Meinung

Kommentar: Es ist richtig, die Corona-Quarantäne abzuschaffen

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Noch gilt für Corona-Infizierte die Quarantänepflicht. © lexashka / Adobe Stock

Es ist schon reichlich absurd, ein symptomfreies, quietschfideles Kind zu Hause einzusperren. Aber solange der Schnelltest positiv ist, ist es nachvollziehbar. Niemand kann genau sagen, ob das Kind vielleicht dennoch das Coronavirus weitergeben kann, möglicherweise gar an eine vulnerable Person, die einen schweren Krankheitsverlauf befürchten muss. Auch ein Vierjähriger kann und muss lernen, Verantwortung zu übernehmen und Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Ein nachweislich nicht mehr mit dem Coronavirus infiziertes Kind aber weitere zwei Tage in der Wohnung festzuhalten, ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachzuvollziehen.

Deshalb ist es richtig, dass nach dem Ende der Maskenpflicht am 3. April vom 1. Mai an auch die Quarantänepflicht endet. Empfohlen wird stattdessen, dass sich Corona-Infizierte freiwillig isolieren und sich, wenn möglich, nach fünf Tagen freitesten. Ziel der Lockerung ist, massenhafte Personalausfälle zu verhindern. Ausgenommen sind laut Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach allerdings Beschäftigte im Gesundheitswesen. Diese sollen nur mit einem negativen Testergebnis frühestens am Tag fünf nach dem Nachweis der Infektion wieder arbeiten dürfen.

Wer gesund ist, darf raus, wer krank ist, bleibt zu Hause

Betreiber von Pflegeheimen, darunter die Evangelische Heimstiftung, hatten zuletzt gefordert, dass Pflegekräfte, die positiv getestet sind, aber keine Symptome haben, am Arbeitsplatz eingesetzt werden dürfen. Es sei Zeit für mehr Eigenverantwortung.

Sie haben recht. Die Gesellschaft muss lernen, mit dem Coronavirus zu leben. Dazu gehört auch, zurückzufinden zu einer nirgendwo festgeschriebenen und doch von fast allen befolgten und sinnvollen Regel, die eigentlich ohnehin selbstverständlich sein sollte: Wer krank ist, bleibt zu Hause. Wer gesund ist, geht zur Arbeit, in die Kita, in die Schule.

Darüber darf nicht nur ein vorhandener oder nicht vorhandener zweiter Streifen auf einem Testkit bestimmen. Gesund ist, wer keine Krankheitsanzeichen hat und sich fit und kraftvoll fühlt. Die glücklicherweise zum größten Teil mild verlaufenden Infektionen mit der Omikron-Variante erlauben es, mit dem Coronavirus umzugehen wie mit anderen (Erkältungs-)krankheiten auch.

Verantwortungsbewusste Bürger bleiben zu Hause

Deshalb ist es richtig, die Quarantäne abzuschaffen. Sie ist nicht mehr zeitgemäß. Ja, mehr noch. Die aktuell noch geltenden Regelungen verleiten unter Umständen dazu, eine Infektion mit dem Coronavirus zu verheimlichen, einen positiven Selbsttest erst gar nicht mehr von einer offiziellen Schnelltest- oder PCR-Teststation verifizieren zu lassen. Denn niemand möchte sich oder sein Kind sieben Tage ans Haus fesseln, wenn er weiß, dass diese Isolation nicht einmal durch einen negativen Test vorzeitig beendet werden kann. So hätte die Quarantänepflicht zum Bumerang werden können, hielte man an ihr fest.

Verantwortungsbewusste Bürgerinnen und Bürger werden sich auch weiterhin auf das Coronavirus testen, wenn sie Erkältungssymptome haben. Und sie werden zu Hause bleiben, solange dieser Test positiv ist. Denn sie wissen dann, warum sie das tun: Sie schützen sich und vor allem andere. Aber eben nur, solange dies wirklich nötig ist.

Ein paar Unbelehrbare, die dieser Eigenverantwortung nicht gerecht werden, wird es immer geben. Doch die hält auch eine Quarantänepflicht leider nicht davon ab, andere Menschen möglicherweise durch unvorsichtiges Verhalten in Gefahr zu bringen.

Es ist schon reichlich absurd, ein symptomfreies, quietschfideles Kind zu Hause einzusperren. Aber solange der Schnelltest positiv ist, ist es nachvollziehbar. Niemand kann genau sagen, ob das Kind vielleicht dennoch das Coronavirus weitergeben kann, möglicherweise gar an eine vulnerable Person, die einen schweren Krankheitsverlauf befürchten muss. Auch ein Vierjähriger kann und muss lernen, Verantwortung zu übernehmen und Rücksicht auf andere Menschen zu nehmen. Ein nachweislich nicht mehr

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