Winterbach

Großes Konzert in Winterbach: Klaus Marquardt, der Ausnahmegeiger ohne Grenzen

Klaus Marquardt
Klaus Marquardt im heimischen Wohnzimmer in Manolzweiler, das zugleich sein Studio ist. © Gabriel Habermann

Er spielte mit Pur in der Arena auf Schalke und mit den Fantastischen Vier auf ihrer ersten Unplugged-Tour, nahm mit Xavier Naidoo und der Metalband Blind Guardian auf. Klaus Marquardt ist mit seiner Violine ein Grenzgänger, den es in der Art extrem selten gibt. Von Rock und Blues über Metal und Hip-Hop bis Pop oder Jazz hat er wirklich schon alles gemacht und kennt keinerlei Berührungsängste. An diesem Samstag, 26. November, bei einem großen Konzertabend mit vielen Bands und Gästen in Winterbach huldigt er nun Woodstock, dem Bluesrock und Jimi Hendrix, der am kommenden Sonntag 80 Jahre alt geworden wäre – Marquardt selbst wird am selben Tag 60.

Mit großen Stars gespielt, selbst bodenständig geblieben

„The Taste of Woodstock“ heißt die Veranstaltung am Samstag in der Lehenbachhalle. Einer, der wie Jimi Hendrix 1969 in Woodstock selbst dabei war, reist extra aus England an: Miller Anderson, damals Teil der Keef Hartley Band. Klaus Marquardt lernte Miller 1995 auf der Hochzeit der großen Ballett-Tänzerin Marcia Haydée kennen.

Das klingt  alles ziemlich glamourös, nach großer weiter Welt. Man muss aber feststellen: Klaus Marquardt war zwar als Musiker weltweit unterwegs und spielte mit großen Stars, er blieb jedoch immer ziemlich bodenständig und seinen Wurzeln im Schwäbischen treu. Er wohnte in Stuttgart, Esslingen, lange in Urbach, jetzt seit acht Jahren im Winterbacher Ortsteil Manolzweiler in einer kleinen Mietwohnung.

Sein Wohnzimmer dort ist auch ein Studio. Mehrere Geigen hängen an der Wand, zwei Gitarren und eine Mandoline stehen vor einem Schreibtisch, alle Instrumente kann er spielen, ein Meister ist er aber auf der Violine. Auf dem Schreibtisch stehen ein Mischpult und PC mit offenem Audio-Schnittprogramm. Er arbeite gerade mit an einem Stück von Frank Tischer, dem Keyboarder der Miller Anderson Band, erklärt er. „Ich nehme die Geige hier auf, mit meinem System. Das schicke ich ihm dann und er bastelt das bei sich in den Song.“ So entstehen heute auch Musikalben, ohne dass sich die Musiker zusammen im Studio treffen, die Technik macht’s möglich.

Der Bruch durch Corona war krass, aber er kam „okay durch“

Er habe so auch während der vergangenen zweieinhalb Jahre gut von zu Hause arbeiten können, sagt Klaus Marquardt. „Ich bin relativ okay durchgekommen“, sagt er zur Corona-Zeit, in der viele Musiker, die er kennt, die Kunst notgedrungen aufgegeben haben und sich andere Jobs gesucht haben, weil sie nicht mehr arbeiten konnten. Aber auch in Klaus Marquardts Leben war der Bruch krass. „2019 war bei mir eigentlich das extremste Jahr“, sagt er. Gerade mal 15 Tage habe er in dem Jahr freigehabt, sonst sei alles mit Projekten und Konzerten ausgefüllt gewesen - und dann 2020 alles auf null runter.

Klaus Marquardt stürzte sich in die Studioarbeit, nutzte die Zeit zum Beispiel, um Aufnahmen mit seinem Bluesprojekt „ViolinExperience“ zu machen. „Die neue Platte kommt vor Weihnachten noch.“

Seine erste Band gründete Marquardt zusammen mit Mitschülern am Georg-Büchner-Gymnasium in Winnenden im Alter von 13 Jahren. Da spielte er schon einige Jahre Violine. In der Band begann er zum ersten Mal, auf dem Instrument zu improvisieren. Und obwohl ihn auch das Gitarrespielen reizte und er Gitarrenhelden wie Jimi Hendrix oder Jimmy Page bewunderte, blieb er dabei.

