Winterbach

Wenn Wespen und Hornissen sich am Haus einnisten: Was man tun darf und tun sollte

Wespe
Wespen können nerven und stören, ein Nest im Wohnumfeld ist aber kein ein Grund zur Panik, und oft kann es problemlos bleiben, wo es ist. © Joachim Mogck

Derzeit ist bei Wespen, Hornissen und Hummeln Nestbau-Saison. Insbesondere die Wespen suchen sich dabei immer wieder Orte an Häusern aus, an denen es zu Konflikten mit den menschlichen Bewohnern kommen kann. Dabei ist so ein Nest meist gar kein Grund zur Sorge, sagt Fachmann Dietmar Reiniger vom Amt für Umweltschutz des Rems-Murr-Kreises. Was aber tun, wenn es doch wegmuss? Und warum ein Wespennest in Winterbach für eine wochenlange Störung der Mobilfunkversorgung verantwortlich war.

Huch, Wespen nisten sich bei mir ein – was soll ich tun?

Erst einmal: ruhig bleiben. Abstand halten. Und beobachten: Um welche Art von Wespen handelt es sich? „Die Kurzkopfwespen sind die lästigeren Arten“, sagt Dietmar Reiniger. Das sind die Störenfriede, die vor allem im späten Sommer und Herbst den Zwetschgenkuchen oder auch die Wurst auf der Terrasse attackieren. Sie seien auch aggressiver als andere. Dazu zählen die Gemeine und die Deutsche Wespe. Die bauen ihre Nester vorzugsweise an dunklen, höhlenartigen Orten. In der Natur sei das ein Mauseloch oder ein hohler Baum, sagt Dietmar Reiniger. „Bei uns im Wohnumfeld gibt es den Rollladenkasten, den nehmen die ziemlich gern als Behausung.“ Das Nest sei dann „fladenartig“ und grau.

Im Gegensatz dazu bauen die Langkopfwespen bräunliche, kugelförmige, frei hängende und eher kleine Nester mit einem kleinen Volk. Sie sind deutlich friedlicher und wollen von Menschen und ihrem Zwetschgenkuchen nichts. „Die sind für uns nicht lästig und aufdringlich“, sagt Dietmar Reiniger. „Und Mitte August sind sie oft auch schon wieder ausgezogen.“

Da sind wir auch schon bei einer wichtigen Info über Wespen als Untermieter: Sie sind meist schnell wieder weg und kommen dann nicht wieder. Denn: Die Königin stirbt und ohne sie geht es auch mit ihrem Volk schnell zu Ende. Deswegen könne sich jeder überlegen, ob er so ein Nest für einen Sommer tolerieren kann, sagt Dietmar Reiniger.

Das gelte auch für die Hornissen, aber im Besonderen für eine dritte Wespenart: die Feldwespen. „Die hat fast jeder unter dem Dach“, sagt Dietmar Reiniger. „Das sind die, die im Wohnumfeld am häufigsten sind.“ Sie bilden keinen Staat und gehen nicht so in Verteidigungshaltung, wie andere Wespenarten.

Generell gelte aber, betont Reiniger: Wer nicht gerade allergisch sei, für den seien Wespenstiche zwar schmerzhaft, aber grundsätzlich keine Gesundheitsgefahr.

Darf ich ein Wespennest einfach zerstören oder entfernen?

Grundsätzlich, sagt der Insekten-Fachmann vom Landratsamt, sollte ein Wespennest immer dort bleiben, wo es ist. Für die Insekten gilt ein Schutz wie für alle Wildtiere, dazu steht im Bundesnaturschutzgesetz: „Es ist verboten, wildlebende Tiere mutwillig zu beunruhigen oder ohne vernünftigen Grund zu fangen, zu verletzen oder zu töten bzw. deren Lebensstätten zu beeinträchtigen oder zu zerstören.“

Das heißt im Umkehrschluss: Wenn es einen vernünftigen Grund gibt, darf man handeln. Die Naturschutzbehörden seien da pragmatisch, sagt Dietmar Reiniger: Befinde sich ein Nest im Wohnumfeld an einer Stelle, an der es schwierig sei, einen sicheren Bogen drum herum zu machen oder an der die Wespen Schäden oder Dreck hinterlassen, die man nicht tolerieren könne – dann habe auch die Naturschutzbehörde Verständnis, dass man die Tiere loswerden wolle.

