Winterbach

Schluss mit Drüberbrettern: Schwellen für den Kreisel

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Ortstermin: Drei Zentimeter hohe Rüttelschwellen liegen zu Testzwecken in der Kreiselmitte – und entfalten ihre gewünschte Wirkung. © Büttner / ZVW
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bausicht Winterbach Minikreisel Oberdorf/Lerchenstraße Bauausschuss besichtigt den Minikreisel und überlegt verkehrssichernde Maßnahmen Foto: Buettner © Büttner / ZVW

Winterbach. Der Kreisverkehr am nördlichen Ende der Winterbacher Ortsmitte ist mit 17 Metern Durchmesser sehr eng. Weil das so ist, hat die Insel in seiner Mitte einen abgeschrägten Rand und ist durchweg sehr flach. So können große Lkw den Kreisel durchqueren, indem sie die Insel schneiden oder sogar komplett überfahren. Doch auch viele Autofahrer brettern mittendurch – und gefährden dadurch oft Radfahrer.

Bei einem Ortstermin legte sich der Bauausschuss des Gemeinderats in dieser Woche am Mini-Kreisverkehr auf die Lauer, versteckt hinter dem Bahndamm. Und der Effekt, den sie im vom abendlichen Berufsverkehr umtosten Kreisel beobachten konnten, war überdeutlich. Taner Maibach-Akadere, Spezialist der Firma Maibach für Verkehrssicherheitseinrichtungen, hatte zur Demonstration sogenannte Rüttelschwellen auf der Kreiselmitte platziert: acht Stück, sternförmig angeordnet, drei Zentimeter hoch und zwei Meter lang. Und siehe da: Die Fahrer, ob Pkw oder Lkw, lenkten ihre Fahrzeuge vorschriftsmäßig in angemessenem Tempo drumherum.

Der Aha-Effekt folgte dann, als Maibach-Akadere die warnorangefarbenen Schwellen wieder entfernte: Als sei ein Schalter umgelegt worden, bretterte mit einem Mal fast jedes zweite Fahrzeug mitten durch den Kreisel, ohne sich die Mühe zu machen, ihn auszufahren. So ist leider der Normalzustand, das wissen alle, die häufiger in der Winterbacher Ortsmitte unterwegs sind.

Umstrittene Schrägparkplätze sind ein Grund für die Mini-Kreisel

Über die Verkehrsgestaltung wurde schon in der Planung für die neue Winterbacher Ortsmitte viel und kontrovers diskutiert. Es sind bei der Umgestaltung zwei neue Kreisverkehre entstanden, einer auf jeder Seite der Ortsmitte. Sie sollen einerseits gestalterisch Anfang und Ende des neugestalteten Bereichs markieren. Andererseits erfüllen sie einen praktischen Zweck: für die schräg zur Straße angeordneten Parkplätze vor den Läden im Oberdorf. Um in diese bequem einfahren zu können, müssen die Parker von Süden her anfahren. Wer von Norden kommt, nutzt den Kreisverkehr auf der Südseite der Ortsmitte zum Wenden. Andersrum ist der Kreisel auf der anderen Seite für die aus den Parkplätzen ausfahrenden Fahrzeuge zum Wenden gedacht, die Richtung Süden weiterfahren wollen.

Weil der Raum begrenzt war, sind beide Kreisverkehre recht klein. Deswegen sind ihre Mittelinseln flach, damit lange Lastwagen, die die Kurve nicht kriegen, sie überfahren können. Aber eben nicht nur die: Auch sehr viele Autofahrer treten gar nicht erst auf die Bremse und nehmen den geraden Weg über die Mitte. Das, so erklärt der Winterbacher Hauptamtsleiter Matthias Kolb, ist nun auch nicht generell verboten. Aber es kann in manchen Fällen ein Problem werden. Dann nämlich, wenn die ignoranten Geradeausbretter Fahrradfahrer gefährden, die gleichzeitig im Kreisel unterwegs sind.

