Meinung

Rundschlag: Der Tesla und die Bürgermeister

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Symbolfoto. © pixabay.com/Blomst

Martin Winterkorn, der Chef des VW-Konzerns, bestellte beim Konkurrenten ein Auto. Und ließ es dann zerlegen bis zur letzten Schraube. Zerpflücken mussten seine Ingenieure das Modell S von Tesla, das rein mit Strom angetriebene Auto von Elon Musk. Der hat seine ersten Millionen im Internet gemacht und treibt seitdem die etablierte Autobranche vor sich her. Und Winterkorn? Der sah sich das Ergebnis an und sprach zu seinen Entwicklern: „So ein Auto hätte ich von Ihnen erwartet.“

Hier in unserem Autobauerländle ist der Tesla jetzt auch aufgefahren, nein: regelrecht aufgeschlagen. Es musste eine Frau kommen, dann auch noch eine im öffentlichen Amte, die Regionaldirektorin Nicola Schelling, und schon heulen die Männer im Regionalparlament auf. Wie kann sie nur? Ein US-Auto!

Das sei ja sehr heikel. Da fehle das nötige Fingerspitzengefühl, sprach der Regionalparlamentarier Andreas Hesky, OB von Waiblingen. Und nicht nur er.

Ja wie kann sie nur. Im Gegensatz zur immer noch nicht von einem Stromstoß wachgeküssten deutschen Autoindustrie hat Tesla was am Start, was längst über viele Meilen läuft.

Es ist eigentlich das passende Auto zum Vorhaben der Waiblinger Stadtwerke, Windräder aufzustellen. Die eine Million Elektrofahrzeuge, welche die Kanzlerin bis 2020 auf hiesigen Straßen rollen sehen will, kann derzeit niemand erkennen. Schon sind die Zulassungszahlen wieder zusammengesackt. Im Juli sind im Ländle 151 Stromer bestellt worden, im August noch 116. Da käme eine Frau, die lautlos zu ihren Terminen vorrollt, sehr recht als Zugpferd. Aber nö, lieber wollen wir gute Patrioten sein. Und hoffen, dass die Chinesen uns weiter unsere Premium-Kärren abnehmen.

Die Räte sorgen sich ums Außenbild. Da fährt die Frau Schelling mit ihrem Tesla-Dienstwagen zum Dienst nach Waiblingen und parkt womöglich auf dem Marktplatz. Das sei nicht zu vermitteln. Und dann auch noch so ein schickes, schnelles Auto, das die Hollywood-Prominenz fährt, weil die in ihrem Hollywood-Wald auch nicht immer wie die ökologische Axt rumkurven wollen.

Ja, sagen wir, soll sie doch kommen. Soll sie parken mitten auf dem Waiblinger Marktplatz. Wenn sie wieder zurück ist von ihrem Termin auf dem Rathaus, wird sie ihr Auto säuberlich zerlegt vorfinden. Von all den kleinen Ingenieuren im schwäbischen Manne. Alle wollen wissen, wie das geht: Autofahren schnell, schön und sensibel, umweltsensibel.

PS: Ach so, Herr Hesky, Sie sagen, in Waiblingen dürfe man nicht auf dem Marktplatz parken. Man dürfe noch nicht einmal legal mit dem Auto in dessen Nähe kommen. Okay, gut, dann steht es doch in Ihrer Macht, das zu ändern. Freie Fahrt in der Innenstadt. Aber nur für Voll-Stromer.

Der Rundschlag ist eine Glosse, die täglich in den Tageszeitungen des ZVW erscheint.