Rems-Murr-Kreis

Allmersbach ist am schnellsten am Netz

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Gigabitprojekt in der Region Stuttgart_0
Die Gigabit Region Stuttgart GmbH hat am Freitag mit der Deutschen Telekom einen Kooperationsvertrag unterschrieben. © ZVW/Danny Galm
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Alexander Ostertag, Regio-Manager der Telekom.

Fellbach/Allmersbach im Tal. An Superlativen herrschte am Freitag in Fellbach wahrlich kein Mangel, als der Ausbau des schnellen Internets in der Region Stuttgart auf den Weg gebracht wurde. Mit viel Pomp haben die Telekom und die Gigabit Region Stuttgart ihren Kooperationsvertrag unterzeichneten. Die Rede war von „Meilenstein“, „Jahrhundertchance“ und einem „organistorischen Kraftakt“.

Doch was bedeutet das Gigabitprojekt für die Bürger? Das lässt sich derzeit am Beispiel Allmersbach im Tal veranschaulichen. Die Gemeinde ist einer der sechs Modellkommunen in der Region Stuttgart und die einzige im Rems-Murr-Kreis, die als erste ein Glasfasernetz erhalten. Bis 1. Juni haben die Bürger in Allmersbach in der sogenannten Vorvermarktungsphase Zeit, einen Vertrag mit der Deutschen Telekom zu schließen und den Hausanschluss kostenlos zu bekommen. Noch im Juni 2019 fahren die Bagger auf. Bis in einem Jahr werden alle Haushalte einen Glasfaseranschluss zumindest bis ans Haus erhalten.

Bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte versorgt sein

Die Voraussetzung für den Ausbau war freilich, dass mindestens 30 Prozent der Allmersbacher Haushalte den Vertrag unterschrieben haben. Kein einfaches Unterfangen, wie Alexander Ostertag, der für Allmersbach zuständige Regio-Manager der Telekom, festgestellt hat. Es habe viel Überzeugungsarbeit von seiner Seite, aber auch guten Zuredens durch das Allmersbacher Rathaus bedurft, um die Leute zur Unterschrift zu bewegen.

Wie hoch das Mindestquorum ist, hängt von den Verhältnissen in den jeweiligen Städten und Gemeinden ab. Je ländlicher, desto höher dürfte die Mindestquote ausfallen, weil eben der Ausbau teurer wird. Unterm Strich muss sich die Investition für die Telekom eben auch lohnen.

Werde in einer Kommune die Mindestquote nicht erreicht, müsse nachgesteuert werden – oder sich die Gemeinde notfalls in der Schlange für den Ausbau wieder hinten einreihen. Ziele der Gigabit Region Stuttgart sind: Bis 2025 sind in der Region alle Gewerbegebiete und die Hälfte aller Haushalte am schnellen Internet; bis 2030 sollen 90 Prozent der Haushalte mit Glasfaseranschlüssen versorgt sein.

Im ersten Jahr kostet der Anschluss 19,95 Euro

Die Konditionen? Wer den Vertrag in der Vorvermarktungsphase unterschreibt, bekommt den Hausanschluss kostenlos. Danach kostet dieser rund 800 Euro, erklärte Alexander Ostertag an seinem Stand auf der Glasfasermesse in und rund um die Schwabenlandhalle Fellbach. Wie bei Verträgen in dieser Branche üblich, ist dieses „Kostenlos“ mit einer Bedingung verknüpft, sich nämlich zwei Jahre lang an die Telekom zu binden. Glasfaser hin, Glasfaser her: Im ersten Jahr kostet der Anschluss 19,95 Euro, im zweiten Jahr die üblichen Gebühren eines VDSL-Telefonanschlusses mit Internet und TV. Nur wer tatsächlich schon die großen Datenmengen des Glasfasers nutzen will, müsse diese auch bezahlen.

Nach der zweijährigen Vertragslaufzeit kann sich der Kunde umorientieren und sich einen neuen Anbieter suchen. Dieser „Open Access“ war eine der Bedingungen der Gigabit Region Stuttgart für die Kooperation mit der Telekom. 174 der 179 Städte und Gemeinden sind beim Gigabit-Projekt dabei. Fünf große Kreisstädte, darunter die Stadt Schorndorf, bauen das Glasfasernetz mit ihren Stadtwerken in eigener Regie auf.

Der Schorndorfer Sonderweg

Die Stadtwerke Schorndorf sind schon seit neun Jahren an dem Thema Telekommunikation dran. Seit 2011 haben die Stadtwerke bereits 40 Kilometer Glasfaserkabel verlegt und sind von der Bundesnetzagentur als Provider zugelassen, erklärt Oberbürgermeister Matthias Klopfer den eigenen Weg. Für Schorndorf und die Stadtwerke habe der Breitbandausbau etwas mit Daseinsfürsorge zu tun, genauso wie die Versorgung mit Strom, Gas oder Wasser. „Deswegen gehören die Glasfaserkabel in kommunale Hand“, so Klopfer.

Die Schorndorfer Industriegebiete wurden bereits weitreichend verkabelt und es wird parallel mit dem Ausbau in den Wohngebieten begonnen. Diese flächendeckende Abdeckung gebe es mit der Telekom nicht. Deswegen hat der Gemeinderat den Grundsatzbeschluss gefasst, dass die Stadtwerke Schorndorf in Eigenregie auf rund 280 Kilometern Glasfaserkabel verlegen. Letztendlich sei der Breitbandausbau die Grundlage für viele Technologien, die die Stadtwerke in Zukunft anbieten möchten.

Über die Sparte „Schorndorf Media. Web and More“ bieten die Stadtwerke Schorndorf Internet, Telekommunikation und Onlinefernsehen an. Mit der Telekom werden Gespräche über Kooperationsmöglichkeiten geführt, wie gegenseitig Dienstleistungen zur Verfügung gestellt werden können.