Winterbach

Trotz Bedenken der Anwohner: Neue Bauplätze am Ortseingang

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Lange Jahre hat die Verwaltung der Gemeinde für eine Erweiterung Manolzweilers gekämpft, jetzt ist der Bebauungsplan fix: An der bisher unbebauten Seite der Kaiser-Straße können am Ortseingang sechs Häuser entstehen. © Joachim Mogck

Winterbach-Manolzweiler. Lange Jahre hat die Verwaltung der Gemeinde für eine Erweiterung Manolzweilers gekämpft, jetzt ist der Bebauungsplan fix: An der bisher unbebauten Seite der Kaiser-Straße können am Ortseingang sechs Häuser entstehen. So manche Bedenken von Anwohnern und Behörden gab’s noch abzuwägen, jetzt aber hat der Gemeinderat entschieden: Ende des Jahres wird ausgeschrieben.

Sechs Grundstücke wird es geben – mit Flächen von 560 bis 590 Quadratmetern. Anwohner hatten sich im Rahmen der Auslegung eine Reduzierung auf fünf Bauplätze gewünscht. Sorge um den dörflichen Charakter und um die ohnehin angespannte Parkplatzsituation im Flecken hatten sie dazu bewogen. Auch die Abstände der Baufenster voneinander fand man zu gering. Allerdings sind Grundstücksgrößen um 600 Quadratmeter auf dem aktuellen Grundstücksmarkt ohnehin schon echte Schmankerl. Größere Grundstücke sind angesichts der Wohnraumknappheit und der Maßgabe um sparsamen Umgang mit Grund und Boden kaum vertretbar.

Bodenrichtwert: 360 Euro pro Quadratmeter

Hinzu kommt: Im Hauptort Winterbach sind solche Grundstücksgrößen wie die jetzt geplanten kaum zu finden. Würden auf gleicher Fläche nur fünf Bauplätze entstehen, würden die ohnehin nicht ganz günstigen Grundstücke nicht nur unverhältnismäßig größer, sie würde, n berechnet auf der Grundlage des Bodenrichtwertes von 360 Euro auf den Quadratmeter, auch mindesten um jeweils 50 000 Euro teurer werden. Eingedenk der Tatsache, dass man sich für Manolzweiler junge Familien als neue Bewohner wünscht, wäre das wenig zielführend. Die Zahl der Familien, die sich einen Bauplatz leisten könnten, würde sich bei größeren Bauabschnitten weiter verkleinern.

Zudem gibt’s eine Sollrichtlinie im Regionalplan, nach der auf einem Hektar in vergleichbarer Lage 55 Einwohner leben sollen. Angesichts der luftigen Wohnsituation in Manolzweiler kommt man sogar mit einer Bebauung durch sechs Häuser nur auf 38 Einwohner pro Quadratmeter, bei einem Gebäudeabstand von immerhin 8,50 Metern. Im Hauptort Winterbach sind teils Abstände von nur 5,50 Metern zu finden. Das Ergebnis: Die lockere Bebauung in den Randbezirken wird in Zukunft die Auflagen für die Bebauung in den Tallagen Winterbachs verschärfen. „Da werden wir später ausgleichen müssen“, erklärte Bauamtleiter Rainer Blessing im Rahmen der vergangenen Gemeinderatssitzung. Also war schnell klar, dass an der von der Verwaltung geplanten Anzahl von sechs Ein- bis Zweifamilienhäusern nicht zu rütteln ist.

Gebiet wurde vom Naturschutz-Status entbunden

Auch die Untere Naturschutzbehörde hatte im Rahmen der Auslegung noch Wünsche angebracht. Immerhin: Nach langen Jahren der Vorarbeit – auch von Albrecht Ulrich, Bürgermeister Sven Müllers Amtsvorgänger - hatte man das fragliche Gebiet vom Naturschutz-Status entbunden. Immerhin gibt’s auf der anderen Straßenseite schon längst Wohnbebauung. Vor sechs bis sieben Jahren gab es nun die Entscheidung, dass das neue Baugebiet entstehen dürfe, falls als Ausgleichsmaßnahme eine Streuobstwiese angepflanzt würde – und zwar bereits fünf Jahre vorher, so dass die Bäume sich bis zum Baubeginn gut entwickeln können. Die Gemeinde hat ihren Teil bereits dazu beigetragen, die Bäume sind längst gepflanzt, schon gut gewachsen. Nun sind die künftigen Grundstückseigentümer dran und müssen sich dazu verpflichten, zwei Obstgehölze so versetzt zu pflanzen, dass sie und nicht die Häuserfassaden das Ortseingangbild prägen.

Und noch etwas wird verlangt: Die Garagendächer und überdachte Stellplätze sind zu begrünen. Das Oberflächenwasser der Dächer soll in Zisternen mit fünf Kubikmetern Fassungsvermögen als Brauchwasser gesammelt werden. Ob die Bauherren eine Retentionszisterne oder eine herkömmliche Zisterne einbauen möchten, will die Gemeinde entgegen dem Vorschlag des Amtes für Umweltschutz nicht vorschreiben.

Bis zu sechs Parkplätze auf dem Grundstück möglich

Die Befürchtung der Anwohner, dass es durch den Zuzug und die weitere Bebauung eine noch größere Parkplatznot als bisher schon geben könnte, wies Bauamtsleiter Blessing zurück. Zwei Parkplätze (Garage und Carport) seien auf jedem Grundstück angedacht, außerhalb der Baufenster gebe es zudem die Möglichkeit, weitere Parkplätze anzulegen. Zusätzlich wird die Straße „Lange Gärten“ im Rahmen der Bebauung um zwei Meter auf 5,50 Meter verbreitert, um auch in beparktem Zustand die Durchfahrt von Rettungs-, Streu- und Müllfahrzeugen möglich zu machen.

Das wiederum versetzt manchen Anlieger der Straße in weitere Sorge, steht doch die Befürchtung im Raum, dass auch auf die Grundstückseigentümer, die in den 60er Jahren auf der anderen Seite der Straße gebaut haben, Erschließungsbeträge zukommen könnten. Bürgermeister Müller versicherte, die Lage genauestens zu prüfen. Stelle sich aber heraus, dass die „Langen Gärten“ als nicht vollständig erschlossen gelten, führe kein Weg daran vorbei, zu erschließen und die anfallenden Kosten umzulegen. Das regeln entsprechende Gesetze.

Übrigens: Die bisherigen Manolzweilermer haben voraussichtlich tatsächlich einen echten Nutzen von dem Zuzug der neuen Dorfbewohner: Ab einer Zahl von 200 Einwohnern wird jeder Flecken mit täglich mindestens elf Busfahrten an den öffentlichen Nahverkehr angeschlossen. Allerdings muss dann noch eine Wendemöglichkeit geschaffen werden, damit der Bus auch wieder zur Goldbodenkreuzung zurückkehren kann.


Ausschreibung folgt

Die Gemeinde wird die Bauplätze gegen Jahresende im Gemeindeblatt ausschreiben. Interessierte könnten sich danach bewerben.

Bauamtsleiter Rainer Blessing bittet, von einer vorherigen Bewerbung abzusehen, diese würde ohnehin nicht berücksichtigt werden.

Die Bauplätze werden nach einem Punktesystem vergeben: Kinder und das Engagement in örtlichen Vereinen bringen hier Vorteile.