Winterbach

Hallenmiete in Winterbach: Kulturinitiative irritiert, weil sie nun zahlen soll

MotherFinest
Auftritt von „Mother’s Finest“ im Jahr 2018 in der Lehenbachhalle. © Gaby Schneider

Die neue Entgeltordnung für die Winterbacher Hallen hat für Ärger bei der Kulturinitiative Rock gesorgt. Zwar konnte Bürgermeister Sven Müller im Gemeinderat die Wogen glätten. Ein gewisses Maß an Irritation klingt aber bei Kulti-Chef Steffen Clauss auch am Tag danach noch durch. Darum geht es: Die Kulti war bisher exklusiv davon befreit, für ihre Konzerte in den Hallen Miete an die Gemeinde zu zahlen. Nun sollen nur noch vier Konzerte frei sein. Konsequenz der Mehrkosten wäre, so Clauss, dass Tickets teurer werden müssten und damit: „Dass wir dann nicht mehr konkurrenzfähig sind.“

Die Arbeit der Kulturinitiative ist ein Aushängeschild für Winterbach, insbesondere das zweijährlich stattfindende Zeltspektakel strahlt weit über den Ort hinaus. So stellte das auch Bürgermeister Sven Müller in diesem Jahr mal wieder bei der Eröffnung fest.

Das Besondere daran ist: Die Kulti ist so verwurzelt in Winterbach, dass man beim Zeltspektakel das Gefühl hat, alle seien irgendwie dabei, als sei das Festival keine Sache eines Vereins, sondern des ganzen Dorfes. Sogar der Bürgermeister hilft beim Bierausschank und bei der Ticketkontrolle. Gemeinde und Kulti sind eins, so scheint es. Mit dem im Hinterkopf war es durchaus verwunderlich, dass es an diesem Dienstag im Gemeinderat öffentlich derart knirschte.

Die Kulti lief in der Sitzung in Mannschaftsstärke auf. Der Vorsitzende Steffen Clauss meldete sich in der Bürgerfragestunde und drückte Verwunderung aus über das, was unter einem der Tagesordnungspunkte passieren sollte: der Beschluss der neuen Entgeltordnung zur Nutzung von Salier-, Ballspiel- und Lehenbachhalle sowie des Bürgerhauses Kelter. Der Stein des Anstoßes im Detail: In der alten Ordnung war die Kulti für die Nutzung der Räumlichkeiten mietfrei weggekommen und musste nur eine Reihe von Nebenkosten zahlen. Alle anderen Vereine hatten zwei mietfreie Veranstaltungen. Die neue Ordnung sieht vor, dass alle Vereine einschließlich Kulti vier mietfreie Veranstaltungen im Jahr bekommen, jede Veranstaltung mehr kostet.

"Wir sind die Leidtragenden davon"

„Das hat sich für uns so gelesen, dass wir da beschnitten werden“, erklärt Steffen Clauss gegenüber unserer Zeitung die Wahrnehmung: „Für alle anderen wird es besser und wir sind die Leidtragenden davon.“ Für ihn gewissermaßen eine Ungleichbehandlung: Die Sportvereine müssten für die sportliche Nutzung der Hallen auch keine Miete zahlen, weil das ihr Vereinszweck sei. Bei der Kulti seien ja aber gerade die Konzerte der Vereinszweck. Clauss betonte im Gemeinderat zudem: Nur die Kulti habe in den Hallen mehr Veranstaltungen als vier im Jahr, kein anderer Winterbacher Verein komme auf so viele.

Bürgermeister Müller erklärte daraufhin, der „Leitgedanke“ der Änderung sei gerade „die Gleichbehandlung“ aller Winterbacher Vereine. Er beruhigte aber zugleich und betonte: Einzelfallentscheidungen durch den Bürgermeister und die Verwaltung sind möglich bei, so der Wortlaut der Entgeltordnung: „Veranstaltungen, die im Interesse der Gemeinde liegen, bzw. die für die Gemeinde eine besondere Bedeutung haben“. „Wenn es Veranstaltungen gibt, bin ich gerne gesprächsbereit. Ich denke, da finden wir einen gangbaren Weg, ohne dass die Kulti darunter leiden muss“, so Müller. Im Gemeinderat gab es keine öffentliche Diskussion mehr darüber, die neue Entgeltordnung wurde einstimmig beschlossen.

Nach dem ersten Ärger über den Vorgang meint Steffen Clauss nun hinterher zur signalisierten Gesprächsbereitschaft des Bürgermeisters: „Damit können wir leben.“ Nicht gut kam bei der Kulti dennoch an, dass alles schon beschlossene Sache war, als der Verein von der Änderung mitbekam. Steffen Clauss versteht nun die Aussagen des Bürgermeisters so: „Wenn die vier Konzerte aufgebraucht sind, können wir beim fünften und sechsten Konzert einen Antrag stellen.“ Und dieser, davon geht er aus, sollte auch für jedes weitere Konzert über die vier hinaus durchgehen.

Im anderen Fall werde das Ganze für die Kulti schon ein Problem. Mehr als vier jährliche Konzerte in Salier- oder Lehenbachhalle habe man häufig. „2023 werden es garantiert mehr“, sagt Clauss. Die Kulti müsste dann für jedes weitere Konzert in der Lehenbachhalle laut neuer Entgeltordnung 360 Euro plus 150 Euro für Foyer und Toiletten an Miete zahlen, für die Salierhalle wären es 600 Euro Miete. Dazu kommen die bisher schon fälligen Nebenkosten für Dinge wie Strom und Wasser, Bühne, Künstlergarderobe, Sanitätsdienst oder Brandwache der Feuerwehr.

"Wir müssen uns dann rechtfertigen"

Die Mehrkosten würden bedeuten, dass man die Ticketpreise anheben müsste – noch mehr als ohnehin schon durch die allgemein steigenden Kosten, ordnet Steffen Clauss die Folgen ein. Und das in einer Zeit, in der sich ohnehin viele Leute überlegen würden, ob sie noch Geld für Konzertkarten übrig hätten. Man stehe dabei auch in Konkurrenz mit Veranstaltern wie der Schorndorfer Manufaktur, die eigene Räumlichkeiten, und damit in Teilen niedrigere Kosten hat.

„Wir müssen uns dann rechtfertigen in den Verhandlungen mit den Künstleragenturen“, sagt der Kulti-Chef. „Die sagen: Deine Nebenkosten sind viel zu hoch.“ Für ihn verständlich: „Wir machen das im Ehrenamt, aber alle anderen um uns rum, die wollen dabei was verdienen.“

Die neue Entgeltordnung für die Winterbacher Hallen hat für Ärger bei der Kulturinitiative Rock gesorgt. Zwar konnte Bürgermeister Sven Müller im Gemeinderat die Wogen glätten. Ein gewisses Maß an Irritation klingt aber bei Kulti-Chef Steffen Clauss auch am Tag danach noch durch. Darum geht es: Die Kulti war bisher exklusiv davon befreit, für ihre Konzerte in den Hallen Miete an die Gemeinde zu zahlen. Nun sollen nur noch vier Konzerte frei sein. Konsequenz der Mehrkosten wäre, so Clauss,

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