Rems-Murr-Kreis

Ärger vor dem Rems-Murr-Klinikum Winnenden: Schlangestehen in der Sommerhitze

RMK Sonne
Die Sonne knallt über dem Klinikum Winnenden. © Gabriel Habermann

Ihr 86-jähriger Vater liegt im Winnender Krankenhaus. Sie wollte ihn am Freitag, 18. Juni, besuchen. Das war einer der Tage, die Sonne satt boten. Freitag ist aber auch der Tag, der ab dem Nachmittag zum Wochenende zählt. Ein Tag, an dem viele Leute Zeit für Aktivitäten haben, die sonst warten müssen. Und außerdem war der Freitag ein Tag dieser ersten Woche, in der die Rems-Murr-Kliniken die coronabedingten Besuchsbeschränkungen gelockert haben.

Als sie gegen 15.30 Uhr zum Klinikum lief, war da eine Schlange. Sie sagt, sie könne nicht sagen, wie viele Menschen auf der Plaza standen. Aber sie selbst, sagt sie, stand und stand. Die Plaza vor dem Krankenhaus ist wirklich hübsch. Aber dort gibt’s keinen Schatten. Und in der Schlange, sagt sie, warteten auch Menschen, die waren deutlich betagt. Die, sagt sie, sahen nicht gut aus. Kein Sonnenschutz. Kein Wasser zu trinken. Keiner habe geguckt, keiner habe für Abhilfe gesorgt.

Rund 40 Minuten in der Sonne schmoren

Rund 40 Minuten habe sie in der Sonne geschmort. Dann war sie so nah am Eingang dran, dass sie einen Blick ins Foyer werfen konnte. Drei Check-in-Kabinen gibt’s dort. Sie erinnern ein bisschen an Häuschen bei der Passkontrolle. Und haben im Prinzip auch dieselbe Funktion: Hier werden die Besucherinnen und Besucher registriert. Sie müssen diverse Fragen beantworten und ihre Personalien angeben. Die dazugehörigen Fragebögen, sagt sie, hätte man eigentlich schon auf dem Weg zu den Kabinen ausfüllen können - wenn noch welche bereitgelegen hätten. Aber ganz egal, ob man vorgearbeitet hat oder nicht: Sie hat beobachtet und sagt, dass alles dann sowieso noch mal in den Computer getippt werde. Ach, von den drei Check-in-Kabinen sei nur eine einzige besetzt gewesen.

Und so seien dann noch mal etwa 20 Minuten vergangen, bis sie endlich in Richtung Krankenzimmer gehen konnte. Eine Stunde warten, gefühlter Stillstand in der Hitze, keine verstärkten Bemühungen beim Check-in, dafür aber eine doppelt besetzte Information, an der augenscheinlich nicht viel zu tun war. „Dies hat den Unmut der Besucher doch sehr angeheizt“, schreibt sie jenem aus den Rems-Murr-Kliniken, der für genau solche Probleme zuständig ist. Bei dem nämlich hatte sie sich beschwert – zur Zeitung wollte sie eigentlich gar nicht. Denn, sagt sie und will das explizit betont wissen: Mit der gesamten medizinischen Leistung im Winnender Klinikum sei sie „hochzufrieden“. Wann immer was gewesen sei, egal ob mit den Kindern oder mit anderen Familienangehörigen – alle seien bestens versorgt gewesen. Doch es gebe ja noch anderes, was den Ruf einer Klinik ausmache. Als „Marginalien“ bezeichnet sie’s, die nichtsdestotrotz viel ausmachten. Und sie versteht nicht, warum in Winnenden bei diesen „wichtigen Kleinigkeiten“ immer wieder „solche Böcke“ geschossen würden.

Es sollten "nicht alle gleichzeitig zu Besuch kommen"

Als den größten Bock empfand sie dann die Antwort des Verantwortlichen. „Schnoddrig“ sei sie gewesen und habe sie noch mehr verärgert. Der Mann schrieb ihr, neben der Bemerkung, dass er nicht mehr Personal zur Verfügung habe und eine Kraft kurzfristig ausgefallen sei: „Ich darf darauf hinweisen, dass wir eine Besuchszeit von 14 bis 18.30 Uhr haben. Dies sind 4,5 Stunden. Vielleicht versteht die Bevölkerung irgendwann mal, dass nicht alle gleichzeitig zu Besuch kommen sollten“.

„Es entzieht sich meiner Kenntnis, wann die Bevölkerung im Allgemeinen zu Besuch kommt“, schrieb sie ihm zurück. Daher könne sie ihren eigenen Besuch auch nicht „drum herum planen“. Und naturgemäß sei ein Freitagnachmittag, aber auch Samstag und Sonntag am besucherstärksten. Schließlich müsse die Bevölkerung ja auch arbeiten. Die längst vorangekündigte Hitze noch mit eingerechnet, sei es, so ist ihre Meinung, auch nicht falsch, nicht nur zwei, sondern sogar den dritten Check-in zu öffnen.

Es sei nicht möglich, mehr Wartende im Inneren unterzubringen

Die Rems-Murr-Kliniken bedauern auf Nachfrage, was sich am Freitagnachmittag abgespielt hat. Man könne verstehen, dass viele Menschen ihre Verwandten und Freunde besuchen wollten. Doch aufgrund der Pandemiesituation müsse bei allen Besuchern geprüft werden, ob sie geimpft, genesen oder getestet seien, außerdem würden Daten zum Gesundheitszustand und zur Kontaktnachverfolgung erhoben. Wegen der Hygienebestimmungen sei es nicht möglich, im Inneren der Klinik mehr Wartende unterzubringen. Und vor der Klinik, am Eingangsbereich, müsse der Weg für die Feuerwehr frei gehalten werden.

Seit der Lockerung der Besuchsregelung kämen täglich insgesamt rund 400 Besucher und Patienten. Die Besetzung der Check-in-Schalter sei diesem Bedarf angepasst. Das heißt, laut Klinik: Während der Stoßzeiten seien aktuell drei von insgesamt fünf aufgestellten Schaltern besetzt. Zwei davon würden sich ausschließlich um die Besucherregistrierung kümmern.

Am Freitag jedoch habe ein kurzfristiger Personalausfall für längere Wartezeiten gesorgt und nur ein Schalter habe für die Besucher besetzt werden können.

Man prüfe derzeit, „inwiefern durch eine schnellere Bearbeitung der Formulare der Einlass beschleunigt werden kann“.

Für die Besuchsvorbereitung:

Wer übrigens plant, demnächst einen Besuch im Klinikum zu machen: Der benötigte „Fragebogen zum Gesundheitscheck“ sowie das „Formular zur Kontaktnachverfolgung“ können im Internet heruntergeladen und schon daheim ausgefüllt werden. Vielleicht spart's vor Ort ein paar wertvolle Minuten.

Ihr 86-jähriger Vater liegt im Winnender Krankenhaus. Sie wollte ihn am Freitag, 18. Juni, besuchen. Das war einer der Tage, die Sonne satt boten. Freitag ist aber auch der Tag, der ab dem Nachmittag zum Wochenende zählt. Ein Tag, an dem viele Leute Zeit für Aktivitäten haben, die sonst warten müssen. Und außerdem war der Freitag ein Tag dieser ersten Woche, in der die Rems-Murr-Kliniken die coronabedingten Besuchsbeschränkungen gelockert haben.

Als sie gegen 15.30 Uhr zum Klinikum

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