Fußgänger berichten: "Man lebt hier gefährlich"

Zum Ortstermin des Bauausschusses kamen auch einige Bürgerinnen. Mindestens einmal habe sie definitiv einen Schutzengel gehabt, berichtete Mathilde Pfäffle, etwas bedrohlich sei es für sie aber sogar schon mehrmals geworden, als sie mit dem Rad durch den Kreisverkehr fuhr. Judith Hutt hat die gleichen Erfahrungen gemacht: „Man lebt hier gefährlich.“

Konkret geht es um die Situation, wenn Radfahrer aus Richtung Ortsmitte in den Kreisel radeln und links weiter in die Lerchenstraße wollen. Autofahrer, die einfach durch die Mitte fahren, schneiden dann immer wieder gefährlich den Weg der Radler, die außen herum unterwegs sind.

Weil sich die Berichte über solche Gefahrensituationen häuften, handelt die Gemeinde Winterbach jetzt. Bei einem Ortstermin von Verwaltung, Verkehrsbehörden des Landkreises und Polizei haben sich die Rüttelschwellen, wie sie jetzt auch der Bauausschuss begutachtet hat, als praktikabelste Lösung herausgestellt. Der Ausschuss hat sich dafür nun auch mehrheitlich entschieden: Es kommen acht Schwellen für einen Gesamtpreis von 3200 Euro. Dem ging allerdings eine Diskussion voraus.

Zweifel an Wirksamkeit und Vorbehalte wegen der Optik

Schwellen-Lieferant Taner Maibach-Akadere betonte, dass man sich auf eine Kompromisslösung einigen müsse: „Sie werden das nie ganz in den Griff bekommen.“ Man müsse gewährleisten, dass Lkw trotzdem schadlos die Kreiselmitte überfahren können. Doch die Schwellen hätten durchaus den Effekt, wie sich vor Ort habe beobachten lassen, dass sie Autofahrern ein Signal geben: „Du musst außen rum.“ Bürgermeister Sven Müller hat eine klare Meinung: Argumente gegen die Schwellen wie mehr Lärmentwicklung oder „sieht nicht schick aus“ müssten hinter dem „Schutz des Lebens des Fahrradfahrers“ zurückstehen.

Allerdings gab es Zweifel bei manchen Räten im Ausschuss, was die Wirksamkeit der Rüttelschwellen angeht. Was man bei der Demonstration vor Ort habe beobachten können, meinte Heidemarie Vogel-Krüger (Grüne), sei der „Überraschungseffekt“ gewesen. „Wir haben aber Fahrer, die fahren jeden Tag mehrfach durch Winterbach.“ Sprich: Sie befürchtet einen Gewöhnungseffekt, wenn die Fahrer merken, dass man die Schwellen ohne Probleme überfahren kann. BWV-Rat Jörg Ellwanger meinte dagegen: „Ich sehe es nicht so, dass der Bürger da mit aller Gewalt durchhupfen will.“ Er sehe die Schwellen als gute Lösung.

Alternativvorschlag: Anderer Belag für die Kreiselmitte

Einen Alternativvorschlag brachte Andreas Uetz (BWV) in die Diskussion. Eine optische Wirkung hätte es aus seiner Sicht auch, wenn die Kreiselmitte einen anderen Belag, etwa mit Pflaster hätte. Auch sein Fraktionskollege Helmut Nachtrieb gab an, er tendiere zu einer Lösung, die Kreiselmitte etwas mehr zu erhöhen und zu pflastern. „Wir haben uns so angestrengt, dass wir eine schöne Ortsmitte kriegen“, schloss sich Nachtrieb der Argumentation von Heidemarie Vogel-Krüger an, dass die Schwellen optisch nicht ideal seien. Gegen die Pflasterlösung sprach sich daraufhin Klaus-Dieter Völzke (SPD) aus: Da sei die Lautstärke beim Überfahren noch höher. Die Schwellen seien ein guter Kompromiss: „Die Kosten nicht so hoch und effektiv.“