Winterbach

Metzgerei Kurz aus Schorndorf eröffnet Filiale im Abramzik-Markt in Winterbach

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Julia Abramzik, Alexander Kurz, Katja Abramzik und Hannes Kurz (von links): Junge Führungskräfte in lokalen Familienunternehmen. © Ralph Steinemann Pressefoto

Seit jetzt 20 Jahren konzentriert sich die Metzgerei Kurz auf ihr Stammhaus in der Schorndorfer Innenstadt und den Direktverkauf am Produktionsstandort. Deswegen ist das jetzt ein epochaler Schritt für das Familienunternehmen: An diesem Samstag eröffnet Kurz seine neue Filiale im Abramzik-Supermarkt in Winterbach. Verantwortlich dafür ist mit Hannes und Alexander Kurz die neue Generation. Gegenüber dem Vorgänger Kühnle gibt es Neuerungen wie, voraussichtlich ab März oder April, einen Mittagstisch und eine konsequente Ausrichtung am Konzept „nose to tail“.

Auf Deutsch heißt das „von der Nase bis zum Schwanz“ und bedeutet: Möglichst alle Teile eines Tiers sollen genutzt und verarbeitet werden, nicht nur die gängigsten oder edelsten wie Filet oder Steak. Das ist für die Metzgerei Kurz nichts Neues. Aber Hannes und Alexander Kurz, 32 und 34 Jahre alt, bringen in das Konzept ihren eigenen Stil ein, der Trends mit Schlagworten wie „special cuts“ oder „dry aged“ aufgreift, ohne die Tradition der alteingesessenen Schorndorfer Metzgerei aus den Augen zu verlieren. „Unsere Eltern unterstützen uns“, sagt Hannes Kurz. „Aber wir haben gesagt, wir wollen unsere Ideen einbringen in den Laden.“ Er und Bruder Alexander führen den Familienbetrieb zusammen mit ihren Eltern und sollen in Zukunft ganz übernehmen.

Fünf lokale Familienbetriebe unter einem Dach

Die neue von den Kurz-Juniorchefs verantwortete Metzgertheke in Winterbach passt sich sehr gut ein in die Entwicklung im Markt der Familie Abramzik. Zum Jahresende 2022 hat sich Klaus Abramzik ganz aus der Geschäftsführung zurückgezogen und die Verantwortung in die Hände seiner Töchter Katja und Julia gegeben. Seit Anfang 2021 hat die Urbacher Bäckerei Schulze, noch so ein junger, lokaler Familienbetrieb, die Bäckertheke im Supermarkt. Komplettiert wird das Angebot von der Fischtheke von Feinkost Stock aus Winterbach und Blumen und Pflanzen, die von der Winterbacher Gärtnerei Knauß geliefert werden. „Wir sind jetzt komplett lokal“, sagt Katja Abramzik.

Die konsequente lokale Ausrichtung sei auch der Grund, dass der auslaufende Vertrag mit der Backnanger Metzgerei Kühnle nicht mehr verlängert worden sei, sagt sie. Kühnle war seit 18 Jahren, also von Anfang an im Abramzik-Markt dabei.

Eine Metzgertheke ist für einen Supermarkt wichtig, weiß Hannes Kurz. „Das sind Frequenzbringer“, sagt er. „Viele Kunden gehen sonst woanders hin.“ Gerade im ländlichen Raum gebe es mittlerweile immer mehr Supermärkte ohne richtige Metzgerfiliale, nur mit Selbstbedienungstheke. Oft seien Personalprobleme der Grund dafür. Solche Märkte ohne Metzger verlören immer an Umsatz, meint Kurz.

