Winterbach

Psychologische Beratung: Angelika Effmert aus Winterbach hilft, wenn nach der Geburt alles düster scheint

Mütter und Corona-Pandemie
Angelika Effmert ist psychologische Beraterin für Eltern in postpartalen Depressionen und Menschen in persönlichen Lebenskrisen. © Gabriel Habermann

Manchmal, da liegen Himmel und Hölle ganz nah beieinander. Da kann das größte Glück den tiefsten Abgrund aufreißen. Angelika Effmert hat es selbst erlebt. Als sie damals ihre Tochter zur Welt brachte, das zweite Kind, fühlte sich ihr Leben gar nicht rosarot und fluffig an. Das, was man gemeinhin als „Baby-Blase“ bezeichnet, dieses glückliche Kreisen ums Neugeborene, das erwartete Glück, das stellte sich nicht ein. Vielmehr fühlte sie sich eingesperrt. Wie in einem Panzer festgezurrt, der ihre Seele umspannte, sie kaum noch atmen, kaum noch fühlen ließ. Heute würde die Diagnose „Postpartale Depression“ heißen. Damals gab’s dafür keine Bezeichnung. Vor allem kein Verständnis.

Die Tipps der Ärzte halfen damals überhaupt nicht weiter

„Nehmen Sie sich mal einen Tag frei“, schlug der Frauenarzt vor. „Machen Sie mal Sport“, riet der Allgemeinmediziner, als sie in ihrer Verzweiflung Hilfe suchte. Was keine Überraschung ist: Die Ratschläge halfen ihr nicht. Sie machten es nur schlimmer. Ihr düsterer Zustand fühlte sich noch mehr als Versagen an. Schließlich erwarteten doch alle von ihr, sie möge nun glücklich sein: das zweite Kind in den Armen, ein gutes Zuhause, alles in Butter. Das müsste man doch wie all die anderen Mütter auch ohne Pausen schaffen.

Mutter im Sonnenschein: Hinter der Fassade hat so manche zu kämpfen

Was ihr damals nicht klar war: All die Mütter, die man so sieht beim Kinderwagenschieben im Sonnenschein, die sieht man auch nur in diesem Moment – in dem sie vielleicht glücklich wirken. Diese kurze Aufnahme vom Leben einer einzelnen Person, sage gar nichts darüber aus, wie locker eine Frau das Muttersein nun wuppt oder auch nicht. So manche dieser Mütter im Sonnenschein hat womöglich genauso zu kämpfen. Nur traut es sich kaum eine zu zeigen. Dabei sei es genau das, was Eltern in den Nöten postpartaler Depressionen brauchten: jemanden, der versteht. Der zuhört, der nicht den Mantel des gesellschaftlich Akzeptablen darüberbreitet.

Irgendwann wurde es wieder hell

Sie selbst, so berichtet’s Angelika Effmert, schaffte es mit viel Anstrengung und zusammen mit einer ähnlich empfindenden Freundin heraus aus dem dunklen Loch. Es dauerte Jahre. Sie redeten, redeten, redeten. Öffneten sich, teilten den Schmerz. Irgendwann, während eines Urlaubs am Meer, war es plötzlich so weit.

Der Panzer sprang, sie fühlte sich wieder. Die gelernte Erzieherin machte eine Ausbildung zur psychologischen Beraterin in der Heilpraktikerschule Paracelsus in Lindau, nutzte ihre Kompetenz aber zunächst nicht beruflich. Sie blieb für die Kinder zu Hause, unterstützte ihren Mann in der eigenen Firma. Begegneten ihr Menschen in persönlicher Not, nahm sie sich Zeit für sie, unterstützte sie in Gesprächen.

Vor fünf Jahren etwa, längst sind die Kinder aus dem Haus und haben eigene Kinder, strukturierte ihr Mann seine Firma um, sie selbst machte sich mit der psychologischen Beratung selbstständig. Seither bietet sie Müttern, die sich in ähnlichen Situationen wiederfinden wie sie damals, ihre Beratung an.

