Winterbach

„Kampf dem Kot“: Tierhalter setzen ein Zeichen

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Mit Mülltüten bewaffnet waren Kunden der Hundetrainerin Birgit Fischer unterwegs. © Ralph Steinemann

Winterbach. Ignorante Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften ihrer Tiere einfach überall liegen lassen, ob auf der Streuobstwiese oder am Kindergarten, sind ein Dauerärgernis. Hundetrainerin Birgit Fischer hatte nun zur Aktion „Kampf dem Kot“ aufgerufen. Sie will damit zeigen: Es gibt auch verantwortungsbewusste Hundehalter.

13 mit gelben Warnwesten bekleidete und mit Gummihandschuhen und Müllsäcken bewaffnete Menschen waren am Sonntag zwischen Winterbach und Remshalden unterwegs. Es handelte sich um Birgit Fischer und einige Kunden ihrer Hundeschule „Martin Rütter Dogs“, die ihrem Aufruf zu „Kampf dem Kot“ gefolgt waren. Am Rande Winterbachs nördlich der Rems hatte Fischer einige Zeit ihr Trainingsgelände. Deswegen wusste sie: Hier ist eine beliebte Strecke, auf der täglich viele Hunde Gassi geführt werden – und auf der die Wiesen leider dementsprechend voll mit ihren unschönen Hinterlassenschaften sind.

„Ich habe schon früher dort viel entsorgt“, sagt Birgit Fischer, „weil ich nicht wollte, dass das zulasten meiner Hundeschule geht.“ Sprich: dass die unvermeidbare Wut über die verdreckten Wiesen fälschlicherweise sie und ihre Kunden trifft: „Wir nehmen unseren Dreck immer mit.“ So sollte es ja eigentlich auch selbstverständlich sein, aber ist es leider nicht, wie sich an beliebten Hundestrecken nur zu gut beobachten lässt.

Zusätzlich viele Schnapsflaschen eingesammelt

Entlang der Feldwege zwischen Winterbach und Geradstetten haben Birgit Fischer und ihre Kot-Bekämpfer aber nicht nur Hundehaufen gefunden. „Es ist sehr faszinierend, wie viel Dreck nicht der Hund da lässt, sondern der Mensch“, sagt sie. 21 Müllsäcke füllte der Trupp in zweieinhalb Stunden und das vor allem mit menschlichem Müll, darunter laut Fischer viele, viele Schnapsflaschen, die an der Rems lagen.

Hundetrainerin Birgit Fischer spricht Gassigeher direkt an

„Mir geht es darum, dass die Öffentlichkeit mitkriegt: Es gibt verantwortungsbewusste Hundehalter“, sagt Birgit Fischer. Denn die Ignoranz derer, denen es egal ist, wo ihr Hund hinmacht, führt zu Gegenreaktionen. Es gebe nicht ohne Grund immer wieder Fälle von Giftködern, die entlang von Wegen ausgelegt würden, so Fischer. Auch wenn solche mörderischen Aktionen unentschuldbar sind, hat Birgit Fischer für die Wut auf Hund und Hundemensch doch Verständnis. „Ich hätte darauf auch keinen Bock, wenn das meine Stückle wären“, sagt sie. Wenn sie einen Gassigeher erwischt, wie er einen Haufen seines Vierbeiners zurücklässt, dann spricht sie ihn unerschrocken an. „Dann sind die immer sehr peinlich berührt“, berichtet sie, meint aber: „Wenn sie das nächste Mal unbeobachtet sind, bleibt es vermutlich wieder liegen.“

Leere Tütenspender zählen nicht als Ausrede

Dabei seien die Gemeinden mittlerweile recht gut ausgestattet mit Tütenspendern samt Extra-Mülleimern. Wobei an der Strecke bei Winterbach, die jetzt im Fokus der Aktion stand, der Tütenspender nicht gut nachgeladen werde und öfter leer sei, sagt Birgit Fischer. Als Ausrede zählen die leeren Tütenspender aber nicht: Denn die Tütchen gibt es auch im Fachhandel zu kaufen.

„Die Pflicht zur Beseitigung der Verunreinigung gilt auch ohne das Vorhandensein von öffentlichen Tütenspendern“, sagt der Winterbacher Hauptamtsleiter Matthias Kolb. Die Tüten würden einmal in der Woche vom Bauhof nachgefüllt, der auch die zugehörigen Müllbehälter leert. Insgesamt gibt es in und rund um Winterbach 15 solcher Stationen. Es komme jedoch immer wieder vor, dass ganze Rollen mit Tüten aus den Spendern geklaut würden, so Kolb. Dann könne es vorkommen, dass sie mal leer seien, bis der Bauhof wieder komme.

Hundehaufen liegen zu lassen, ist eine Ordnungswidrigkeit

Beschwerden wegen herumliegenden Kots erreichen auch immer wieder die Gemeinde, einerseits von Landwirten, andererseits auch innerorts von Kindergärten und anderen Stellen. „Wir appellieren immer wieder durch Aufrufe im Mitteilungsblatt“, sagt Matthias Kolb. Seit März hat die Gemeinde wieder eine Vollzugsbeamtin. Diese wird laut Kolb auch verstärkt an den Gassistrecken kontrollieren. Denn die Hundehaufen einfach liegen zu lassen, das ist eine Ordnungswidrigkeit. Allerdings, gibt Matthias Kolb zu, sei es schon schwierig, jemanden auf frischer Tat zu ertappen.

Es ist wohl wie bei so vielem: Es kommt auf die Vernunft und das Verantwortungsbewusstsein jedes Einzelnen an. Die Aktion von Birgit Fischer und ihrem Aufräum-Trupp kam jedenfalls gut an. „Ich habe viele Rückmeldungen bekommen in der Art: Kommt doch auch mal hierhin und dahin.“ Sie hat deswegen vor, die Aktion „Kampf dem Kot“ andernorts zu wiederholen.