betrieb aufnehmen. Mit wie vielen Gruppen, das ist noch nicht klar, aber sicher ist, dass eine nicht unerhebliche Zahl von Erzieherinnen und Erziehern dafür benötigt wird.

Woher sollen diese kommen, wenn schon jetzt teilweise Stellen nicht besetzt werden können? Und während gleichzeitig im Nachbarort Remshalden und anderswo in der Umgebung auch neue Kinderhäuser mit hohem Personalbedarf geplant werden?

„Massive“ Investitionen in die Ausbildung von Fachkräften

Die Gemeinde Winterbach setzt zur Personalgewinnung verstärkt auf die Ausbildung. Man investiere „massiv“, sagte Bürgermeister Sven Müller im Gemeinderat bei der Vorstellung der Kindergartenbedarfsplanung.

Katrin Leitlein erklärt dazu im Gespräch mit unserer Zeitung: „Wir gucken, dass wir unsere Auszubildenden halten.“ Damit baue man auch mal eine leichte Überkapazität beim Personal auf. Dieser Puffer soll dann mithelfen, die Stellen zu besetzen, wenn die Kita in den Riedwiesen gebraucht wird. In den kommunalen Einrichtungen wird ab kommendem Jahr nochmals eine zusätzliche Ausbildungsstelle geschaffen, es sind dann fünf Auszubildende und eine Kraft im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) angestellt.

Davon abgesehen sehen Müller und Leitlein das allgemeine Arbeitsklima und die Bedingungen, die die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vorfinden, als einen entscheidenden Faktor, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten. „Wichtig ist, dass Erzieherinnen sich gehört fühlen und gar nicht in die Belastungssituation kommen“, sagte der Bürgermeister im Gemeinderat. Katrin Leitlein betonte: „Wir gucken nach unseren Leuten.“ Man müsse ein offenes Ohr für Sorgen und Nöte haben. „Da sind wir gut, behaupte ich einfach mal.“

"Wenn Kinder Sorgen machen oder einfach auffallen"

Ein Faktor in diesem Zusammenhang sei auch die Ausstattung mit Unterstützung durch eine 40-Prozent-Kraft als Heilpädagogischer Fachdienst in Person von Christiane Rumpel. „Sie wird dann von den Erzieherinnen angefragt, wenn Kinder Sorgen machen oder einfach auffallen“, so Katrin Leitlein.

Es geht um Kinder, bei denen die Erzieherinnen und Erzieher im Alltag an ihre Grenzen kommen. Fachkraft Christiane Rumpel gibt Unterstützung, wie sie mit bestimmten Kindern umgehen können. Auch die Eltern würden dann ins Boot geholt.

Viele Fachkräfte „hadern“ mit der Entwicklung ihres Berufs

Bei 18 Kindern sei der Heilpädagogische Fachdienst aktuell in den Winterbacher Betreuungseinrichtungen gefragt, berichtete Katrin Leitlein im Gemeinderat. Das sei ein großes Thema, ergänzt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Fälle nähmen zu – eine Herausforderung für die Erzieherinnen und Erzieher. „Es ist so, dass man im Prinzip dem Kind helfen will und dass man mehr Zeit braucht dafür. Wenn dann manchmal nur zwei Leute in der Gruppe sind, wird es schwierig.“ Das sei ein Grund, aus dem gerade „viele hadern“ mit ihrem Beruf.

Drastischer ist es im Text zur Kindergartenbedarfsplanung der Gemeinde formuliert: Es gebe „zunehmend Fachkräfte, die aufgrund der vollen Gruppen und der Zunahme an entwicklungsbesonderen Kindern an ihre Grenzen kommen und überlegen, den Beruf aufzugeben“. Die Pandemie tat ihr Übriges zur belastenden Arbeitssituation. Und: Überlegungen, „dass die Höchstgruppenstärke auf bis zu 28 Kinder überschritten werden soll oder der Mindestpersonalschlüssel um 20 Prozent unterschritten werden darf, führen hier nicht dazu, dass der Beruf attraktiver wird“.

