Winterbach

Schutz vor Corona-Ansteckung im Abramzik-Supermarkt: „Wir sind immer noch sehr streng“

Julia Abramzik
Julia Abramzik im familiengeführten Supermarkt in Winterbach: „Es gibt keine Auseinandersetzungen mehr.“ © Gabriel Habermann

Im März, als die Corona-Pandemie auch den Rems-Murr-Kreis überrollte, sah Klaus Abramzik seine Mitarbeiter im Supermarkt „an der Front“ sitzen. Wie angespannt ist die Lage heute? Nehmen die Kunden Rücksicht und halten sich an Regeln wie die Maskenpflicht? Klappt es mit den seit Montag verpflichtend zu tragenden FFP2- oder OP-Masken? Wir haben bei Julia Abramzik, eine der beiden Töchter von Klaus Abramzik im familiengeführten Winterbacher Supermarkt, nachgefragt.

Eins muss man vorab noch einordnen: So martialisch, wie der Front-Ausspruch von Klaus Abramzik vielleicht klingt, meinte er das im März nicht. Er wollte damit ausdrücken, dass die Supermarkt-Mitarbeiter den Hunderten von Kunden, denen sie täglich begegnen, unmittelbar gegenüberstehen und nicht aus dem Weg gehen können – zumindest nicht weiter als bis hinter eine Verkaufstheke oder den Plastik-Spuckschutz an der Kasse. Und sie kämpften mit den phasenweise extremen Auswüchsen der Pandemie wie der Hamsterei von Klopapier und anderen Waren.

„Es gibt viel weniger Leute, die keine Maske aufhaben!“

Mittlerweile hat sich in jeder Hinsicht vieles entspannt, berichtet Julia Abramzik. Während es am Beginn der Pandemie im März und nach der Einführung der Maskenpflicht noch hin und wieder zu Diskussionen mit Kunden gekommen sei, stelle das jetzt eigentlich kein großes Thema mehr dar. „Es gibt viel weniger Leute, die keine Maske aufhaben“, sagt sie. „Es gibt auch keine Auseinandersetzungen mehr. Wir lassen uns da aber auch nicht auf Diskussionen ein.“ Das gilt mittlerweile auch für Leute, die mit einem ärztlichen Attest komme, das sie vom Masketragen befreit. Wegen der mutierten Virus-Varianten, die ansteckender seien und sich schneller verbreiten, habe man sich dazu entschlossen, solche Kunden nicht mehr in den Markt zu lassen, sagt Klaus Abramzik. „Ich gebe den Kunden dann gerne eine OP-Maske für ihren Einkauf“, sagt er. Außerdem biete er an, den Lieferservice in Anspruch zu nehmen.

Für den Fall, der durchaus vorkommt, dass jemand seine Maske schlicht vergessen hat, kann er sich im Markt schnell eine kaufen. Das gilt auch für die FFP2-Masken, die seit dieser Woche Montag Pflicht beim Einkaufen sind. Es sei in den ersten Tagen immer mal wieder vorgekommen, dass jemand nicht an die neue Verordnung gedacht habe, sagt Julia Abramzik. Aber das sei kein Problem, weil er im Markt schnell eine kaufen könne. Insgesamt laufe es aber gut und reibungslos mit der neuen Maskenpflicht.

Die Mitarbeiter müssen im Abramzik-Markt keine FFP2-Masken tragen. „Da geht es auch um die Belastung“, sagt Julia Abramzik. „Es ist kein Problem, so eine Maske 20 Minuten zum Einkaufen anzuhaben.“ Trage man sie aber über mehrere Stunden und müsse dann vielleicht noch körperlich arbeiten, wie etwa um Regale einzuräumen, dann werde es schwierig. „Ich habe es ausprobiert“, sagt sie. „Da wird einem schwindelig.“

Und wie steht es mit dem „An-der-Front“-Gefühl der Mitarbeiter? Klar, meint Julia Abramzik, an der grundsätzlichen Situation habe sich nichts geändert, da mache man sich schon immer wieder Gedanken. Aber vieles sei Routine geworden und gut eingespielt. „Das heißt nicht, dass wir jetzt lascher geworden sind“, betont Julia Abramzik. „Wir sind zum Beispiel immer noch sehr streng, was den Pausenraum angeht.“ Nur drei Mitarbeiter dürfen sich gleichzeitig dort aufhalten, und es muss regelmäßig gelüftet werden. Zum Ausweichen wurde ein zweiter Pausenraum eingerichtet.

Die Schwestern Julia und Katja Abramzik hielten über Monate sogar streng untereinander Distanz, damit sie im Ernstfall nicht beide für die Leitung des Markts gleichzeitig ausfallen. Inzwischen haben sie die komplette interfamiliäre Trennung aber wieder aufgegeben. „Das war auf die Dauer nicht möglich“, sagt Julia Abramzik. „Wir tragen aber auch die Maske am Büroplatz, wir lüften sehr viel und sitzen im Büro auf Abstand.“

Rund 1000 Kunden kommen an einem normalen Wochentag

Der Ernstfall ist im Abramzik-Markt tatsächlich noch nie eingetreten. Obwohl an einem normalen Wochentag um die 1000 Kunden durch Gänge und Kassenbereich laufen, von denen allein von der Wahrscheinlichkeit her mal der eine oder andere das Coronavirus im Gepäck gehabt haben dürfte, hat sich keiner der 40 Mitarbeiter bisher infiziert. Zwar gab es vereinzelt immer wieder einen Verdachtsfall, aber die Tests hätten das nie bestätigt, sagt Julia Abramzik.

Der Markt sei eigentlich nie überfüllt. 160 Menschen dürften rein, dadurch, dass es nur 80 Parkplätze gebe, sei diese Grenze aber nie erreicht. Lediglich in der Weihnachtszeit stand ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdiensts vor dem Laden und trat an der Tür auf die Bremse, wenn es zu voll wurde. „Das wurde von den Kunden sehr gut angenommen, viele haben sich dafür bedankt.“

Inzwischen sei es sehr stark zu spüren, dass viele nicht mehr so oft einkaufen gingen. „Früher sind die Leute viermal die Woche gekommen, um Obst und Gemüse frisch zu haben“, sagt Julia Abramzik. Jetzt würden viele gleich mehr auf einmal kaufen, um die Zahl der Besuche im Supermarkt zu reduzieren, wie es Politik und Fachleute immer wieder empfohlen haben.

Engpässe bei bestimmten Warengruppen durch exzessives Hamstern habe es seit dem Frühjahr 2020 eigentlich nicht mehr gegeben. Beim Start des zweiten Lockdowns im Herbst sei es zwar wieder ein bisschen losgegangen, aber lange nicht so extrem wie im Frühjahr. Der Supermarkt war auch vorbereitet: „Beim ersten Mal kam es überraschend“, sagt Julia Abramzik. „Jetzt haben wir gleich Beschränkungen gemacht, wir haben das sofort gestoppt, damit niemand mit fünf Packungen Toilettenpapier auf einmal rausläuft.“

Im März, als die Corona-Pandemie auch den Rems-Murr-Kreis überrollte, sah Klaus Abramzik seine Mitarbeiter im Supermarkt „an der Front“ sitzen. Wie angespannt ist die Lage heute? Nehmen die Kunden Rücksicht und halten sich an Regeln wie die Maskenpflicht? Klappt es mit den seit Montag verpflichtend zu tragenden FFP2- oder OP-Masken? Wir haben bei Julia Abramzik, eine der beiden Töchter von Klaus Abramzik im familiengeführten Winterbacher Supermarkt, nachgefragt.

Eins muss man vorab

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