Winterbach

Fußball für Integration

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Beim anschließenden Turnier in der Salierhalle spielen die Kinder gegeneinander und messen sich im sportlichen Wettkampf. © Schneider/ZVW

Winterbach. Ein Junge mit dunklen Haaren stürmt aus der Kabine in die Salierhalle. „Fußball!“, ruft er! Darum geht es am Donnerstag: „Fußball!“ Mit dem Jungen spielen 29 weitere Kinder aus Winterbach, eine Mischung mit und ohne Flüchtlingshintergrund, mitunter aus sozial benachteiligten Haushalten. Sie kicken mit Jochen Bauer, DFB-A-Lizenz-Trainer. Er hat ein sportliches Integrations-Angebot mitgebracht – oder auch ein integratives Sport-Angebot, das Langzeitwirkung entfalten soll.

Man kennt das ja aus der Politik: Da wird ein Integrationsgipfel in Berlin angekündigt. Viel Wirbel, wohlfeile Sätze, Blitzlicht. Das Ziel: ein Signal nach außen senden: Wir kümmern uns! Danach geht die Politik meist zum Tagesgeschäft über. Der Ball liegt dann im Spielfeld von Kommunen, Schulen und Vereinen, die die Integration konkret umsetzen sollen, müssen – wollen. Auch an der Lehenbachschule in Winterbach steht das Thema Integration – nicht erst seit dem Sommer 2015 – auf dem Stundenplan. Dieses Mal mit einem erfahrenen A-Lizenz-Trainer. Jochen Bauer sucht den Doppelpass mit Vereinen, Schulen und Gemeinden. Er bietet ein Gesamtpaket für diese Institutionen an, sucht Sponsoren, um Integration, Bewegung und den Vereinsport zu fördern. Zurzeit verfolgt er vor allem einen integrativen Ansatz, gehen doch dieser Tage viele Flüchtlingskinder in Vorbereitungsklassen. Kicken diese jungen Leute mal für ein paar Stunden mit anderen Kindern, entsteht Kommunikation, Kontakt – aus Kindern werden bestenfalls Kumpel.

Sport, Disziplin, Zusammenhalt und Integration saisonübergreifend fördern

Jochen Bauer liegt auf dem Rücken, in der Hand einen Fußball. Zwei Jungs gucken ihn an, denn irgendwann wird Bauer den Ball Richtung Tor rollen. Wer schneller und geschickter ist, gewinnt den Zweikampf, kann aufs Tor schießen. Bauer zuckt, die Kinder zucken. Der Ball nicht. Plötzlich lässt er ihn doch los. Die Jungs spurten. In der ganzen Halle werden derlei Übungen angeboten. Schulsozialarbeiter Manuel Schmid mischt mit, ein Co-Trainer von Bauer sowie Sportlehrer Oliver Benesch und Jens Schmierer, offene Jugendarbeit. Er wird die Fußball-AG in Zukunft anbieten, für die am Donnerstag die Weichen gestellt werden. Denn Jochen Bauer will keinen schnellen Konter fahren, einen Spieltag gewinnen. Er will den Sport, die Disziplin, den Zusammenhalt und die Integration saisonübergreifend fördern, Projekte initiieren. Darum ist er am Donnerstag vor Ort. Danach wird vor allem Jens Schmierer mit den Kindern arbeiten, die Schul-Fußball-AG anbieten. Was bringt das Ganze?

„Sport verbindet“, weiß Sozialarbeiter Manuel Schmid. Worum geht es heute? Sport oder Integration? Na beides, sagt er. Die Jungs sollen sich bewegen, auf das Vereinsleben aufmerksam gemacht werden.

„Heute weiß ich, dass sich der Aufwand gelohnt hat“

Denn hier spielen Kinder, die noch nicht im Verein aktiv sind. Braucht man derlei Angebote, damit Integration funktionieren kann? Das sei ein Zubrot, sagt Schmid, der optimistisch klingt, was die Integration in Winterbach betrifft. Dann klatscht Jochen Bauer. „Alle mal herkommen.“ Stille. Kurze Ansprache. Er schreit. „Wollt ihr ein Turnier?“. Ja, rufen einige Kinder. Das reicht Bauer nicht. „Wollt ihr ein Turnier?“, brüllt er – und die Kinder brüllen zurück. Ob sich Lehrer Oliver Benesch von derlei Fußball-Lehrer-Kniffen etwas abschauen möchte, fragen wir ihn nicht. Aber was hält ein Sportlehrer von diesem Angebot? Gelingt Integration in einer Halle besser als im Klassenraum? Hier sei es einfacher, sagt er. Im Unterricht müsse er allen Kindern gerecht werden, den starken und den schwachen, jenen, die Deutsch sprechen, und jenen, die Probleme mit der Sprache haben. Mal kriegen die einen viel Aufmerksamkeit, mal die anderen. Das sei mitunter schwierig, das seien die Herausforderungen, vielleicht auch Probleme des alltäglichen Unterrichts. „Heute weiß ich, dass sich der Aufwand gelohnt hat“, sagt er über das Fußball-Projekt. Das bringe auch viel für das Klima an der Schule. „Kinder tun sich hier leichter“, spielen gemeinsam, statt sich in kleinen Gruppen zu treffen. Das sagt auch Jens Schmierer: „Hier bringen sie Kinder zusammen, die sich sonst nicht begegnen.“ Auch darum biete man an der Lehenbachschule seit vielen Jahren die Fußball-AG an. Jochen Bauer will dieses Konzept an viele Orte bringen. „Happy integration kids“ soll das Angebot bald heißen. Er und die Helfer der Lehenbachschule wollen am Ball bleiben. Damit man nicht nur darüber spricht, sondern es einfach macht, den Ball verteilt – und im Spiel hält.

VfB-Trainer

Mit derlei Fußball-Integrationstagen werden Gemeinde, Schule und Vereine für das Projekt zusammengebracht. Wer miteinander Fußball spielt, dem fällt anschließend der Kontakt zueinander leichter, betont Trainer Jochen Bauer. Unter anderem war er beim VfB Stuttgart Jugendtrainer.