Bei Wespen darf im Gegensatz zu Hornissen jeder selbst ohne Rücksprache mit der Naturschutzbehörde tätig werden und ein Nest entfernen. Dietmar Reiniger bittet sogar darum, von Anrufen abzusehen, weil er nicht vor Ort kommen könne, um Beratung zu leisten.

Wie werde ich die Wespen, die sich eingenistet haben, wieder los?

Es gibt zwei Möglichkeiten: selbst tätig werden oder einen Fachmann beauftragen. Das Umweltschutzamt mahnt allerdings zur Vorsicht. Es passiere relativ viel, wenn Leute auf eigene Faust versuchen würden, Wespennester auszuheben, sagt Dietmar Reiniger. „Man wird nervös, wenn es anfängt, um einen herum zu schwirren“, sagt er. Dann komme es immer wieder zu folgenreichen Stolperern oder Stürzen von einer Leiter.

Was den Einsatz von Gift angeht, rät der Experte auch eher zur Zurückhaltung. „Man muss sich gut überlegen, ob man das im Wohnumfeld will.“ Es könne sein, dass ein Zimmer nach einem Gifteinsatz zum Beispiel im Rollladenkasten noch wochenlang danach stinke. Ein ausgebildeter Schädlingsbekämpfer habe da oftmals andere Möglichkeiten, als den Einsatz von Chemikalien.

Reiniger rät deswegen, sich einen Profi zu suchen, auch wenn der natürlich Geld koste. Zur Suche eines seriösen, gut ausgebildeten Fachmanns empfiehlt Dietmar Reiniger die Seite des Deutschen Schädlingsbekämpferverbandes unter www.dsvonline.de. Dort kann man unter Eingabe seiner Postleitzahl ein Unternehmen finden. Wem die Vermeidung des Einsatzes von Chemikalien wichtig ist, der wird beim Verein zur Förderung ökologischer Schädlingsbekämpfung unter www.vfoes.de fündig. Auch dort kann man mit der Postleitzahl nach einem Betrieb suchen.

Und was, wenn Hornissen am Haus oder im Garten bauen?

Bei den Hornissen gilt vieles von dem, was für Wespennester gilt, nicht. Der grundlegende Unterschied ist, dass sie wie Hummeln oder Bienen zu den besonders geschützten Arten zählen, sie stehen auf der „Roten Liste“. Das heißt, es gibt keine einfache Ausnahme dafür, aus einem „vernünftigen Grund“ ein Nest eigenverantwortlich zu entfernen. Eine Hornissenbehausung ist grundsätzlich erst mal tabu.

Was aber nicht heißt, dass man aus seinem Haus ausziehen oder seine Terrasse einen Sommer lang absperren muss, damit die Hornissen leben können. Denn: In begründeten Ausnahmefällen darf auch ein Hornissennest entfernt werden. Das darf aber niemand einfach selbst entscheiden wie bei den Wespen, sondern in jedem Fall muss vorher eine fachliche Prüfung durch die Naturschutzbehörde oder eine von dieser beauftragten Person stattfinden. Dann gibt es auch die Möglichkeit, so ein Hornissenvolk umzusiedeln.

Weil die Brummer viel Dreck hinterlassen und sich in einem Altbau auch mal in das Baumaterial fressen, was hinterher saniert werden müsse, sagt Dietmar Reiniger, könne das durchaus auch zu einer Situation führen, in der man entscheide, dass ein Nest wegmüsse.

Was aber für Hornissen genauso gilt wie für die meisten Wespenarten: Sie sind friedlich und wollen eigentlich nichts von Menschen. Sie ernähren sich von anderen Insekten (unter anderem fressen die Hornissen Wespen), deswegen belagern sie auch nicht den Kaffeetisch. „Sie sehen zwar imposant aus, sind aber viel umgänglicher als manche Wespen“, sagt Dietmar Reiniger. „Und sie bauen für gewöhnlich auch nicht so eng am Wohnumfeld der Menschen ihre Nester.“

Und: Die Hornissen ziehen im Spätsommer bereits wieder aus und das Nest bleibt verlassen zurück.