„Ich habe irgendwann entdeckt, dass es mit der Geige viel interessanter ist als mit der E-Gitarre.“ Frei zu spielen, zu improvisieren, das sei mit der Violine gar nicht so leicht. Deswegen gebe es auch nicht viele, die dies auf hohem Niveau beherrschten, „deswegen hat mich das fasziniert“.

Ganz klassisch Geige studiert

Marquardt studierte nach dem Abitur klassisch Geige in Würzburg. Aber nebenbei sei er viel mit Jazzern zusammen gewesen, erzählt er. Schließlich lernte er Miller Anderson kennen, und hat seither immer wieder mit ihm zusammen gespielt. Zugleich ist er aber auch immer wieder ganz klassisch unterwegs, in Musicals oder zum Beispiel von 2008 bis 2019 bei den Heidelberger Sinfonikern.

Ab der Jahrtausendwende waren seine Qualitäten als Musiker aber auch zunehmend gefragt bei einigen klangvollen Namen aus der Popwelt. Klaus Marquardt war bei Studioaufnahmen für Künstlerinnen und Künstler wie DJ Hausmarke, Joy Denalane, Ray Wilson (Ex-Genesis), Sasha, Xavier Naidoo oder Jule Neigel im Einsatz.

Für die erste Unplugged-Tour der Fanta 4 im Jahr 2003 stellte er die Streicher-Sektion zusammen und spielte selbst mit. 2005 trat er mit Pur vor 70 000 Zuschauern auf Schalke auf, als Teil des German Pops Orchestra. Als Geiger, der im Song „Ich denk an dich“ das Solo spielte, wurde Klaus Marquardt sogar das einzige Mal in seinem Musikerleben auf der Straße von einem Fremden wiedererkannt.

"Für alle Musikrichtungen immer sehr offen"

Weniger bekannt ist seine Zusammenarbeit mit der türkischen Rockband Limanja oder den Metallern von Blind Guardian, für die er zu dem Song „Curse my Name“ die Geige einspielte. „Ich bin für alle Musikrichtungen immer sehr offen“, sagt er. Die festen Kategorien, den Graben zwischen der klassischen Musik und anderen Stilen oder auch die Abgrenzung von Rockern gegenüber Poppern oder Hip-Hoppern habe er nie ganz verstanden. Überall könne es gute Musik geben.

Er betont aber auch: Er sei sehr professionell unterwegs, deswegen müsse er auch nicht immer alles toll finden und „mit Herz und Seele drauf stehen“, wenn er etwas mache, um dennoch voll dabei zu sein und das Beste rausholen zu wollen.

Ein vollgepackter Abend, wie es ihn selten gibt

Definitiv eine Herzensangelegenheit ist für Klaus Marquardt das Konzert an diesem Samstag in Winterbach, das die Kulturinitiative Rock veranstaltet. Er ist dabei gleich mehrfach in Aktion. Mit Wendersonn (die Schwabenrocker landeten gerade jetzt auf Platz 50 bei der SWR1-Hitparade), mit ViolinExperience, mit der Miller Anderson Band und Tiny Wings (mit Biggi Binder und Micha Schad).

Ein Konzertabend, bei dem so viel geboten werde, das finde man in der Form eigentlich selten, meint Marquardt. Zum Programm gehören außerdem noch Henrik Freischlader sowie die Band Bölter. Außerdem spielen als „Special Guests“ Thomas Keltsch, Calo Rapallo, Vitek Spacek und Cherry Gehring mit. Ebenfalls mit Geburtstag feiert dabei Thomas Keltsch, der bei ViolinExperince am Schlagzeug sitzt.

Er spielte mit Pur in der Arena auf Schalke und mit den Fantastischen Vier auf ihrer ersten Unplugged-Tour, nahm mit Xavier Naidoo und der Metalband Blind Guardian auf. Klaus Marquardt ist mit seiner Violine ein Grenzgänger, den es in der Art extrem selten gibt. Von Rock und Blues über Metal und Hip-Hop bis Pop oder Jazz hat er wirklich schon alles gemacht und kennt keinerlei Berührungsängste. An diesem Samstag, 26. November, bei einem großen Konzertabend mit vielen Bands und Gästen in

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