Kleine Kehrwoche

Umdenken im Reitsport

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Es wirkt majestätisch und elegant. Bis jedoch ein Pferd mit solcher Leichtigkeit über ein Hindernis springt, hat es oft einen beschwerlichen Trainingsweg hinter sich. © Pixabay

Kaum verblasst sind die Eindrücke der Diskussion um die moderne Fünfkämpferin Annika Schleu, die bei den Olympischen Spielen wegen Schlägen gegen ihr Pferd angezeigt wurdeund Schlagzeilen machte. Da folgt der nächste Reitskandal.

Diesmal betrifft es den mehrfachen Olympiasieger Ludger Beerbaum. In einer Reportage zeigte RTL „Extra“ Aufnahmen von dessen Gestüt in Riesenbeck, worauf das sogenannte „barren“ zu sehen ist: Pferden wird beim Sprung übers Hindernis eine Stange gegen die Vorderbeine geschlagen. So sollen sie zum höheren Springen und Anziehen der Beine erzogen werden; das jedoch ist verboten. Inzwischen wird gegen Beerbaum wegen „quälerischer Tiermisshandlung in Mittäterschaft“ ermittelt.

Während sich die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) in ihrer Stellungnahmen zu dem Report von den Trainingsmethode distanzierte, sieht sich Beerbaum „in seiner Ehre verletzt“: Es sei kein „barren“ zu sehen, nur das erlaubte (!) „touchieren“. Dabei steht ein Trainer neben dem Hindernis und berührt die Beine des Pferdes beim Sprung, etwa mit einer Gerte. Weitere vorgelegte Aufnahmen belegten jedoch – laut Auffassung der FN – durchaus das „barren“. Beerbaum erwägt rechtliche Schritte – gegen den Undercover-Dreh auf seinem Grundstück.

Als ich im August meine Sicht zum Fall Schleu beschrieb, reagierte ein Leser mit einem Verweis auf Galopprennen, wo Pferde auf der Zielgeraden mit der Gerte zur Eile angetrieben würden. Und nun begegnen mir bei der Recherche dieser Meldung auch noch Begriffe wie „blistern“: „Beine des Pferdes mit einer Substanz einreiben, damit es beim Berühren der Stange Schmerz spürt“. – Wer kommt nur auf sowas? – Wieso streitet man über Grauzonen? – Wer Tieren für sportliche Erfolge Schmerzen zufügt, steht zurecht am Pranger.

Während Annika Schleu inzwischen Fehler einräumt, beklagt Ludger Beerbaum Ehrverletzung, Verleumdung durch den RTL-Bericht. Ich sage: Überall, wo Tierquälerei gebilligt und um Grauzonen gefeilscht wird, um sportliche Erfolge zu erreichen, gibt es keine Ehre. Im Modernen Fünfkampf wird das Reiten bald durch eine neue Disziplin ersetzt. Und: Pferdeverbände diskutieren nun ein Verbot vom „touchieren“. Beides zeitgemäße aber überfällige Schritte, denn: Tiere sind keine Sportgeräte!

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach