Tipps der Redaktion

Das bewegte Leben der Hede Münz

Hede Münz (1908–2005) bei einer Musikaufführung am Klavier. Die Stuttgarter Musikerin floh während der Nazizeit nach Palästina u
Hede Münz (1908–2005) bei einer Musikaufführung am Klavier. Die Stuttgarter Musikerin floh während der Nazizeit nach Palästina und kehrte später als Musiklehrerin nach Deutschland zurück. © Prof. Dr. Gerhard Fritz

BACKNANG. Der Heimat- und Kunstverein lädt zum 253. Altstadtstammtisch ins Helferhaus am Petrus-Jacobi-Weg 5 ein. Am Montag, 16. März, um 19.30 Uhr, stellt der Murrhardter Historiker Gerhard Fritz das Leben der jüdischen Musikerin Hede Münz vor. Sie wurde 1908 in Stuttgart geboren und wuchs in einer bekannten Musikalienhandlung auf.

Als Geigerin und Sängerin erlebte Münz in der Weimarer Republik unbeschwerte Jahre. Sie trat mehrfach im Rundfunk auf und spielte sogar mit dem Gedanken an eine Karriere im Film. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten brach diese Hoffnung jäh ab. Wegen ihrer jüdischen Herkunft war sie zunehmend Repressalien ausgesetzt.

Münz entschloss sich zur Flucht nach Palästina. Ihre Eltern blieben jedoch in Deutschland, überzeugt davon, dass ihnen nichts geschehen werde. Diese Hoffnung erfüllte sich nicht: Beide wurden von den Nationalsozialisten ermordet. In Palästina tat sich die Musikerin schwer. Mit dem Zionismus konnte sie wenig anfangen, der Neuanfang gelang nur mühsam.

Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs trat Münz in die britische Armee ein und arbeitete in der Truppenbetreuung. Nach 1945 zog sie für mehrere Jahre nach Paris. Später kehrte sie nach Stuttgart zurück und arbeitete dort bis zu ihrem Ruhestand als Musiklehrerin an einer Waldorfschule. Ihre letzten Lebensjahre verbrachte sie in Murrhardt, wo sie 2005 starb.

Beim Altstadtstammtisch zeichnet Fritz anhand von Bildern aus dem Nachlass und zeitgeschichtlichen Einordnungen den Weg dieser außergewöhnlichen Frau nach: von Stuttgart nach Palästina und wieder zurück nach Deutschland. Der Vortrag ist öffentlich, der Eintritt ist frei.