Rems-Murr-Kreis

Abfallwirtschaft Rems-Murr: Aus Deponien werden Energiefabriken

Klima Solar
Fotovoltaik-Anlage auf der Deponie Lichte in Kaisersbach, Stand 2015. Erweiterungen sind geplant. © Gabriel Habermann

Die langen Autoschlangen und die Warterei vor den Entsorgungszentren und Wertstoffhöfen sollen der Vergangenheit angehören. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr (AWRM) wird zum Dienstleister, öffnet ihre Zentren und Höfe länger – und baut ehemalige Mülldeponien zu Energiefabriken um. Wo, wenn nicht auf alten Müllhalden, lassen sich Fotovoltaikanlagen problemlos aufstellen? Die teureren Energiepreise und ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) spielen der AWRM in die Hände. Investitionen, die vor ein paar Wochen noch unwirtschaftlich erschienen und den Betriebswirten die Haare zu Berge stehen ließen, sind plötzlich höchst lukrativ. Wie zum Beispiel der Ausbau der Fotovoltaikanlage auf der Kaisersbacher Deponie Lichte.

Doch fangen wir mit ganz profanen Punkten des neuen Abfallwirtschaftskonzeptes der AWRM an, die der Kreistag Ende vergangenen Jahres beschlossen hat und von denen die Bürgerinnen und Bürger vermutlich am meisten profitieren: den verlängerten Öffnungszeiten. Wer vor zwei Jahren, zu Beginn der Coronapandemie, den ersten Lockdown nutzte, um endlich mal Keller, Bühne oder Garage zu entrümpeln, wird sich an die Schlangen erinnern, die sich vor den Mülldeponien und Wertstoffhöfen bildeten. Ab Sommer gilt: Die Entsorgungszentren auf den ehemaligen Mülldeponien Steinbach in Backnang, Lichte in Kaisersbach, Eichholz in Winnenden und Schorndorf werden werktäglich von 8 bis 12 und 13 und bis 16.30 Uhr geöffnet sein und samstags von 9 bis 14 Uhr. Dafür hat die AWRM bereits fünf neue Mitarbeiter eingestellt.

Wertstoffhof in Waiblingen bald viel öfter offen

Der Wertstoffhof in Waiblingen wird künftig von der AWRM betrieben und von Dienstag bis Freitag (14 bis 19 Uhr) und an Samstagen (9 bis 14 Uhr) seine Tore öffnen.

Bereits in der Planung sind zwei neue Wertstoffhöfe in Winterbach und Welzheim. Sie sollen an neuer Stelle 2023 gebaut und in Betrieb genommen werden. Weitere Wertstoffhöfe mit erweiterten Öffnungszeiten soll es in Murrhardt, Weinstadt/Kernen sowie Urbach/Plüderhausen geben. Nichts verändert wird an den 19 Grüngutplätzen.

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie hat die AWRM die technische und wirtschaftliche Machbarkeit der Erweiterung der bestehenden Fotovoltaik-Anlage in Kaisersbach untersuchen lassen. „Im Ergebnis kann festgehalten werden, dass die Erweiterung technisch umsetzbar wäre, die Wirtschaftlichkeit auf Basis der derzeitigen EEG-Mindesterlöse jedoch nicht gegeben ist und die Amortisationszeit bei knapp 40 Jahren liegt.“ So hat das Ergebnis noch vor wenigen Wochen geheißen. Doch zwischenzeitlich sei von der Bundesregierung eine Novellierung des EEG mit höheren garantierten Einspeisevergütungen für Freiflächenanlagen angekündigt worden, teilte der AWRM-Vorstand jetzt den Mitgliedern des Aufsichtsrates mit. „Mit den zu erwartenden Erlösen wäre die Anlage wirtschaftlich mit einer Amortisationszeit von unter 20 Jahren zu betreiben.“ Die AWRM will im nächsten Schritt ein Ingenieurbüro mit der Planung der Anlagenerweiterung beauftragen.

Für die Deponie Eichholz in Winnenden hat die AWRM ebenfalls große Pläne, die nahtlos ins Klimaschutzkonzept des Rems-Murr-Kreises passen. Um das hehre Ziel von klimaneutralen Liegenschaften des Kreises bis 2030 zu erreichen, muss die Abfallwirtschaft mehr Strom aus erneuerbaren Quellen liefern, lautet die Rechnung für Klimaneutralität. Im Zuge der Rekultivierung der Deponie „Eichholz“ soll eine Freiflächenanlage zur solaren Energieerzeugung gebaut werden. Eine Option stellt die Kombination aus einer Fotovoltaik-Anlage mit einer Anlage zur Erzeugung von Wasserstoff auf dem Deponiegelände dar. Die dabei entstehende Abwärme, die bei der Wasserstoffproduktion anfällt, könnte effizient in dem bereits vor Ort befindlichen Nahwärmenetz der Fernwärme Winnenden genutzt werden.

Handlungsfelder für eine umweltgerechte Kreislaufwirtschaft

So weit der aktuelle Stand der Umsetzung des im November 2021 verabschiedeten Abfallwirtschaftskonzeptes, das dem AWRM-Aufsichtsrat vorgestellt wurde. Das Konzept geht aber darüber hinaus, soll einer umweltgerechten Kreislaufwirtschaft dienen und beinhaltet fünf Handlungsfelder:

  • Abfallvermeidung
  • Infrastruktur und Entsorgung
  • Klimaschutz
  • Gebührensystem
  • Service und Öffentlichkeitsarbeit

„Mit dem vierten Abfallwirtschaftskonzept macht sich die AWRM auf den Weg, den gesellschaftlichen Wandel zu einem noch bewussteren Umgang mit unseren Ressourcen, zu unterstützen“, erklärte Landrat Richard Sigel das Konzept: „Bei der zukünftigen Ausrichtung der Abfallwirtschaft sollen der Umwelt- und Klimaschutz noch konkreter werden. Das Abfallwirtschaftskonzept der AWRM ist ein Baustein, der die Anstrengungen des Rems-Murr-Kreises in Sachen Klimaschutz eng verzahnt.“ Und Sigel weiter: „Wenn wir es schaffen, Abfälle zu vermeiden, Dinge wiederzuverwerten und achtsam unseren Müll zu trennen, schonen wir nicht nur unsere natürlichen Ressourcen, sondern auch unseren Geldbeutel. Machen wir uns gemeinsam auf den Weg, unseren lebenswerten Landkreis noch lebenswerter zu gestalten.“

Die langen Autoschlangen und die Warterei vor den Entsorgungszentren und Wertstoffhöfen sollen der Vergangenheit angehören. Die Abfallwirtschaftsgesellschaft Rems-Murr (AWRM) wird zum Dienstleister, öffnet ihre Zentren und Höfe länger – und baut ehemalige Mülldeponien zu Energiefabriken um. Wo, wenn nicht auf alten Müllhalden, lassen sich Fotovoltaikanlagen problemlos aufstellen? Die teureren Energiepreise und ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) spielen der AWRM in die Hände.

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