Winterbach

Sozialarbeiterin für die Grundschule

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Marija Glasnovic (links) arbeitet seit Mai als Sozialarbeiterin an der Grundschule in Winterbach. Ihr Kollege Manuel Schmid ist für die Gemeinschaftsschule zuständig und schon seit fünf Jahren dort tätig. © Manz/ZVW

Winterbach. Eines ist Marija Glasnovic und Manuel Schmid wichtig: Nein, die Winterbacher Lehenbachschule ist keine Problemschule. Andersrum wird ein Schuh draus: Mit ihrer Arbeit wollen die Schulsozialarbeiter vor allem dafür sorgen, dass Probleme gar nicht erst entstehen. Marija Glasnovic ist seit Mai neu in Winterbach und kümmert sich dort jetzt um die Grundschüler.

Video: Die Schulsozialarbeiter Manuel Schmid und Marija Glasnovic von der Lehenbachschule Winterbach.

Auch eine Grundschule in Winterbach ist keine heile Welt. Das war die Botschaft, mit der die Winterbacher Schulleiterin Christine-Walter Krause, die Sozialarbeiter, von Schule und Gemeinde und Bürgermeister Sven Müller, vergangenes Jahr im Gemeinderat auftraten. Und: Sozialarbeit ist auch an der Grundschule mittlerweile überall Standard.

Der Gemeinderat genehmigte eine halbe Stelle. Seit Mai ist diese nun besetzt: Die 27-Jährige Marija Glasnovic sitzt jetzt gegenüber von Manuel Schmid im Raum der Sozialarbeiter im Mensagebäude der Lehenbachschule. Sie haben dort ihre Schreibtischarbeitsplätze und eine Ecke mit Sofa, Tisch und Stühlen, wo sie sich zu Beratungsgesprächen mit Eltern, Lehrern und Schülern hinsetzen können.

Gleichzeitig Feuerwehr und Brandschutzbeauftragte

Schulsozialarbeit, erklärt Manuel Schmid, habe mehrere Säulen, zwei davon sind: Intervention und Prävention. Intervention ist nötig, wenn es ein akutes Problem mit einem Schüler gibt: „Wenn’s brennt, schauen wir, dass wir Abhilfe schaffen“, sagt Manuel Schmid. Mindestens genauso wichtig ist aber die Säule der Prävention, der vorbeugenden Arbeit, die im Idealfall dafür sorgt, dass es überhaupt nicht brennt. Die Schulsozialarbeiter sind also zugleich so etwas wie die Feuerwehr und die Brandschutzbeauftragten.

Früh anfangen

Je früher man ansetze, meint Manuel Schmid, desto besser. Deswegen sei es sinnvoll, bereits in der Grundschule mit der Sozialarbeit zu beginnen. Marija Glasnovic ist derzeit noch dabei, sich einzufinden und sich mit der Lehenbachschule vertraut zu machen. Doch in welche Richtung ihre Präventionsarbeit gehen kann, zeigt das, was Manuel Schmid bereits an der Gemeinschaftsschule mit den Älteren macht.

Kennenlernen im CVJM-Heim

In der fünften Klasse geht er mit den Schülern zum Beispiel in ein Schullandheim und übernachtet mit ihnen und den Lehrern im Winterbacher CVJM-Heim. Dort gehe es ums gegenseitige Kennenlernen, sagt er. Die Kinder bekommen spielerische Aufgaben gestellt, die sie nur als Gruppe lösen können. „Teambuilding“ nennt man so was auf Neudeutsch in der Arbeitswelt: eine Gruppe von Menschen zusammenschweißen und miteinander vertraut machen. Es geht Manuel Schmid aber auch darum, dass die Schüler ein Vertrauensverhältnis zu ihm aufbauen. „Dann fällt es ihnen leichter, sich mir anzuvertrauen, wenn sie Probleme haben, über die sie mit anderen nicht sprechen können“, sagt er.

