Winterbach

Schnelles Internet: Wann kommt in Winterbach Glasfaser in alle Haushalte?

Glasfaserausbau
Die Gerberstraße in Winterbach ist einer der Bereiche, in denen die Stadtwerke Schorndorf bereits beim Glasfaser-Ausbau tätig waren, flächendeckend soll bald mehr kommen – von welchem Unternehmen, das ist noch offen. © Gaby Schneider

Nachdem jahrelang fast gar niemand wollte und sich wenig bewegte, konkurrieren in manchen Gemeinden plötzlich zwei, drei Internet-Anbieter gleichzeitig darum, ein Glasfasernetz aufzubauen und damit Zugänge zum Hochgeschwindigkeits-Internet in alle Haushalte zu legen. So zum Beispiel aktuell in Rudersberg, Urbach und Plüderhausen.

Was ist aber in Winterbach los? Hier haben die Stadtwerke Schorndorf bisher vor allem die Gewerbebetriebe versorgt, für Privathaushalte gab es Hausanschlüsse nur in sehr begrenzten Bereichen und bis vor kurzem auch noch verbunden mit hohen Kosten. Aber die Winterbacherinnen und Winterbacher können sich Hoffnung machen, dass sich in absehbarer Zeit auch bei ihnen mehr bewegt. Laut Bürgermeister Sven Müller haben verschiedene Unternehmen Interesse, das Glasfasernetz flächendeckend auszubauen.

Eigenwirtschaftlicher Ausbau ohne Geld von Kommune und Staat angestrebt

„Wir sind gerade dabei, zu sondieren und Gespräche zu führen“, sagt Müller auf Anfrage unserer Zeitung. In den nächsten Wochen und Monaten rechnet er mit einer Entscheidung. Es gehe darum, „einen guten Deal“ hinzubekommen. Klar sei, dass es um einen eigenwirtschaftlichen Ausbau gehen werde, dass also kein Geld der Gemeinde, aus dem Verbund „Gigabit-Region Stuttgart“ oder anderen Quellen fließe, sondern die Investitionskosten allein vom jeweiligen Anbieter getragen werden.

Im Normalfall ist es dann so, dass das ausbauende Unternehmen – sei es die Telekom mit dem Partner 1&1 wie derzeit zum Beispiel in Grunbach oder Liberty Networks in Rudersberg – den Glasfaser-Hausanschluss kostenlos anbietet, wenn die Nutzerinnen und Nutzer gleichzeitig einen Vertrag bei dem Unternehmen abschließen.

Welche Unternehmen sich für den Glasfaserausbau in Winterbach interessieren, will Sven Müller derzeit auf Nachfrage nicht benennen. Generell sind in diesem Bereich neben der Telekom inzwischen einige Firmen unterwegs. Es gibt zum Beispiel die Deutsche Glasfaser oder die GVG Glasfaser, und zuletzt kam eben noch Liberty Networks hinzu, die kürzlich den Spatenstich für ihr deutschlandweit erstes Glasfaserprojekt in Rudersberg feierten.

Stadtwerke Schorndorf auch mit Interesse?

In Winterbach dürften zudem die Stadtwerke Schorndorf ein Mitspieler sein, die in den vergangenen Jahren der wichtigste Partner der Gemeinde in Sachen Internet- und Glasfaserausbau waren. Auf Anfrage unserer Zeitung halten diese sich aber zu den weiteren Plänen in Winterbach bedeckt und geben nur eine sehr allgemeine Antwort, die jeder deuten kann, wie er mag: „Die Stadtwerke Schorndorf GmbH ist im Stadtgebiet Schorndorf und auch in den Teilorten als lokaler Internetprovider vertreten. Teilweise betreiben wir auch Netze außerhalb und sind grundsätzlich immer für neue Opportunitäten offen.“

Prinzipiell kann jeder Wettbewerber, der Interesse hat, in einem Ort loslegen und das Glasfasernetz ausbauen. In der Praxis wird das aber niemand an der Gemeinde vorbei machen.

