Meinung

Tierquälerei: Warum Menschen gern den Preis andere zahlen lassen - ein Kommentar

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Wer macht sich schon Gedanken, ob das Tier ein gutes Leben hatte, bevor es zum Steak wurde? © Gabriel Habermann

Menschen legen widersprüchliche Verhaltensweisen an den Tag. Sie kraulen gern Katzen, lieben ihre Hunde - und schätzen Schweinebraten mit sahniger Soße. Das Rinderfilet bitte medium, die gute Pute am liebsten paniert: Mal ehrlich, jeder und jede weiß doch, dass sich an Tierleid mitschuldig macht, wer gern Fleisch isst. Deshalb auf vegane Ernährung zu pochen wie die Tierrechtsorganisation Peta, ist aber der falsche Weg, weil es nicht funktioniert. Menschen blenden aus, was sie nicht wissen wollen, das ist ein völlig normales Verhalten. Menschen hören nicht auf, in Flugzeuge zu steigen oder mit 200 Sachen über die Autobahn zu brettern, nur weil die Erde im Zuge des Klimawandels in weiten Teilen unbewohnbar werden könnte. Menschen hören auch nicht auf, Fleisch zu essen, nur weil Tiere seelischer und körperlicher Folter ausgesetzt sind, wie Peta es zu Recht drastisch beschreibt.

Der Verein hat jetzt reihenweise Milchviehbetriebe angezeigt, darunter einen im Rems-Murr-Kreis - und plötzlich rückt eine Tierhaltungsform in den Fokus, über die sich zumindest bisher in der breiten Öffentlichkeit kaum jemand groß aufgeregt hätte: Anbindehaltung.  Das ist nichts weiter als legale Tierquälerei. Ein Rindvieh 365 Tage lang an eine Kette legen - was sollte das anderes sein als Quälerei?

Das nun anzuprangern, fühlt sich reichlich verlogen an. Es ist nun wirklich nichts Neues, dass Menschen mit Tieren umgehen, als wären sie Möbelstücke, nur mit dem Unterschied, dass man ein Sofa nicht isst. Und mal ehrlich: Wann lockte das letzte Sonderangebot im Supermarktregal oder an der Fleischtheke ungeheuer unwiderstehlich und landete wider besseres Wissen im Einkaufskorb?

Sicher, Verbraucherinnen und Verbraucher tragen Verantwortung. Nur können sie die großen Probleme nicht alleine lösen. Das muss auf politischer Ebene geschehen. Es geht nicht ohne Verbote und nicht ohne Verzicht.

Stattdessen wirken machtvolle Mechanismen der Wirtschaft zerstörerisch, weil allzu oft der Schaden keine Rolle spielt. Hauptsache, die Kasse klingelt. Wären Umweltschäden und Tierleid eingepreist, könnte man sich ein Rinderfilet allenfalls einmal im Jahr zu Weihnachten leisten, und der Liter Sprit würde 25 Euro kosten.

Einen Preis gilt's immer zu zahlen. Nur lebt sich's leichter, sofern das andere übernehmen. Und seien es Kühe.

Menschen legen widersprüchliche Verhaltensweisen an den Tag. Sie kraulen gern Katzen, lieben ihre Hunde - und schätzen Schweinebraten mit sahniger Soße. Das Rinderfilet bitte medium, die gute Pute am liebsten paniert: Mal ehrlich, jeder und jede weiß doch, dass sich an Tierleid mitschuldig macht, wer gern Fleisch isst. Deshalb auf vegane Ernährung zu pochen wie die Tierrechtsorganisation Peta, ist aber der falsche Weg, weil es nicht funktioniert. Menschen blenden aus, was sie nicht wissen

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