Keine Bewertung, keine Anforderungen

Überhaupt wollen die Schulsozialarbeiter eine Rolle einnehmen, die eben nicht die des Lehrers ist. Sie bewerten nicht, sie stellen keine Anforderungen. Sie sind, wenn Probleme in einer Klasse eskalieren, eine neutrale Instanz – auch für die Eltern. „Wir sind nicht das Jugendamt“, sagt Marija Glasnovic. Ihr Hilfe- und Beratungsangebot sei niederschwellig. Und wichtig ist: Es ist ein Angebot. Niemand werde gezwungen, mit ihnen zu reden, betont Manuel Schmid. Dadurch, dass die Lehenbachschule als Gemeinschaftsschule im Ganztagesbetrieb läuft, verbringen die Schüler sehr viel Zeit dort. Deswegen sei es wichtig, dass es in Winterbach rund um die Mensa eine so gute Ausstattung und Räume gibt, in denen die Schüler sich aufhalten und beschäftigen können. Es gibt zum Beispiel das Schüler-Café mit Tischkicker, Dartscheibe und Billard-Tisch, dazu gemütlichen Sofas und einer Musikanlage im Schrank. Es gehe darum, sagt Marija Glasnovic: „Wenn ich als Kind den ganzen Tag hier verbringe, dass es mir gut geht, dass ich ernst genommen werde mit meinen Bedürfnissen.“ Daran arbeitet das Team der Sozialarbeiter mit dem der Mittagsbetreuung.

Ein Einzelner kann eine ganze Klasse aus dem Gleichgewicht bringen

Insgesamt, so berichten Marija Glasnovic und Manuel Schmid, sei es nicht so, dass das soziale Miteinander an der Schule heute nur aus Problemen bestehe. Im Gegenteil. Es handle sich um ein oder zwei Schüler in jeder Klasse. Manche hätten keinen Respekt vor niemand und seien sehr gewaltbereit. Damit könnten diese einzelnen Schüler das Klima in der Klasse derart stören, dass sie komplett aus dem Gleichgewicht gerate und gar nichts mehr funktioniere. Auf der anderen Seite, so die Erfahrung der Sozialarbeiter, seien viele Schüler heute nicht gut darin, Probleme selbst zu lösen. Der Grund: Viele Eltern nehmen im Alltag zu Hause ihren Kindern alle Entscheidungen ab. Und die Lehrer seien als Problemlöser überfordert, weil sie sich nicht so intensiv mit einzelnen Schülern befassen können, während sie sich gleichzeitig um 20 andere kümmern müssen.

Zeit für Entwicklung geben

Manuel Schmid hat generell die Erfahrung gemacht, dass es sich lohnt, sich mit schwierigen Charakteren zu befassen. Er arbeitet seit fünf Jahren in Winterbach an der Lehenbachschule. Die Schüler, die er zu Beginn seiner Zeit angefangen habe, zu betreuen, seien heute „junge Erwachsene, die ihren Weg gemacht haben“. Man dürfe die Situation nicht immer nur schwarzsehen. „Wichtig ist es: den Kindern die Zeit zu geben, eine Entwicklung hinzulegen.“

Die Neue: Marija Glasnovic

Marija Glasnovic, 27 Jahre, ist auf einer 50-Prozent-Stelle als Schulsozialarbeiterin an der Winterbacher Grundschule beschäftigt. Sie arbeitet, wie auch ihr Kollege Manuel Schmid, eigentlich für die Paulinenpflege. Das heißt, die Gemeinde Winterbach bezahlt für die Leistung, die die beiden erbringen, die Paulinenpflege als Auftragnehmer.

Marija Glasnovic kommt gebürtig aus Welzheim und wohnt dort auch immer noch.

Bevor sie nach Winterbach kam, arbeitete sie in Oppenweiler in der offenen und mobilen Jugendarbeit sowie als Jugendreferentin für die Kirchengemeinde und war ebenfalls bereits in der Schulsozialarbeit tätig.