So ein Projekt müsse gut geplant und durchdacht sein, sagt der Winterbacher Bürgermeister Sven Müller, da gehe es um eine Millioneninvestition. „Das machst du nur, wenn du in einer Gemeinde auch willkommen bist und Unterstützung bekommst. Das geht nur miteinander.“ Deswegen gebe es Gespräche zwischen Verwaltung und Unternehmen. Der Gemeinderat werde ebenfalls einbezogen und am Ende werde man einen Kooperationsvertrag schließen.

Dass Winterbach etwas später als andere zum Zug kommt beim flächendeckenden Glasfaserausbau, das wurde bisher meist mit der im größten Teil der Gemeinde vergleichsweise guten Versorgung mit schnellem Internet begründet. Da war die Zusammenarbeit mit den Stadtwerken Schorndorf und dem Aalener Unternehmen Sdt.net, das zeitweise mit den Stadtwerken kooperierte, immer ein Vorteil. Dazu kam, dass vielen Winterbacherinnen und Winterbachern auch schnelles Internet über das Kabelnetz von Vodafone (früher Kabel BW und Unity Media) zur Verfügung stand.

Glasfasertechnik ist im Vergleich zu bestehenden Kabelnetzen im Vorteil

So ein Kabelnetz sei oftmals ein Faktor, der Unternehmen abschreckte, ein Glasfasernetz an gleicher Stelle zu legen, sagt Michael Murer, der Breitbandkoordinator und Technische Leiter des Zweckverbands Breitband des Rems-Murr-Kreises. Das spiele immer noch eine Rolle, nehme aber in seiner Bedeutung ab.

Was die Zukunftsfähigkeit angeht, sind die Glasfaserleitungen im Vorteil. Bei den Kabelnetzen von Vodafone gebe es „Reihenschaltungen“, sagt Murer: „Da hängen mehrere Gebäude an einem Kabel. Das heißt: Wenn alle surfen, dann geht die Bandbreite runter.“ Das sei bei den Glasfasernetzen nicht der Fall, bei denen noch dazukomme, dass auch innerhalb der Häuser keine Kupfer-, sondern Glasfaserleitungen verlegt werden.

Bisher ist der Standard in den meisten Städten und Gemeinden in Deutschland vor allem noch die Vectoring-Technik. Das heißt, es gibt zwar Glasfaserleitungen, aber nur bis zu einem zentralen Knotenpunkt, von dem aus die Haushalte mit Kupferkabeln angebunden sind. Dabei gilt: je länger die Kupferstrecke, desto größer der Verlust von Bandbreite, also Geschwindigkeit, im Download und Upload bei den Internet-Anwendungen.

Über die Glasfasertechnologie sollen in Zukunft außerdem noch deutlich höhere Bandbreiten als die 1000 Megabit oder ein Gigabit pro Sekunde möglich sein, die derzeit als Limit für Privathaushalte angeboten werden. Das sind Dimensionen, die heute eigentlich noch kaum jemand auch nur annähernd braucht. Wenn man aber annimmt, dass die Anforderungen an die Technik und die Anwendungen im Internet sich ähnlich rasant weiterentwickeln wie in den vergangenen paar Jahren, dann ist klar, dass ein Hausanschluss mit Glasfaser jetzt vielleicht noch eine Investition in die Zukunft ist – diese Zukunft aber womöglich näher liegt, als mancher denkt.

Nachdem jahrelang fast gar niemand wollte und sich wenig bewegte, konkurrieren in manchen Gemeinden plötzlich zwei, drei Internet-Anbieter gleichzeitig darum, ein Glasfasernetz aufzubauen und damit Zugänge zum Hochgeschwindigkeits-Internet in alle Haushalte zu legen. So zum Beispiel aktuell in Rudersberg, Urbach und Plüderhausen.

Was ist aber in Winterbach los? Hier haben die Stadtwerke Schorndorf bisher vor allem die Gewerbebetriebe versorgt, für Privathaushalte gab es Hausanschlüsse

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