VfB Stuttgart

Nächster Akt im Führungsdrama beim VfB: Warum Präsident Claus Vogt die Mitgliederversammlung nicht einberufen wird

Claus Vogt ist Präsident des VfB Stuttgart 1893 e.V. und Aufsichtsratsvorsitzender der VfB Stuttgart 1893 AG
VfB-Präsident Claus Vogt. © Benjamin Büttner

Im Führungsdrama beim VfB Stuttgart beginnt der nächste Akt. Dieses Mal geht der amtierende Präsident Claus Vogt mit einem brisanten Statement in die Offensive. Vogt wird die zur Durchführung der digitalen Mitgliederversammlung förmlich notwendige Einberufung nicht vornehmen. Kurz: Lädt der Präsident nicht ein, kann die MV nicht stattfinden.

Geplant war es bislang, die Online-Veranstaltung am 18. März abzuhalten. „Ich befürchte, wir befinden uns in der größten internen Krise, die dieser Verein in seiner auch in der Vergangenheit lebhaften Geschichte erlebt hat“, schreibt Vogt in einem am Mittwochmorgen (27.01.) veröffentlichten Statement. Auch der Fanausschuss und die Ultras hatten sich zuletzt für eine Verlegung ausgesprochen.

Verlegung auf den 5. September?

Vogt bringt als neuen Termin den 5. September ins Spiel. Dann würde die nachzuholende Mitgliederversammlung 2020 mit der regulären von 2021 zusammenfallen. Neben der Kostenersparnis würde diese Lösung noch einen spannenden Nebenaspekt beinhalten: An diesem Datum würden dann nicht nur der Vereinspräsident gewählt, sondern auch die Mitglieder des Vereinsbeirats und des Präsidiums. Andere Clubs wie Borussia Mönchengladbach, der 1. FC Köln und der FC St. Pauli, so Vogts Argumentation, hätten in diesem Jahr ebenfalls auf eine rein digitale Versammlungen verzichtet.

Laut eigener Aussage hat der Clubchef seine Entscheidung gegen den Willen der beiden anderen Präsidiumsmitglieder Rainer Mutschler und Bernd Gaiser getroffen. In den vergangenen Wochen, so Vogts Darstellung, will er intern die Verlegung der Mitgliederversammlung in den September 2021 und die Durchführung als reines Online-Format diskutiert haben. „Ich habe meine beiden Präsidiumskollegen unter Einbeziehung des Vereinsbeirates mit entsprechenden Fragestellungen befasst und Argumente eingebracht, die ich gerne angemessen diskutiert hätte“, sagt Vogt. Ein Konsens konnte offensichtlich nicht erzielt werden. „Ich musste jedoch feststellen, dass es ein sehr weitgehendes Desinteresse gab, überhaupt eine Diskussion der sehr guten Argumente gegen eine digitale Ausrichtung der Mitgliederversammlung aufzunehmen.“

Der Präsident steht unter Druck

Weiter berichtet Vogt von „Druck, den viele – ausdrücklich nicht alle – Mitglieder unserer Gremien auf mich als Präsidenten zur Einberufung ausgeübt haben“. Nach seinem Entschluss erwartet der Amtsinhaber „gremienintern massive Kritik an meiner Person und meiner Entscheidung. Man wird mir, was nicht nur durch die Blume bereits geschehen ist, hohe Schadensersatzforderungen androhen und vorwerfen, ich handele unbedacht.“

Neben seiner Sorge vor technischen Problemen - die Durchführung eines digitalen Formates hält er grundsätzlich für ein Risiko - geht es aber einmal mehr um die Aufarbeitung der Daten-Affäre. Vogts Befürchtung: Der Esecon-Abschlussbericht wird frühestens wenige Zeit vor dem 18. März vorliegen. Eine rechtliche Bewertung der Untersuchungsergebnisse wäre dann kaum noch umsetzbar. Laut Vogt ist es bislang weder im Verein noch in der AG gelungen, einen Auftrag zu der nach Vorliegen des Abschlussberichts notwendigen rechtlichen Bewertung an eine dazu geeignete Rechtsanwaltskanzlei zu erteilen.

Eine „transparente Darstellung sämtlicher Aspekte der Esecon-Berichterstattung in der Sache und der rechtlichen Einordnung“ stehe daher stark in Frage. Weiter sei zu erwarten, „dass unser Mitgesellschafter, die Daimler AG, sich intern zunächst einmal mit der Berichterstattung zum Umgang mit Daten in seiner Tochtergesellschaft befassen wollen wird, um dort festgestellte mögliche Abweichungen im Daimler-Konzern gesetzten Verhaltensrichtlinien intern abzugleichen.“