Meinung

"Querdenken"-Demo in Stuttgart: Schwarzer Tag für die Pressefreiheit

Poilzei Querdenker Demo Querdenken Stuttgart
Polizeibeamte am Samstag (03.04.) in Stuttgart. © Gabriel Habermann

Es hätte ein friedliches, gesundheitsgefährdendes Großevent der Coronaleugner und –verharmloser werden können: Tausende „Querdenker“ zogen am Samstag (03.04.) durch die Stuttgarter Innenstadt zum Cannstatter Wasen, wo „Querdenken711“ Jubiläum feierte.

Konfliktpotenzial gab es wenig: Stadt und Polizei ließen die „Querdenker“ gewähren, obwohl massiv und mit Ansage gegen die Auflagen verstoßen wurde. Doch die selbsternannten Hüter des Grundgesetzes hatten wiederholt ihre Probleme mit Artikel 5.

Ich wurde vor Ort beleidigt, mir wurde gedroht, ein Kollege wurde in meinem Beisein geschlagen, ein anderer wurde am Rande der Demo mit etwas Hartem beworfen. Es wurden Fotos von mir und Kollegen angefertigt, wir wurden gefilmt und bedrängt.

Die Verantwortlichen bei „Querdenken“ versuchen sich in der Regel, diese Vorfälle schön zu reden. „Provokateure“ und „Störer“ würden bei den Demos vom Staatsschutz und anderen „Organisationen“ eingeschleust, raunte Ralf Ludwig von „Querdenken 711“ in einem Video im Vorfeld der Demo. Michael Ballweg brachte das Ganze auf die simple Formel: Wer friedlich ist, gehört zu „Querdenken“, wer nicht, der nicht.

So kann man das natürlich machen. Das Problem wegdefinieren, eine Verschwörung in den Raum stellen, sich immer wieder wegducken. Alles so hinbiegen, dass man unmöglich verantwortlich gemacht werden kann.

Fakt ist aber: Wenn auf den „Querdenker“-Bühnen immer wieder gegen die Presse Stimmung gemacht wird, wenn Ballweg auf dem Wasen am Samstag vor mehr als zehntausend Menschen behauptet, die ARD halte gezielt „wichtige Informationen“ zur Pandemie zurück, dann trägt das aktiv zu der Stimmung bei, in der solche Angriffe stattfinden.

Und es sind Teilnehmer der Demo, das Klientel von „Querdenken“, die gegen Journalistinnen und Journalisten vorgehen. Teilweise sogar Ordner der Demo.

Wer am Samstag vom „Querdenker“-Demozug berichtet hat, fiel alleine deshalb auf, weil er Maske trug. Dazu kamen die Mikrofone und Kameras. Der Wasen war zeitweise eine No-Go-Area, wenn man als Pressevertreter zu erkennen war. Sofern man nicht angegangen werden wollte.

Am Ende bewegten sich Journalistinnen und Journalisten nur noch zu mehreren über das Gelände, auf dem nur am Rande Uniformen zu sehen waren, die nicht von „Querdenkern“ entworfen wurden.

Die Polizei hatte im Vorfeld gesagt, es gebe kein Schutzkonzept für die Presse vor Ort. Das war absolut korrekt. Gab es nicht. Aber dass die Berichterstattung stellenweise nicht einmal mehr möglich sein würde, das war vielen so nicht klar.

"Wir für das Grundgesetz" lautet ein Slogan von "Querdenken". Welche Grundrechte auch immer am Samstag angeblich geschützt werden sollten – die Pressefreiheit war definitiv keines davon.

Es hätte ein friedliches, gesundheitsgefährdendes Großevent der Coronaleugner und –verharmloser werden können: Tausende „Querdenker“ zogen am Samstag (03.04.) durch die Stuttgarter Innenstadt zum Cannstatter Wasen, wo „Querdenken711“ Jubiläum feierte.

Konfliktpotenzial gab es wenig: Stadt und Polizei ließen die „Querdenker“ gewähren, obwohl massiv und mit Ansage gegen die Auflagen verstoßen wurde. Doch die selbsternannten Hüter des Grundgesetzes hatten wiederholt ihre Probleme mit

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