Winterbach

Winterbach bekommt einen Drogeriemarkt

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Winterbach bekommt einen Drogeriemarkt: Rossmann wird neben dem Netto-Markt in der Schorndorfer Straße eine Filiale eröffnen. © ZVW/Sarah Utz
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Die Rede von Bürgermeister Sven Müller wurde musikalisch gekonnt umrahmt vom Musikverein Trachtenkappelle.

Winterbach. „Es freut mich außerordentlich, Ihnen heute Abend verkünden zu dürfen, dass in unmittelbarer Nähe zum neuen Netto-Markt auch ein Rossmann-Drogeriemarkt entstehen wird.“ Da ging ein Raunen durch die Besucher in der Lehenbachhalle. Es war die spektakulärste Neuigkeit, die Bürgermeister Sven Müller den Einwohnern mitteilte. Er präsentierte einige Zahlen, Witze, und so gelang es ihm, dem Musikverein Trachtenkapelle und den drei Gartenschau-Gruppen, den Besuchern einen kurzweiligen Abend zu bieten.

Es war die erste Bürgerversammlung von Sven Müller, der sich bemühte – und dem es gelang –, die Bürger nicht mit einer langen trockenen Rede bei fast schon heißen Temperaturen zu langweilen. Sowohl die eingebauten Witze in der Rede als auch die spontanen Reaktionen zeigten, dass der neue Winterbacher Schultes, der ja gar nicht mehr so neu ist, humorvoll ist und bei den Bürgern ankommt. Vor allem auch, wenn er derlei Neuigkeiten im Gepäck hat: Beim Netto-Markt entsteht ein Rossmann mit rund 700 Quadratmetern Verkaufsfläche. „Ich bin der festen Überzeugung, dass der gesamte Einzelhandel durch die beiden Märkte nachhaltig profitieren wird.“ Wenn alles klappt, so Müller, könne im Herbst mit den Bauarbeiten begonnen werden. Ziel ist es, dass die Arbeiten mit Beginn der Remstal-Gartenschau abgeschlossen sind.

Sinkende Einwohnerzahlen

Mit dieser Information rückte Müller aber erst gegen Ende seiner Rede heraus. Zuvor streifte er einige Themen, die die Gemeinde bewegt haben und die in den kommenden Jahren eine größere Rolle spielen werden. Tenor ist dabei immer: Dem sonnigen Winterbach geht es gut, doch malte Müller auch mal dunklere Wolken oder kleine Wölkchen an den Himmel. Die Einwohnerzahl sank Ende 2016 von 7722 auf 7620. Müller wunderte sich rhetorisch: Laufen ihm nach gut einem Jahr die Leute im Ort in Scharen davon? Nein! 80 Flüchtlinge leben nun in Backnang in einer Anschlussunterbringung. 2016 und 2017 gab es insgesamt 127 Geburten und 145 Todesfälle. Die Einwohnerzahl ist – und bleibt – damit leicht rückläufig, leitete Müller zum Thema Kinderbetreuung über. 2018/19 werde es in Winterbach 45 freie Plätze für Kinder von drei bis rund sechs Jahren geben. Aus gesamtwirtschaftlicher Sicht, das gemeindliche Defizit für Kinderbetreuung habe sich in zehn Jahren von 1,05 auf 2,6 Millionen Euro erhöht, müsse der Gemeinderat daher entscheiden, ob der Kelterkindergarten dieses Jahres geschlossen wird. Müller formulierte auch, dass die Kommunen ausbaden müssen, was Land und Bund beschließen, Stichwort Rechtsanspruch auf Kita-Platz. Würden diese Kosten übernommen, wäre genügend Geld vorhanden, damit „unser Sanierungs- und Instandhaltungsstau in vollem Umfang abgebaut werden kann“. Dann könnte man sich verstärkt Themen wie der Digitalisierung widmen.

Sven Müller: „Ohne Knete keine Fete“

Eine Minute später klang es dann aber nicht mehr so dramatisch. Winterbach hat 585 000 Euro Schulden und 8,2 Millionen im Sparstrumpf. Müller verwies diesbezüglich auf „weitsichtige und wegweisende Entscheidungen des Gemeinderats“. Doch irgendwann komme wieder eine Rezession. Spätestens dann falle der Abmangel in Höhe von 2,6 Millionen Euro für die Kinderbetreuung stark ins Gewicht. Will sagen, hielt Müller wieder humorvoll fest, „ohne Knete keine Fete“. Dass Winterbach derzeit feiern kann, dafür dankte er vor allem auch seinem Vorgänger Albrecht Ulrich.