Seit 2003 nur noch Stammhaus und Direktverkauf

Im Abramzik-Supermarkt waren Produkte von Kurz wie in vielen anderen Supermärkten in der Region schon in den Selbstbedienungs-Kühltheken vertreten. Den Schritt mit der Filiale im Abramzik-Markt habe man in der Familie „gut durchdacht“, betont der 32-Jährige. Eben, weil es auch ein großer Schritt ist. Die Eltern hätten „in der Spitze“ in den 90er Jahren insgesamt sieben Läden gehabt. „Davon sind wir ab dem Jahr 2000 immer mehr abgerückt, bis wir am Ende nur noch das Stammhaus hatten in der Schorndorfer Innenstadt.“ Daneben gibt es nur den Direktverkauf in der Schlachthausstraße in Schorndorf. Die letzte Filiale war die in Welzheim, sie wurde 2003 geschlossen.

Dass man im Hause Kurz die Neueröffnung erst mal gut abwägen musste, liegt auch an der Personalsituation, wie Hannes Kurz sagt. Es sei um die Frage gegangen: „Was können wir als Familienunternehmen noch leisten? Unsere Tage sind schon jetzt bei zwölf bis 14 Stunden – wollen wir uns das noch aufhalsen?“

Den Ausschlag gegeben habe dann die besondere Situation in Winterbach mit dem Konzept von Abramzik mit mehreren Familienbetrieben unter einem Dach. „Das hat ja schon mehr einen Markthallen-Charakter“, sagt Hannes Kurz. Außerdem liege der Laden „logistisch sensationell“ in Nähe zur Bundesstraße und „wir sind dennoch weit genug weg, um unser Schorndorfer Kerngeschäft nicht zu kannibalisieren“. Er betont aber: „Wir werden sicherlich kein Filialmetzger, wir planen keine Expansion.“

Mittagstisch mit Imbisstheke und Feinkostsalaten

Neu in Winterbach gegenüber dem Angebot von Kühnle sind bei Kurz unter anderem der Mittagstisch mit Tagesessen und eine gut bestückte Heiß- und Imbisstheke, wie das Kunden auch aus Schorndorf kennen. Das Angebot startet aber erst ab März oder April. Dazu gibt es dann auch die Feinkostsalate, die in Schorndorf laut Hannes Kurz „extrem gut laufen“, darunter auch vegetarische Varianten.

Und dann eben noch das Konzept „nose to tail“. Dafür steht in Winterbach ein besonderer Schrank zur Trockenreifung, englisch „dry aged“, für die sogenannten „special cuts“, also „spezielle“ Teile von Schwein oder Rind. Hannes Kurz erklärt es so: „Es sind Fleischstücke, die früher in die Wurst gewandert sind, die als zu zäh abgestempelt wurden, die man aber durch eine längere Reifung schmackhaft macht und dann auch auf den Grill legen kann.“

Man nutze bei Kurz schon immer den kompletten Tierkörper, sagt er: „Man kann nicht immer nur Steak oder Filet essen.“ „Über den Daumen“ könne man sagen, dass man pro Kilo Fleisch ein Kilo Wurst machen müsse, um alles zu verwerten. Mit den trockengereiften „special cuts“ geht es in Winterbach jetzt noch in eine andere Richtung. „Wir sagen dann auch mal bewusst: Es kann nicht alles immer vorgehalten werden.“ Sprich: Wenn es mal kein Filet gebe, dann biete man dem Kunden andere Stücke an und berate auch, für welche Gerichte und Verarbeitung diese sich gut eignen.

Seit jetzt 20 Jahren konzentriert sich die Metzgerei Kurz auf ihr Stammhaus in der Schorndorfer Innenstadt und den Direktverkauf am Produktionsstandort. Deswegen ist das jetzt ein epochaler Schritt für das Familienunternehmen: An diesem Samstag eröffnet Kurz seine neue Filiale im Abramzik-Supermarkt in Winterbach. Verantwortlich dafür ist mit Hannes und Alexander Kurz die neue Generation. Gegenüber dem Vorgänger Kühnle gibt es Neuerungen wie, voraussichtlich ab März oder April, einen

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