Meinung

Kommentar: Flashmöble statt Demo in Winnenden

Fridays for Future_0
Redakteur Martin Schmitzer kommentiert die Mini-Demo für Klimaschutz am Freitag um 11 Uhr auf dem Marktplatz. © Joachim Mogck

Winnenden. Zum "Fridays for Future"-Flashmöble am Freitag (15.03.) versammelten sich nur 17 Menschen, darunter nur drei Schüler, am Winnender Marktbrunnen. Ein Meinungsartikel von Redakteur Martin Schmitzer.

Greta, Greta – wo sind deine Winnender Miteiferer? Am Freitag um 11 Uhr hätten sich Schüler in Scharen am Winnender Marktbrunnen treffen können, um im Gleichklang mit der 16-jährigen Schwedin Greta Thunberg für den Klimaschutz zu demonstrieren, aber es fanden sich nur 17, und von denen waren nur drei Schüler, und von den Schülern hat leider keiner richtig die Schule geschwänzt. Was ist los mit der Winnender Schülerschaft? Ganz ehrlich: Wenn ich 15 wäre, würde mir das Zögern und Zaudern im Klimaschutz elendig auf den Geist gehen. Das Prassen und Protzen mit PS und Kurzstreckenflügen und noch viel mehr würde mich empören, weil ich genau wüsste, dass damit meine Zukunft vermasselt würde.

Leider bin ich alt und gehöre zu der Generation, die diese Misere zugelassen hat. Deshalb demonstriere ich nicht, bin aber allen Jungen dankbar, wenn sie mit einem kleinen zivilen Ungehorsam ihrem Unmut Nachdruck verleihen. Und ich wäre ihnen auch dankbar, wenn sie dies in Winnenden in Massen täten und wenn nicht nur ein Häuflein der 17 Aufrechten von Annette Härdter bis Frieder John mit dem Klimaschutz dagestanden wäre bei dem Flashmöble (Demo kann man’s fast nicht nennen, und Flashmob wäre auch zu viel) am Freitag.

Vielleicht macht Demonstrieren im großen Pulk mehr Spaß

Einige Anzeichen sprechen dafür, dass mit der Winnender Schülerschaft mehr los ist, als man am Marktbrunnen den Eindruck hatte. Dietrich Hub von der Paulinenpflege meldete am Freitagmorgen um 10 Uhr: Eine ganze Schulklasse des Berufskollegs für Gebärdensprache in der Schule beim Jakobsweg habe die Stifte eingepackt und sich zum Klimastreik abgemeldet. „Die sind komplett abmarschiert zur Demo für Klimaschutz – nach Stuttgart.“ So läuft der Hase.

Die Initiatoren der Winnender Demo haben die Winnender Jugendlichen nicht erreicht – sie sind mit ihnen nicht vernetzt. Hätte der Winnender Jugendgemeinderat zur Demo aufgerufen, wäre eine andere Schubkraft dahintergestanden. Wer weiß? Vielleicht kommt das noch. Vielleicht macht aber auch das Demonstrieren im großen Pulk in Stuttgart mehr Spaß als auf dem Winnender Marktplatz. Vielleich fällt auch der Schulschwänzer in Stuttgart nicht so auf. Apropos: Was macht eigentlich die Schule beim Jakobsweg mit ihren klimaschutzbedingten Schulschwänzern? „Wir als Schule nehmen das zur Kenntnis“, erklärte Dietrich Hub auf Anfrage.

Kulturmacher Neumanns letzter Arbeitstag in Winnenden

Wenige Stunden nach der Demo vom Freitag endete der letzte Arbeitstag von Kulturmacher Hansjörg Neumann in der Winnender Stadtverwaltung. Schluss. Aus. Fertig. Vorbei. Er hat gekündigt und geht. Neumann hat Winnenden die Konzerttage verschafft, auch die Konzerte von 2019 trugen noch seine Handschrift. Er hat eine tolle 800-Jahr-Feier organisiert. Und er hat den Citytreff klug und einfallsreich umgestaltet. Wie zu vernehmen war, ist der Abschied zwischen Neumann und OB Hartmut Holzwarth sehr herzlich ausgefallen. Die Stadt verliert einen kreativen, kulturaffinen Verwaltungsfachmann, der bei seinen großen Leistungen auch große Kosten verursacht hat.

Man darf gespannt sein, wie die Kosten aussehen, wenn Neumann nicht mehr da ist. Und wer aus der Verwaltung, oder von außen herbeigeholt, das kreative Potenzial Neumanns ersetzen wird. Mal ganz ins Blaue hinein spekuliert: Neumann arbeitet ab Montag ja bei einer Stuttgarter Agentur, die Aufträge von Stadtverwaltungen annimmt ...

Ein späteres Wiedersehen ist immer möglich. Das sieht man auch beim Songwettbewerb der Heimattage. Da rechnet man mit Einsendungen aus Winnenden, Hanweiler, Breuningsweiler, vielleicht sogar aus Eselshalden ... aber woher kam die erste? Aus Wien! Bernd Uwe Schäfer, der früher in Winnenden eine SchwobaRockband namens Outsider hatte und dann bei „The Gospel House“ mitsang, hat sich bei Hans Derer mit einem Heimatsong gemeldet. „Monster“ heißt der Song, der augenzwinkernd den Kulturschock beschreibt, der einen Menschen überkommt, der aus dem Schwäbischen nach Wien übersiedelt. Schäfer, seit 2012 in Wien, sänge den Song gerne mit seiner Wiener Band in Winnenden.


Bei der Fridays for Future-Demo in Stuttgart haben am Freitag (15.03.) deutlich mehr Schüler für den Klimaschutz gestreikt: