Meinung

Ganz schön cringe, sus und bodenlos: Wieso das Jugendwort des Jahres Fragen aufwirft

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Symbolfoto. © PIxabay/sweetlouise

Das Jugendwort des Jahres 2022 soll originelle Begriffe küren, die in diesem Jahr die Jugendsprache besonders geprägt haben. Jahrelang hatte die Jury des Langenscheidt-Verlags das Jugendwort des Jahres selbst ausgewählt, was dazu führte, dass Wörter wie Niveaulimbo (2010) oder Smombie (2015) gewählt wurden, die Jugendliche höchstens dann benutzt haben, wenn sie sich über das Jugendwort des Jahres lustig machen wollten. Seit 2020 dürfen Jugendliche auf der Internetseite des Langenscheidt-Verlags selbst über das Jugendwort des Jahres abstimmen. Zur Auswahl stehen dieses Jahr zehn Begriffe:

„Gommemode, Siu, Smash, Wild, Diggah, Macher, Bodenlos, Slay, Sus und Bre“.

Das Problem mit dem Jugendwort

Falls Sie sich jetzt stirnrunzelnd fragen, was diese willkürlich erscheinenden Buchstabenkombinationen denn genau zu bedeuten haben – keine Sorge: Bei vielen dieser Wörter ging es mir genauso, als ich sie in der Top-10-Liste gelesen habe – obwohl ich 21 Jahre, also eigentlich recht nah dran bin.

Das Problem beim Jugendwort des Jahres ist, dass es nicht die eine Jugendsprache gibt, auf die sich alle Jugendlichen einigen können. Wie auch bei Musik- oder Filmgenres gibt es auch bei der Jugendsprache verschiedene Subkulturen, die dazu beitragen, dass die Identifikation innerhalb einer Gruppe gestärkt wird.

Das Wort „Gommemode“ zum Beispiel ist zurückzuführen auf das Computerspiel Minecraft, in dem man Landschaften und Häuser aus Blöcken baut. Quasi wie Lego, nur am Computer. Das Wort Siu ist dem spanischen „Sí“ entlehnt und vor allem bei Fußballfans sehr bekannt, da es der portugiesische Fußballer Cristiano Ronaldo immer bei seinem Torjubel ruft.

Gerücht über russische Hacker

Viele Wörter wie wild, Diggah (Kumpel), sus, das für suspekt steht oder Bre, mit welchem die Anrede „Bruder“ für nahestehende Menschen abgekürzt ist – viele dieser Wörter wurden auch schon vor Jahren benutzt und jetzt lediglich wieder aufgegriffen.

2019 war die Wahl zum Jugendwort des Jahres ausgefallen, weil der Pons-Verlag die Marke Langenscheidt übernommen hatte. Es ging aber auch das Gerücht um, russische Hacker seien dafür verantwortlich gewesen – weil ihnen das Wort „putinieren“, was so viel heißt wie „auf Bärenjagd gehen“, nicht gefiel. Die Jahre danach waren mit den Wörtern „Lost“ (2020) und „Cringe“ (2021) eigentlich alle einverstanden.

Das absolute Highlight war auch dieses Jahr wieder ein Video, auf dem Tagesschau-Moderatorin Susanne Daubner die zehn Kandidaten zum Jugendwort des Jahres in gewohnt ernster Nachrichten-Manier vorlas und herrlich hochdeutsch betonte. Falls auch Sie einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung der deutschen Jugendsprache leisten wollen, können Sie noch bis zum 13. September auf der Internetseite des Langenscheidt-Verlags mitabstimmen. Das Gewinner-Wort können Sie danach natürlich auch direkt in Ihren Sprachgebrauch aufnehmen. Falls Ihnen das nicht zu cringe ist.

Das Jugendwort des Jahres 2022 soll originelle Begriffe küren, die in diesem Jahr die Jugendsprache besonders geprägt haben. Jahrelang hatte die Jury des Langenscheidt-Verlags das Jugendwort des Jahres selbst ausgewählt, was dazu führte, dass Wörter wie Niveaulimbo (2010) oder Smombie (2015) gewählt wurden, die Jugendliche höchstens dann benutzt haben, wenn sie sich über das Jugendwort des Jahres lustig machen wollten. Seit 2020 dürfen Jugendliche auf der Internetseite des

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