VfB Stuttgart

Präsident Claus Vogt meldet sich in der Daten-Affäre zu Wort: Oliver Schraft und Uwe Fischer beurlaubt

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VfB-Präsident Claus Vogt. © ZVW/Benjamin Büttner

In der Affäre um mutmaßlich an Dritte weitergeleitete Mitglieder-Daten hat sich am Mittwochnachmittag (30.09.) auch der amtierende Präsident und Aufsichtsratsvorsitzende des VfB Stuttgart, Claus Vogt, zu Wort gemeldet. Der Datenschutzverstoß in den Jahren 2016 bis 2018 wäre aus Sicht des Clubchefs - sollten sich die Vorwürfe als Wahr herausstellen - „ein nicht zu akzeptierender Tabubruch.“

Um Licht ins Dunkel zu bringen, habe das Präsidium des Vereins noch am Montag eine „unverzüglich eine externe, transparente, kritische, neutrale und unabhängige Aufarbeitung beschlossen.“

Für den Zeitraum der laufenden Untersuchung werden die „durch die Vorwürfe des kicker-Artikels betroffenen Personen/Mitarbeiter“ – also Kommunikationschef Oliver Schraft und Marketingleiter Uwe Fischer - beurlaubt. „Zu ihrem eigenen Schutz“, betont Vogt. Zudem sei ein Lenkungsausschuss eingesetzt worden, dessen Leitung und Verantwortung er selbst übernehme, erklärt Vogt.

Welche Vorwürfe stehen im Raum?

Mitarbeiter des VfB Stuttgart sollen im Vorfeld der Mitgliederversammlung im Sommer 2017 wiederholt Mitgliederdaten an Dritte weitergegeben haben. Das berichtete der Kicker in seiner Montagsausgabe. Dem Fachmagazin zufolge soll der Club im Frühjahr 2016 eine Kooperation mit der PR-Agentur von Andreas Schlittenhardt geschlossen und darüber hinaus großes Potenzial in dessen Facebook-Seite „Fokus VfB“ erkannt haben. 

Per Mail sollen unter anderem Telefonnummern, Mailadressen und Infos zur Teilnahme an vergangenen Versammlungen von Mitgliedern weitergeschickt worden sein. Ziel soll gewesen sein, die - bei der Versammlung dann tatsächlich mit klarer Mehrheit beschlossene - Ausgliederung der Profiabteilung der Schwaben voranzutreiben. Nach Informationen der Bild-Zeitung war damals Rainer Mutschler - heute Präsidiums-Mitglied - für das Projekt Ausgliederung verantwortlich. Inwieweit Mutschler über alle damaligen Vorgänge informiert war, ist noch nicht klar.

VfB muss Stellung beziehen

Der Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit des Landes Baden-Württemberg, Stefan Brink, will deshalb ein sogenanntes Auskunftsverfahren gegen den VfB einleiten.

Mit zwei- bis vierwöchiger Frist würden die Verantwortlichen des Clubs darin aufgefordert, sich zu den Vorwürfen zu erklären. „Wir wollen uns erklären lassen, in welchem Kontext und mit welcher Motivation Daten in solch großer Menge weitergegeben wurden. Grundsätzlich gilt, dass Mitgliederdaten sehr sensibel sind“, sagte Brink den Stuttgarter Nachrichten.

VfB-Chef Thomas Hitzlsperger hatte zuvor über seinen privaten Twitter-Account verkündet, dass man das Thema „sehr ernst“ nehme. 

Die Stellungnahme im Wortlaut:

„Als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender des VfB Stuttgart sowie als Vertreter und Repräsentant aller Mitglieder, aber vor allem als Mitglied selbst, bin ich über die Informationen des kicker überrascht und bestürzt gewesen. Dieser mutmaßliche Datenschutzverstoß in den Jahren 2016 bis 2018 mit Mitgliederdaten, wenn er denn so stattgefunden hat, wäre für mich ein nicht zu akzeptierender Tabubruch und würde kein gutes Licht auf unseren VfB Stuttgart werfen.

Das Präsidium hat am Montag, den 28.9.2020, unverzüglich eine externe, transparente, kritische, neutrale und unabhängige Aufarbeitung beschlossen. Die durch die Vorwürfe des kicker-Artikels betroffenen Personen/Mitarbeiter werden ihre Aufgaben in Abstimmung mit dem Vorstandsvorsitzenden Thomas Hitzlsperger für den Zeitraum der laufenden Untersuchungen zu ihrem eigenen Schutz ruhen lassen.

Des Weiteren wurde am Montag ein Lenkungsausschuss eingesetzt, in dem ich die Leitung und Verantwortung übernehmen werde, so dass im Interesse aller Mitglieder diese Thematik vollständig aufgearbeitet wird. Hierauf wird in den nächsten Wochen unser Fokus liegen.

Wichtig ist, dass dies unabhängig vom sportlichen Bereich behandelt wird, damit die Mannschaft, das Trainerteam und die sportlich Verantwortlichen weiter in Ruhe arbeiten können.

Für die Zeit der laufenden Untersuchungen bitten wir um Verständnis, dass der VfB keine weiteren Auskünfte erteilen kann. Das Vertrauen unserer Mitglieder ist eines der bedeutendsten Fundamente unseres Vereins. Ein fairer Umgang miteinander ist mir daher wichtig und selbstverständlich. Transparenz und Ehrlichkeit sind ebenfalls Werte, die grundsätzlich wichtig sind - diese gilt es nun heute und zukünftig an den Tag zu legen.“