Winterbach

Ladenschwund in Winterbach

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So düster, wie dieses Bild den Eindruck vermittelt, steht es nicht um Winterbach, aber zumindest vorübergehend wird es einige Leerstände geben: Schreibwaren „Vangelis“ ist einer der Läden, der bald schließt, daneben stehen bereits die Räume des bisherigen Blumenladens „Stilecht“ leer. © Schneider / ZVW

Winterbach. Blumen, Schreibwaren, Deko-, Handarbeitsartikel und Damenwäsche – das hatten die Läden im Angebot, die in Winterbach jetzt schließen. Gründe dafür gibt es verschiedene. Auch die Parkplatzsituation sehen manche als einen. Wobei weniger die Zahl der Plätze insgesamt als ihr Vorhandensein direkt vor den jeweiligen Läden für viele Kunden eine Rolle zu spielen scheint.

Das Wäsche-, Bademoden und Handarbeitsgeschäft „Julie Schanbacher“ hat eine lange Tradition, es existiert seit mehr als 60 Jahren. Anfang 2017 übergab die langjährige und in alle Vorlieben und Wünsche der Stammkundinnen tief eingeweihte Inhaberin Gudrun Engelsdorfer, die Tochter der Gründerin und Namensgeberin, den Laden an Diana Vrhovac – glücklich, dass eine Nachfolgerin da war, die ihn weiterführt. Nach gerade mal zwei Jahren, voraussichtlich Ende Februar, gibt die Fellbacherin den Laden nun jedoch schon wieder auf. „Es lief leider nicht so gut“, sagt sie. So viele Kunden wie vorher seien nicht mehr gekommen. Sie habe zwei kleine Kinder, der große Zeitaufwand habe in keinem guten Verhältnis zum Ertrag gestanden. Ob ein anderer Laden in die Räume in der Westergasse kommt, ist offen. Diana Vrhovac, der das Gebäude gehört, hat Interessenten, sagt aber, es gebe auch andere Nutzungsideen.

„Stilecht“ schon zu, „Vangelis“ und „Rumpelstil“ vor dem Aus

Im Kronenbergele, in der erweiterten Ortsmitte schließen gleich zwei Läden, die direkt nebeneinander liegen. Die Räume des Blumenladens „Stilecht“, sind bereits leergeräumt. Daneben steht auch der Schreibwarenladen „Vangelis“ vor dem Aus. Evangelos Daskaloudis betrieb diesen seit neun Jahren und sagt: Die ersten vier oder fünf Jahre sei das Geschäft gut gelaufen. „Jetzt hat es sehr nachgelassen.“ Der Online-Handel sei eine große Konkurrenz, ebenso größere Ladenketten mit größerer Auswahl und teilweise besseren Preisen. Mit Netto und Rossmann, die nächstes Jahr in Winterbach eröffnen, hat die Entscheidung aber nichts zu tun. „Die ist schon vorher gefallen“, sagt der 29-Jährige. Bis 31. Januar hat er noch offen. Ein Nachfolger für die Räume sei derzeit noch nicht in Sicht, so Daskaloudis. Für den leerstehenden Blumenladen daneben hat Hauseigentümer Jürgen Wurst schon jemand gefunden: Ab Januar sei ein Handwerker mit Büro und Ausstellungsfläche drin, sagt er.

Wie es mit den Räumen in der Hauptstraße weitergeht, in denen derzeit noch Thomas Steiner mit seinem „Rumpelstil“ Dekoartikel, Blumen und ein kleines Café anbietet, ist noch unklar. Fest steht: „Rumpelstil“ macht Ende November zu. Der Laden mit seinem außergewöhnlichen Konzept habe sich wirtschaftlich nicht mehr getragen, sagt Steiner. Es sei kein Problem von Winterbach, meint er, sondern ein allgemeines. „Die Preisspannen werden immer schwieriger.“ Gleichzeitig würden die Kunden eine riesige Auswahl erwarten und wenn sie nicht genau das bekämen, was sie suchten, bestellten sie es eben im Internet.

Kunden wollen am liebsten direkt vor dem Laden parken

Außerdem seien die Kunden anspruchsvoll, was das Thema Parkplätze angeht. Die meisten wollten am liebsten direkt vor dem Laden parken – obwohl es das in anderen Städten wie Schorndorf oder Stuttgart auch nicht gebe. Die Parkplatzfrage spricht auch Dirk Mölter, der Handelsvorstand des Bundes der Selbstständigen (BdS) an. Woran es bei den einzelnen Läden gelegen habe, die jetzt schließen, könne er nur mutmaßen, sagt er. „Winterbach ist ein sehr attraktiver Ort, es geht auch vielen Läden sehr gut hier.“ Aber der Mangel an Parkplätzen sei ein Problem und er werde dadurch verschärft, dass viele Mitarbeiter der Läden unerlaubterweise auf den Kurzzeitparkplätzen in der Ortsmitte parken würden. „Viele Kunden wollen schnell mal in einen Laden reinspringen“, sagt Mölter.

Digitale Anzeige soll freie Plätze in der Tiefgarage anzeigen

Bürgermeister Sven Müller stellt diesen Anspruch auch fest. Er wehrt sich aber gegen die Feststellung, es gebe im Ortszentrum zu wenig Parkplätze. In der Tiefgarage gebe es immer eine große Zahl an kostenlosen Plätzen. Man könne von dort ebenerdig ohne großen Zeitverlust direkt in die Ortsmitte gehen. „Das ist mehr als Luxus“, ist Müller überzeugt. „Auch im Vergleich zu größeren Städten.“ Um auf die Tiefgarage aufmerksam zu machen, hat die Gemeinde jetzt vor, eine digitale Anzeige in der Ortsmitte anzubringen, die auf die freien Plätze hinweist.

Dass jetzt vier Läden wegfallen, bezeichnet Müller als „Verlust für Winterbach“, vor allem das Ende des Traditionsgeschäfts „Julie Schanbacher“ werde „schwer zu kompensieren“ sein. Das heiße aber nicht in allen Fällen, dass die Gemeinde nun unterversorgt sei. Es gebe weiterhin zwei Anbieter im Bereich Floristik. Und mit dem Discounter Netto und der Drogerie Rossmann werde bei Schreibwaren und Büroartikeln ab 2019 Ersatz da sein.


Stritzelberger

Derzeit kursieren in Winterbach auch Gerüchte, dass der „Stritzelbäck“ und das „Café Stritzelberger“ ebenfalls vor der Schließung stehen. Bei beiden trifft das nicht zu.
Roman Stritzelberger, Sohn von Firmeninhaber Roland Stritzelberger, sagt für den „Stritzelbäck“: „Wir haben es auch schon gehört, aber das ist eine Falschmeldung.“
Genauso weist Michaela Stritzelberger die Gerüchte für ihr Café zurück: Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es keine Pläne, den Laden aufzugeben.