Corona macht Mütter einsamer, verletzlicher und unsicherer

Und: Der Bedarf werde keinesfalls weniger. Denn seit der Corona-Pandemie haben viele Kurse, in denen Mütter sich gegenseitig kennenlernen können, gar nicht erst stattgefunden - und wenn doch, dann digital. Freundschaften entstehen aus solchen Kursen keine. Und erst recht keine Situationen, in denen Mütter offen über das sprechen könnten, was sie plagt. Schließlich gibt’s gesellschaftliche Erwartungen. Mit lockeren Online-Bekanntschaften teile man daher keine so tief gehenden Probleme.

Angelika Effmert wünschte, es wäre leichter, schon mit schwangeren Frauen in Kontakt zu kommen. Wie wertvoll wäre es, ihnen schon auf dem Weg zum Mutterwerden helfen zu können, sie auf manche schwierige Situation vorbereiten zu können. Denn die wenigsten Frauen machten sich beim ersten Kind Gedanken über die Geburt hinaus. Kaum eine könne sich vorstellen, was das Gebären eines Kindes alles ändere.

Leben  ändert sich mit der Geburt auf einen Schlag

Von der einen Sekunde zur anderen aber sind strukturierte Frauen, die bis dahin ihr Leben im Griff hatten, völlig fremdbestimmt. Das Kind organisiert ihr Leben. Seine Nöte und Bedürfnisse stehen im Vordergrund. Die der Mutter stehen ganz weit hinten an. Nicht alle könnten damit gut umgehen. Vor allen Dingen dann, wenn der kleine Erdenbürger womöglich selbst zu kämpfen hat – mit der Lautstärke und der Helligkeit der Welt, mit dem Trinken, mit dem Schlafen.

In die Rolle hineinwachsen

Wer als Eltern dann die falschen Berater hat, kann leicht verzweifeln. Wenn diese überzeugt davon sind, dass man das Muttersein doch einfach können müsse. Instinktiv. Tatsächlich ist’s aber anders: „Mit dem Kind wird auch die Mutter neu geboren“, erklärt’s Angelika Effmert. Und wie das Kind, müsse auch seine Mutter erst in die Rolle hineinwachsen, könne selbst Anpassungsschwierigkeiten haben.

Was helfe, das seien Gespräche. Raum, in dem die Bedürfnisse der Mutter im Vordergrund stehen. Das bietet Angelika Effmert ihren Klientinnen an. In den rund 60 Minuten des Coachings soll Zeit und Ruhe nur für die Frau und ihre Themen sein. Meditationen, Entspannungstechniken, Gespräche helfen ihren Klientinnen, sich selbst wieder zu spüren und neue Perspektiven zu entwickeln. Raus aus dem immerwährenden Kreisverkehr düsterer Gedanken. Gemeinsam mit Betroffenen möchte sie kurzfristige Hilfen entwickeln.

Übrigens: Auch die Jugendämter bieten (sogar) kostenfrei von ausgebildeten ExpertInnen frühe Hilfen für Familien mit Neugeborenen und bis zu dreijährigen Kleinkindern an. Darüber hinaus gibt es im Rems-Murr-Kreis mehrere Familienberatungsstellen, die Pro Familia und

die Diakonie.

Manchmal, da liegen Himmel und Hölle ganz nah beieinander. Da kann das größte Glück den tiefsten Abgrund aufreißen. Angelika Effmert hat es selbst erlebt. Als sie damals ihre Tochter zur Welt brachte, das zweite Kind, fühlte sich ihr Leben gar nicht rosarot und fluffig an. Das, was man gemeinhin als „Baby-Blase“ bezeichnet, dieses glückliche Kreisen ums Neugeborene, das erwartete Glück, das stellte sich nicht ein. Vielmehr fühlte sie sich eingesperrt. Wie in einem Panzer festgezurrt, der

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