Kleine Kehrwoche

Das Geheimnis des Buches

Buch mit Geheimfach
Manches Buch birgt ein Geheimnis.

Es gibt diese schönen Online-Plattformen Medimops und Rebuy, wo die Einen ihre alten Bücher und Medien für ein paar Cent oder Euro (je nach Nachfrage) im Paket loswerden können (besser als wegwerfen), und wo die Anderen sich darüber freuen, solche Medien zum Schnäppchenpreis zu ergattern. So weit, so gut – theoretisch.

Nun habe ich in einer Büchergruppe kürzlich einen lustigen Beitrag gefunden, wie das auch laufen kann. Da hatte eine Frau ein Buch bei Medimops bestellt und erhalten. „Der Schock“ von Max Raabe lag auch alsbald im Briefkasten. Nur war das Werk vom Vorbesitzer offenbar leicht ... nennen wir es mal zweckentfremdet worden. Jener hatte nämlich mehrere Seiten mittig ausgeschnitten oder ausgestanzt, wodurch ein Hohlraum-Versteck zwischen Buchdeckeln entstand. Super, um Dinge im Bücherregal zu verstecken – eher schlecht aber für Leser.

Die Frau, für die „Der Schock“ quasi zum erlebbaren Programm wurde, teilte diese Begebenheit auf Facebook. Und da erzählten plötzlich auch viele andere Nutzer von ihren Erfahrungen, die sie mit solchen Plattformen gemacht hatten. Eine schrieb, dass ihr kleiner Sohn sich ebenfalls so ein „Versteck“ gebastelt habe – das würde sie aber nicht bei Medimops verkaufen. Eine andere hatte hingegen richtig Glück: Sie fand in ihrem gebrauchten Buch einen 50-Mark-Schein als Lesezeichen. Und man kommt nicht umhin sich zu fragen: Schauen die Betreiber der Plattform sich das Zeug an, das sie ankaufen?

Man muss wohl davon ausgehen, dass die Angestellten, die eingesandte Ware annehmen, nicht akribisch jede einzelne Seite prüfen. Und dieser Fall legt nahe, dass offenbar auch nicht alle Bücher wirklich angeschaut werden. Sonst müsste ein solcher Frevel auffallen. Wenn man diesen Gedanken zu Ende denkt, könnte so etwas aber auch mit einem ganz anderen Fund enden: Womöglich Geld, Schmuck oder Drogen als „blinde Passagiere“? Wo es solche Verstecke gibt, da gibt es ganz sicher auch den dazugehörigen Lese-– Wortspiel beabsichtig.

Für die Nutzerin ging es übrigens gut aus: Sie bekam den Kaufpreis erstattet. Obendrein gab’s zahlreiche Ideen für die Weitervewendung: das Buch als Geocash-Versteck im öffentlichen Bücherregal, einen Verlobungsring so präsentieren – oder den Autor Sebastian Fitzek verlinken, der die Geschichte sicher spannend verwerten könnte.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach