Kleine Kehrwoche

Wo Affen einfach Affen sind

christels  - monkey-g351b1cfd7_1920
Woran denken Sie bei diesem Bild? Ich sehe ein Äffchen - nicht mehr und nicht weniger. © Christels / Pixabay

Ich finde es richtig, wenn Texte und Redewendungen, die mutmaßlich rassistisch oder diskriminierend empfunden werden könnten, aus der Perspektive des 21. Jahrhunderts überdacht werden. Andererseits ist es absurd, in einen Text hineininterpretierte Deutungen zum Maßstab zu nehmen, die von einer Zielgruppe gar nicht erkannt werden. So etwa bei: „Die Affen rasen durch den Wald“.

Zumindest den Refrain kennt sicher jeder. Und wer Kinder hat, der kriegt den Song ohnehin permanent aufs Ohr. Eine Affenbande sucht in heller Aufregung die Kokosnuss, mutmaßt Mundraub und am Ende war’s nur ein harmloser Babystreich. Putzig, fetzig, drollig. Ich behaupte, dass für lauschende Kinder die Affen nur das Eine sind: Affen. Tiere, die Kinder lustig und süß finden.

In einem Instagram-Beitrag vom ZDF über Rassismus in Kinderliedern wurde jüngst jedoch die Frage aufgeworfen, ob die Affen hier womöglich dem kolonialistischen Klischee vom kriminellen und triebgesteuerten Wilden entsprächen. Jenes Bild werde auf Menschen mit indigenen Wurzeln projiziert, sei also ein rassistisches Stereotyp. Ich möchte gar nicht in Abrede stellen, dass vielleicht irgendwann einmal jemand dies genau so gemeint hat. Aber spricht es nicht für die heutige Gesellschaft, dass für uns die Affen einfach Affen sind?

Wenn Kinder das Lied singen, sieht man: Sie singen von Affen. Nur von Affen. Sofern das Lied die gemutmaßte Analogie jemals enthielt, ging sie über die Jahrzehnte verloren – und das ist gut so! Wer unbedingt etwas ändern will, sollte die zweite Zeile betrachten: „macht den ander’n kalt“. Das ließ dereinst meine Grundschullehrerin uns Kinder als „fängt den ander’n bald“ singen. Solche pragmatischen Lösungen wären auch für Lieder wie „Drei Chinesen mit dem Kontrabaß“ wünschenswert: Warum da die Polizei kommt, verstehe ich bis heute nicht.

Es ist gut und richtig, problematische Formulierungen zu überdenken. Es ist aber falsch, jedwede Formulierung problematisch deuten zu wollen, wenn das der (heutige) Kontext gar nicht (mehr) hergibt. Das schadet der Debatte insgesamt. Wenn bei Astrid Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ aus einem „Negerkönig“ ein „Südseekönig“ wird, geschieht das wohl überlegt: Das erzählte Bild bleibt erhalten, die zweite Deutung fällt weg. So einen Ansatz bräuchten wir nun auch für die „Drei Chinesen“.

Freundliche Grüße, Ihr Mathias Schwappach