Froh, wenn überhaupt Bewerbungen kommen

Der Fachkräftemangel mache sich auch in Winterbach „gravierend“ bemerkbar, so Katrin Leitlein. Bei Stellenausschreibungen müsse man teilweise froh sein, wenn man überhaupt Bewerbungen bekomme.

Ganz praktisch betroffen seien aktuell die Einrichtungen in der Trägerschaft der evangelischen und der katholischen Gemeinde, wo jeweils eine Fachkraft fehle, so Katrin Leitlein. Der Waldorfkindergarten könne gerade eine Kleinkindgruppe wegen Personalmangel nur halb auslasten.

Genügend Betreuungsplätze vorhanden

Dennoch stehen aktuell genügend Betreuungsplätze in Winterbach zur Verfügung, um den Bedarf zu decken. Bei den Kindern über drei Jahren kann die Gemeinde bis auf wenige Ausnahmen sogar alle konkreten Wünsche für einen Platz in einer bestimmten Einrichtung erfüllen. Im U-3-Bereich, das heißt, bei den Kleinkindern unter drei Jahren, gibt es zum Stand der im Gemeinderat vorgestellten Bedarfsplanung bis zum Ende des kommenden Kindergartenjahres noch 16 freie Plätze. Katrin Leitlein geht aber davon aus, dass hier noch einige Anmeldungen kommen und die Plätze bis Sommer 2023 auch noch gebraucht werden.

Es gebe über die vergangenen Jahre eine Kontinuität, so ein Fazit von Bürgermeister Müller, weil Winterbach keine größeren Neubaugebiete gehabt habe. „Das wird sich natürlich drastisch ändern, wenn unser Neubaugebiet Riedwiesen bebaut wird und zwischen 400 und 500 neue Einwohnerinnen und Einwohner dazukommen.“

Aus den Reihen der BWV-Fraktion kam im Zusammenhang mit der neu zu planenden Kita der Antrag, sich auch mit der Möglichkeit eines Waldkindergartens als ganz neue Betriebsform zu beschäftigen. „Es gibt viele Leute, die total Interesse hätten“, sagte Andrea Merkt. Auch unter den neuen Familien in den Riedwiesen seien vielleicht Interessenten dafür. BWV-Kollege Helmut Nachtrieb sprach sogar von einem Wunsch, der „extrem hoch“ sei in Winterbach.

Gute Betreuungsform für "schwierige Kinder"?

CDU-Rätin Sylvia Bürk dachte beim Thema Waldkindergarten noch in eine andere Richtung: Das könne vielleicht eine gute Möglichkeit sein, für „schwierige Kinder“ eine passendere Betreuungsform zu bieten.

Katrin Leitlein sagte darauf: „Die Pläne für einen Waldkindergarten liegen bei mir in der Schublade.“ Tatsächlich hat sich die Gemeinde darüber ernsthafte Gedanken gemacht, als 2015 viele Kinder aus geflüchteten Familien in Winterbach lebten. Dann reichten aber die vorhandenen Plätze, man habe es deswegen nicht weiterverfolgt, so Leitlein. Bis zur Standortsuche waren die Pläne damals noch nicht gekommen.

Bürgermeister Sven Müller zeigte sich offen für den „Impuls“, als den er den Antrag der BWV aufnahm. Er sagte zu, das Thema Waldkindergarten bei den anstehenden Überlegungen für die neue Kita im Baugebiet Riedwiesen einzubringen.

Unter Eltern in Winterbach gibt es den Wunsch nach einem Waldkindergarten in der Gemeinde. Die Verwaltung um Bürgermeister Sven Müller will sich damit beschäftigen, wenn es um die Planung der Kita im Baugebiet Riedwiesen geht. Davon abgesehen ist die Gemeinde bei den Betreuungsplätzen derzeit gut aufgestellt. Aber auch in Winterbach machen sich Fachkräftemangel und zunehmender Frust bei den Mitarbeiterinnen angesichts verschiedener Entwicklungen bemerkbar.

{element}

Bei der

Alle Abos jederzeit kündbar:
ZVW+ MONATLICH
Erster Monat gratis, danach 5,99 €/mtl.
ZVW+ JÄHRLICH
Statt 71,88 € (Zwei Monate gratis)
ZVW+ JÄHRLICH mit ePaper
mit täglichem Zugriff zum ePaper