2016 und 2017 habe die Gemeinde 8,1 Millionen Euro in wichtige Infrastrukturprojekte investiert, unter anderem für die Sanierung des Rektoratsgebäudes der Lehenbachschule. Die Gemeinschaftsschule habe sich gut etabliert. Dabei streifte Müller das große Thema Schulpolitik. „Wir benötigen wieder Verlässlichkeit. Dies wäre aus meiner Sicht mit dem zweigliedrigen Schulsystem gegeben“, positionierte er sich. Der Schulstandort Winterbach sei „attraktiv und zukunftssicher“. In die Schulsozialarbeit wurde investiert. Mit der Sanierung des Kunstrasenplatzes könne dem Rathaus bei Niederlagen der Winterbacher Mannschaften nicht mehr der Schwarze Peter zugeschoben werden, wurde Müller wieder humorvoll. Geld kostete die Gemeinde ebenfalls die Errichtung der Flüchtlingsunterkunft in der Remsstraße, rund 550 000 Euro. Die Windkraftanlagen könne man fast schon als weiteres Markenzeichen bezeichnen. Einige fänden den Anblick der Flügel beruhigend. Nun sehe man bereits von weitem, wo die Heimat liegt. Ein Navi im Auto wäre somit überflüssig.

Nach derlei Witzen ging es mitunter wieder trockener weiter: Die Gemeinde wolle stets in die Infrastruktur investieren, familienfreundlich bleiben. Er würdigte die Arbeit aller Ehrenamtlichen. Winterbach sei sehr lebenswert, vor allem auch wegen den kulturellen Veranstaltungen. Er verriet, die Macher des Zeltspektakels wollten 2019 noch eine Schippe drauflegen.

Dauerthema bleibe die Schaffung von Wohnraum, ebenfalls ein Grund für die rückläufige Bevölkerungszahl. Bis auf wenige Bauplätze werde die Gemeinde wohl bis 2021 keine neuen Plätze ausweisen können. Das Thema Verkehr, im Anschluss von Bürgern angesprochen, werde man erst nach der Gartenschau angehen können. Man plane ein Verkehrskonzept. Schnelles Internet steht auf der Tagesordnung. Auch das habe Müller als „Kapitän des Gemeindeschiffs“ im Visier. Er gehe jeden Tag gerne an Bord, ins Rathaus. Er lobte und dankte seiner hauptamtlichen und ehrenamtliche Mannschaft. Anders als augenzwinkernd angekündigt, war der offizielle Teil, konkret eigentlich Einwohnerversammlung, wie Müller humorvoll-spitz erläuterte, bereits um 21 beendet – nicht um 23 Uhr.


Gartenschau-Projekte im Fokus

Im Anschluss an Müllers Rede stellten drei engagierte Winterbacher vor, was ihre Gartenschau-Gruppen derzeit auf die Beine stellen. Im Winterbacher Mitmach-Garten wird bald gemeinsam gegärtnert – und gefeiert. Auf den 1750 Quadratmetern (zwischen Schlichtener, Adler- und Bussardstraße) sollen ebenfalls gesellige und kulturelle Veranstaltungen dauerhaft stattfinden. Zeit für Entspannung soll es dort auch geben. Engagierte Leute sind weiterhin gefragt – in allen Gruppen.

Der „Weiße Pfad“ kann bereits provisorisch begangen werden. Er soll die landschaftlichen und kulturellen Höhepunkte der Gemeinde zeigen und Potenziale wie den Weiher mehr ins Blickfeld rücken. Begehbare Bienenkörbe stehen bereits. Der Pfad soll Bühne unter anderem für Konzerte, Ausstellungen und Kunstprojekte sein.

Über die Blühstreifen überall in Winterbach wurde ebenfalls berichtet, die auch den Artenreichtum schützen, zeigen und sichern sollen. „Bunt und schön und ökologisch wertvoll“ soll es sein. Von Frühjahr bis Spätherbst soll Winterbach nicht nur während der Gartenschau blühen. Bürgermeister Sven Müller zeigte sich sicher, dass Winterbach langfristig von der Remstal-Gartenschau profitieren wird – auch, was das bürgerschaftliche Engagement und Leben betrifft.