Winterbach

Winterbach: Im Stausee versinkt mehr Geld als gedacht

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Symbolfoto. © pixabay.com/pixel2013

Winterbach. Noch gibt es keine Überraschungen auf der technischen Seite. Dafür beim Geld: Winterbach muss für Sicherheit am Stausee tiefer in die Kasse greifen als angenommen. Der 90-prozentige Landeszuschuss gilt nur für Erkundung und Planung. Der Rest des auf 240 000 Euro geschätzten Aufwands wird nur mit 60 Prozent gefördert. Das hat nicht nur Bürgermeister Albrecht Ulrich „saumäßig geärgert“.

Alle 20 Jahre müssen Hochwasser-Rückhaltebecken wie der Winterbacher Stausee auf Sicherheit überprüft werden. Das ist eine neue, nicht zuletzt von Ereignissen wie dem Elb-Hochwasser diktierte Vorschrift. Etwas mehr als 40 Jahre nach dem Bau des Winterbacher Stausees (1964) ging die Anlage heuer erstmals gewissermaßen durch den TÜV. Festgestellt von einem auf solche Checks spezialisierten Büro wurde, dass bei allen Sicherheitsreserven, die das Becken wegen seines Fassungsvermögens hat, ein Reparatur- und Sanierungsbedarf an technischen Anlagen vorliegt. Stahlbetonteile am Ablauf müssen erneuert, die Steuer- und Regeltechnik soll auf heutigen Stand der Technik gebracht werden. Rund 220 000 Euro hat das Stuttgarter Büro Winkler & Partner dafür angesetzt.

Hinzu kommt die jetzt vom Gemeinderat für 11 221 Euro an die Mannheimer Firma Striehl vergebene Baugrund-Erkundung: Drei Kernbohrungen sollen Aufschluss über Dichtheit und Standsicherheit des Staudamms geben. Zwei dieser Bohrungen werden von der Dammkrone aus 26 Meter tief ins Erdreich getrieben, eine vom wasserseitigen Dammfuß aus 16 Meter tief. Danach werden die Bohrlöcher wieder verfüllt, die in Meterstücken zurechtgelegten Bohrproben untersucht. Die Bohrungen sollen bis Februar erledigt sein, ihre Ergebnisse im März vorliegen. Theoretisch könnte dann die nächste Überraschung folgen - wenn festgestellt würde, dass der Damm neuen Anforderungen nicht entspricht.

Bis dahin beschränkt sich der Schock auf die Tatsache, dass die Zuschusstöpfe doch nicht so viel hergeben wie zunächst erhofft. Nicht nur BWV-Rat Werner Heiter „ging von 90 Prozent aus, nicht von 60 Prozent.“ Auch die Gemeindeverwaltung kalkulierte mit durchgehend zehnprozentiger Gemeindebeteiligung. Entsprechend „überrascht“ hat das Rathaus auf die neue Lage reagiert, wie Bürgermeister Ulrich in der letzten Gemeinderatssitzung bekundete.

Der Stausee ist seit Oktober abgelassen, damit die notwendigen Untersuchungen laufen und die Reparaturen in Angriff genommen werden können. Lehenbach und Espenbach fließen ungestaut durch den See, ihr Weg erkennbar an keilförmigen Gräben im Schlamm am Grund des Beckens. Der eingespülte sandige Schlamm könnte bei abgelassenem See jetzt gleich abgebaggert werden, meinte CDU-Fraktionschefin Anni Gröbner. Jedoch sprechen laut Herbert Plieninger vom Bauamt zwei Gründe dagegen: Erstens müsse das Volumen des Stausees nicht vergrößert werden. Der Stausee-TÜV hat ergeben, dass der See eigentlich viel zu groß geraten ist und dass die geringe Ablaufkapazität durch immenses Fassungsvermögen kompensiert wird. Zweitens müssten teure Spezialgeräte für die Baggerarbeiten eingesetzt werden, damit schweres Gerät nicht im nachgiebigen Untergrund absäuft. Hinzu käme als weiteres Problem das der Lagerung des Aushub-materials: Wenngleich von „bester Qualität“, wie Bürgermeister Ulrich meint, finde die Gemeinde weder einen Abnehmer noch eine Stelle zur Lagerung.

So bleibt - abgesehen von den von außen erreichbaren Einmündungsbereichen der beiden Bäche - der Schlamm im See. Und wenn der See wegen der geplanten Arbeiten nicht rechtzeitig zur Laichzeit der Amphibien wieder geflutet ist, so werden laut Herbert Plieninger doch immerhin „Tümpel“ befüllt, damit’s Kinderstuben gibt für die Frösche-Frühjahrsbrut.