Kleine Kehrwoche

Katzen büßen Behördenfehler

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"Ich glaube, da sitzt eine Miezekatze!" - Wenn einem Vogel dies durch den Kopf geht, empfiehlt es sich, schnell das Weite zu suchen! © Thomas B. / Pixabay

Vergangene Woche gab es eine Tiermeldung, die in ganz Deutschland hohe Wellen schlägt. Im Süden Walldorfs wurden all jene Hauskatzen, die sonst Freigang hatten, ab sofort und bis Ende August unter Hausarrest gestellt. Verstöße werden teuer geahndet. Betroffen seien rund 3000 Haushalte, heißt es in der Meldung, somit „mehrere hundert Katzen“, schätzt der FDP-Oberbürgermeister der 15.000-Einwohner-Stadt, Matthias Renschler.

Grund dafür ist der Schutz der Haubenlerchen. Diese streng gefährdete Vogelart brütet am Boden – und somit sind die Küken ein gefundenes Fressen für viel Beutegreifer. Elstern, Rabenkrähen, Füchse und Marder bedienen sich – aber auch viele Hauskatzen auf Freigang. Der Bestand der Haubenlerchen verringert sich Jahr für Jahr: Waren es im Raum Walldorf bisher sechs Brutpaare, so sind es jetzt nur noch drei. Die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt des Rhein-Neckar-Kreises schlug Alarm – und erlies den Miezen-Lockdown.

Hier das größere Wohl und Weh, den Artenschutz auf der einen und die Tierquälerei festgesetzter Zwangs-Stubentiger auf der anderen Seite gegeneinander abzuwägen, fällt wahrlich schwer. „Freigänger-Katzen in einer Wohnung festzusetzen, das ist fast Tierquälerei“, sagt die Leiterin des Tierschutzvereins „Arche Noah“ im nahen Schwetzingen. Sie rät dazu, viel mit den Katzen zu spielen, damit sie einem nicht die Bude auseinandernehmen. Ein Ausführen an der Leine hält sie für sinnlos.

Ein nüchterner Blick auf die Situation zeigt indes: Es ist mal wieder ein menschengemachtes Problem. Hier in Form eines Neubaugebietes, das genau dort steht, wo die Haubenlerche stets brütete. Bei Ausweisung des Neubaugebiets hatte man zwar der Haubenlerche großzügigst eine neues Habitat als Brutstätte zugewiesen; nur hielt sich dieser „piepdumme Vogel“ nicht dran und brütete dort, wo er schon immer war. Lange vor den Menschen und ihren mitgebrachten Haustieren. Sowas aber auch!

Pragmatisch gesehen hat die Naturschutzbehörde Recht, wenn sie sagt, ihre Maßnahme sei „geeignet, erforderlich und angemessen“. Zu hinterfragen ist indes die naive Arroganz, das Baugebiet so zu planen, sich möglicher Probleme in Sachen Artenschutz bewusst zu sein, halbgare Lösungen hinzuschludern, um jetzt andere Tiere zu Sündenböcken behördlicher Kurzsichtigkeit zu machen.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach