Kleine Kehrwoche

Profit anstatt Zusammenhalt

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Die Stadt Jerusalem, auf die sich das Stück von Master KG bezieht. © Ekaterina Vysotina / Pixabay

Ich möchte vorwegnehmen, dass ich generell ein großer Befürworter von Urheberrecht und daraus entstehenden Ansprüchen von Künstlern bin. Wer etwas Großes erschafft, sollte dafür auch belohnt werden. Trotzdem ist der vorliegende Fall emotional nicht ganz so einfach.

Es geht um„Jerusalema“, ein 2019 veröffentlichtes Lied des südafrikanischen Komponisten und Produzenten Kgaogelo Moagi alias „Master KG“. Zu einem Remix des Stückes wurde ein Videoclip erstellt. 2020 ging der Song viral, nachdem ein Angolaner ein Tanzvideo dazu ins Netz stellte – und etliche Einzelnutzer und Institutionen inspirierte, ihrerseits eigene Tanzvideos zu dem Song zu drehen. – Die „Jerusalema“-Challenge war geboren.

Die Bilder von tanzenden Schulen, Feuerwehren, Polizeiwachen, Betrieben und Einrichtungen – etwa im Dezember auch das Klinikum Stuttgart – stießen auf große Begeisterung und umso mehr Nachahmer. Obwohl der Tanzschritt inzwischen in allen Videos gleich ist, steckt in doch in jedem Film viel eigene Schaffenskraft, die den Song und den Hype darum weiter pushte. So entstand im harten Corona-Jahr 2020 ein Gefühl der Gemeinsamkeit, der Einigkeit, gegen den Stress: Hilfskräfte und alle Menschen tanzten gegen Angst, Frust und Virus an.

Nun allerdings kommt das bittere Nachspiel. Derzeit verschickt Warner Music, wo „Master KG“ unter Vertrag steht, deftige Rechnungen für Lizenzgebühren, welche die Tänzer für die Nutzung des Liedes zahlen müssen. Die Beträge bewegen sich im vierstelligen Bereich. Fällig werden jene Gebühren, sobald mithilfe eines Stückes ein Werbeeffekt erzielt wird. Das muss nicht zwingend Geld sein – Likes unter einem YouTube-Video reichen aus. Für Feuerwehren oder Polizeidienststellen wurden die Gebühren mitunter bezahlt. Bei anderen lenkt Warner Music inzwischen teilweise ein und will die Beträge an die jeweiligen Rahmenbedingungen der Nutzer anpassen.

Bei allem Respekt für den Urheber und seine Leistung muss doch die Frage erlaubt sein: War es denn nicht der Hype – durch Teilnehmer der Challenge und ihre kreativen Videos lebendig gehalten – der dem Lied Klicks, gute Chartplatzierungen und Umsätze einbrachte? Ein Kunstwerk ist nicht nur der Song selbst. Aus ihm erwuchs ein Monument des Zusammenhalts, wovon Warner profitieren will. – Ein „G’schmäckle“ hat das allemal.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach