Rems-Murr-Kreis

0,0018 Prozent sterben nach der Corona-Impfung: Wirklich alles "Impftote"?

Covid Impfung
Tödliche Komplikationen nach einer Corona-Impfung sind äußerst selten. Experten wie der Winnender Neurologie-Chefarzt Prof. Ludwig Niehaus betonen deshalb: „Der Nutzen einer Corona-Impfung überwiegt die Risiken bei weitem.“ © Gabriel Habermann

Auch wenn weiter Impfstoff-Mangel herrscht, steigen die Impfzahlen. Und so müssen auch die Statistiken zu Nebenwirkungen und Impfkomplikationen aktualisiert werden. Der Nutzen einer Corona-Impfung, ganz gleich mit welchem Impfstoff, überwiegt statistisch gesehen nach wie vor das Risiko, eine schwere unerwünschte Impfkomplikation zu erleiden. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vom 7. Mai hervor.

524 Todesfälle in zeitlicher, aber meist nicht in kausaler Folge der Impfung sind dem PEI bis 29. April gemeldet worden. Betroffen waren Menschen im Alter von 24 bis 102 Jahren. „Der Median des Alters der Gestorbenen betrug 84 Jahre, das mittlere Alter 82 Jahre“, schreibt das PEI.

Bis zum 29. April wurden laut Angaben des Robert Koch-Instituts 28.774.580 Corona-Impfungen in Deutschland verabreicht. Somit gab es Todesfälle nach 0,0018 Prozent der Corona-Impfungen. Nach Impfstoffen sortiert, starben

  • 405 von 21.329.667 mit Biontech Geimpften (0,00189 Prozent),
  • 48 von 5.775.546 mit Astrazeneca Geimpften (0,00083 Prozent) und
  • zehn von 1.667.261 mit Moderna Geimpften (0,00059 Prozent).
  • Bei 61 Todesfällen war nicht angegeben, welcher Impfstoff verimpft worden war.

Warum in vielen Fällen nicht unbedingt die Impfung „schuld“ war

„Bei der überwiegenden Mehrzahl der verstorbenen Personen bestanden multiple Vorerkrankungen, wie zum Beispiel Karzinome, Niereninsuffizienz, Herzerkrankungen und arteriosklerotische Veränderungen, die vermutlich todesursächlich waren“, schreibt das PEI. Ein jüngerer Patient verstarb nach einer Biontech-Impfung vermutlich an den Folgen seines Drogenmissbrauchs.

Nicht zuletzt seien 58 der insgesamt 524 gemeldeten Todesfälle nicht auf Impfkomplikationen zurückzuführen, sondern auf eine zwischenzeitliche Covid-19-Erkrankung, so das PEI. Ein funktionstüchtiger Impfschutz tritt in der Regel erst 14 Tage nach der Covid-19-Impfung ein.

Und was ist mit den Hirnvenen-Thrombosen?

Unter den 524 verstorbenen Geimpften waren aber auch Patienten, die nach einer Astrazeneca-Impfung Thrombosen mit tödlichem Verlauf entwickelt hatten:

  • Vierzehn mit Astrazeneca Geimpfte verstarben infolge einer Thrombose mit Thrombozytopenie (Blutplättchen-Mangel). Davon waren neun Frauen und fünf Männer.
  • Vier weitere mit Astrazeneca Geimpfte (drei Frauen in der Altersgruppe unter 60 Jahre, eine Patientin in der Altersgruppe über 60) verstarben an einer Hirnblutung bei gleichzeitiger Thrombozytopenie (Blutplättchen-Mangel).

Bei Thrombosen mit Thrombozytopenie spricht die medizinische Fachwelt vom sogenannten TT-Syndrom (TTS). Die Mehrzahl der gemeldeten TTS-Fälle (67%) bezieht sich laut PEI auf Hirnvenen-Thrombosen. Der Rest auf Thrombosen an ungewöhnlichen Stellen wie „Portal-, Leber- oder Mesenterialvenen“. In anderen Fällen kamen tiefe Beinvenen-Thrombosen, Lungenembolien und aterielle Thrombosen vor.

All diese Fälle sind jedoch statistisch gesehen extrem selten. Laut Robert-Koch-Institut wurden bis Ende April in Deutschland 5.775.546 Menschen mit Astrazeneca geimpft, und dem PEI wurden bis dahin 67 TTS-Fälle nach einer Astrazeneca-Impfung gemeldet: 0,00116 Prozent.

Die Melderate in Deutschland für TTS variierte je nach Altersgruppe und Geschlecht zwischen 0,2 bis 2,2 auf 100.000 Astrazeneca-Impfdosen.

Von ähnlichen seltenen TTS-Fälle wie nach Astrazeneca wurden in den USA auch nach Impfungen mit dem Impfstoff von Johnson und Johnson berichtet.

„Die Ursachen werden intensiv erforscht“, erläuterte Prof. Dr. Ludwig Niehaus, Chefarzt der Neurologie des Rems-Murr-Klinikums Winnenden, jüngst in einem Interview mit dieser Zeitung (wir berichteten). Es gebe mehrere Thesen. „Offenbar gehen den Hirnvenen-Thrombosen Autoimmunreaktionen nach der Impfung voran, die die Zahl der Blutplättchen, die für die Gerinnung zuständig sind, einerseits verringert und andererseits dazu bringt, verstärkte Gerinnungsreaktionen auszulösen.“

Das heißt: Bei den Betroffenen wird ein nicht geringer Teil der Blutplättchen durch Autoimmunreaktionen, die durch bestimmte Bestandteile des Impfstoffs getriggert werden, zerstört. Der verbleibende Teil der Blutplättchen reagiert auf den Mangel mit verstärkter Gerinnungsaktivität, weil der Organismus bei einem Blutplättchenmangel davon ausgeht, dass irgendwo eine Blutung zu stoppen sein müsste.

Dies könnte am Vektor in den Vektor-Impfstoffen Astrazeneca sowie Johnson und Johnson liegen. Der Vektor ist der Träger der Sars-CoV-2-Teile in den Impfstoffen, die

zur Antikörperbildung anregen, und im Falle von Astrazeneca sowie Johnson und Johnson an sich ungefährliche Adeno-Viren.

Die Wissenschaft diskutiert aber auch, ob es an den Spike-Proteinen als Bestandteile des Sars-CoV-2 liegen könnte, die bei manchen Menschen übersteigerte Immunreaktionen auslösen. Diese Schlussfolgerung liegt nahe, weil auch Sars-CoV2 im Organismus Thrombosen auslösen kann.

„Der Nutzen der Impfung überwiegt das Risiko bei weitem“, sagte Prof. Niehaus. Es bestehe nach wie vor eine viel größere Gefahr, ungeimpft einen schweren Covid-19-Krankheitsverlauf zu erleiden, als nach einer Impfung eine Hirnvenen-Thrombose (HVT) zu bekommen. „Das Risiko, durch Covid-19 Komplikationen wie Thrombosen, auch HVT, zu bekommen, ist ebenso viel höher. Ja, man kann durch Corona selbst, etwa aufgrund entzündlicher Prozesse, auch Hirnvenen-Thrombosen bekommen.“

Der Winnender Neurologie-Chefarzt behandelte schon lange vor der Corona-Pandemie und der laufenden Impfkampagne im Durchschnitt eine Handvoll Patienten mit HVT pro Jahr. „Diese ‘normalen’ HVT kommen in Deutschland doppelt so häufig bei Frauen vor: bei zwei von 100.000. Bei Männern treten sie nur bei einem von 100.000 auf.“ Dafür gebe es ein breites Spektrum möglicher Ursachen: bestimmte chronische Entzündungen; angeborene beziehungsweise genetische Gerinnungsstörungen oder Venen-Einengungen; besonders bei Frauen eine gesteigerte Gerinnungsfähigkeit des Blutes wegen Rauchens und der Einnahme der Antibaby-Pille sowie spezieller hormoneller Faktoren.

Früh erkannte Hirnvenen-Thrombosen sind heilbar

Die Früherkennung sei bei HVT sehr wichtig, aber im Rems-Murr-Kreis, vor allem auch in den Kliniken sehr gut möglich: „Das ist toll, denn dann sind die HVT in den allermeisten Fällen heilbar. Es gibt mittlerweile viele funktionstüchtige Medikamente, die wir einsetzen können“, sagte Niehaus.

„Wenn Sie in den ersten drei Tagen nach der Corona-Impfung Kopfschmerzen haben, sich abgeschlagen fühlen, Gliederschmerzen, Fieber oder grippale Symptome haben, kann man das als lästigem, aber ‘normale’ Impfreaktionen verbuchen, die der Organismus zur Antikörperbildung eben nun mal zeigt“, sagte Niehaus.

„Erst wenn die Kopfschmerzen oder sonstige Nebenwirkungen am vierten Tage und darüber hinaus weiter anhalten, ja sogar stärker werden, oder gar erst nach einer Woche beginnen, sollten Sie einen Arzt aufsuchen und das abklären lassen. Insbesondere dann, wenn sie Ausfallerscheinungen haben wie Lähmungen oder Taubheitsgefühle in den Gliedmaßen, Seh- oder Sprachstörungen“, so Niehaus. Diese rührten daher, dass der Blutstau in den verstopften Venen im Gehirn wegen des Schädels keinen Raum zum Ausdehnen hat und auf Hirnregionen drückt oder es sogar zu Einblutungen ins Hirngewebe kommt.

Rote Pünktchen in der Haut, subkutane Einblutungen an Armen oder Beinen, seien ein untrügliches, wenn auch sehr viel selteneres Zeichen für ernsthafte Blutgerinnungsprobleme, so Niehaus.

Auch wenn weiter Impfstoff-Mangel herrscht, steigen die Impfzahlen. Und so müssen auch die Statistiken zu Nebenwirkungen und Impfkomplikationen aktualisiert werden. Der Nutzen einer Corona-Impfung, ganz gleich mit welchem Impfstoff, überwiegt statistisch gesehen nach wie vor das Risiko, eine schwere unerwünschte Impfkomplikation zu erleiden. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vom 7. Mai hervor.

524 Todesfälle in zeitlicher, aber meist nicht

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