Warum sind Wespen und Hornissen wichtig und nützlich?

Wespen und Hornissen tragen als Insektenjäger zur Ausgewogenheit des Naturhaushaltes bei. Hornissen sind, wie ein Infoblatt der Naturschutzbehörde erklärt, eine Art „Feld- und Wiesenpolizei“ und sorgen auf natürliche Weise für eine Regulation anderer Insektenarten. Sie fangen für ihre Larven bis zu ein Pfund Insekten am Tag. Besonders für die Hornissen ist, dass sie auch in den Abendstunden im Dunkeln jagen. Dabei fangen sie Insekten wie Motten oder Stechmücken, über deren Eindämmung man eigentlich froh ist. „Leute, die ein Hornissennest im Wohnumfeld haben, bestätigen das: Sie haben keine Stechmücken mehr“, sagt Dietmar Reiniger. „Die Hornissen können die in Massen wegvespern.“

Was kann man tun, um Wespen und Hornissen abzuschrecken?

Frage an den Experten Dietmar Reiniger: Wie verhindert man, dass sich Wespen oder Hornissen bei einem einnisten? Helfen Duftstoffe oder Nestattrappen, wie es teilweise geraten wird? Klare Antwort: „Ich kenne nichts, bei dem ich mit gutem Gewissen empfehlen kann, dafür Geld auszugeben.“ Ausprobieren koste manchmal nicht viel, meint er zwar. Aber er kenne zum Beispiel Leute, die sich Lavendelöl in den Rollladenkasten getan hätten, das sei so in den Putz „reingehockt“ und sei so penetrant in der Luft gewesen, da hätten die im Schlafzimmer nachher selbst Kopfschmerzen davon bekommen.

Kommt ein Wespensommer oder kann ich draußen in Ruhe essen?

Das könne man jetzt noch nicht voraussagen, meint Dietmar Reiniger. „Das hängt von so vielen Faktoren ab.“ Derzeit seien Wespen- und Hornissenköniginnen am Bauen der Nester. Aber dass im Frühjahr oder jetzt im Juni viele unterwegs seien, sei kein sicheres Zeichen für die spätere Entwicklung. Wenn im Nestbauprozess noch mal eine kühlere Periode mit viel Regen komme, könne sich alles schnell ändern. „Die Königin hat am Anfang drei Jobs: Sie muss bauen, Eier legen und die Brut versorgen, weil sie noch keine Helferinnen hat. Da ist die am Limit. Wenn dann noch Regen oder Kälte dazukommen, das zwingt sie dann oft in die Knie.“

Wie haben Wespen in Winterbach mal den Mobilfunk lahmgelegt?

Die Wespen hatten sich im Sommer 2017 in einem Kabelverzweiger der Telekom in der Winterbacher Ortsmitte eingenistet. Und verhinderten damit einen guten Monat lang die Reparatur eines Schadens an diesem Kabelverzweiger. In dieser Zeit war der Mobilfunkempfang in weiten Teilen des Ortes stark gestört. Warum die Telekom nicht schneller einen Schädlingsbekämpfer vor Ort schickte, der sich um das Nest kümmerte, blieb damals ein Rätsel. Aber wer weiß, vielleicht hatte ja jemand im Unternehmen ein Herz für die Tiere und wollte sie in Ruhe leben lassen?

Derzeit ist bei Wespen, Hornissen und Hummeln Nestbau-Saison. Insbesondere die Wespen suchen sich dabei immer wieder Orte an Häusern aus, an denen es zu Konflikten mit den menschlichen Bewohnern kommen kann. Dabei ist so ein Nest meist gar kein Grund zur Sorge, sagt Fachmann Dietmar Reiniger vom Amt für Umweltschutz des Rems-Murr-Kreises. Was aber tun, wenn es doch wegmuss? Und warum ein Wespennest in Winterbach für eine wochenlange Störung der Mobilfunkversorgung verantwortlich

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