Rems-Murr-Kreis

Am Ende der Kräfte: Kita-Leiterin Iris Lanwer diskutiert mit Ricarda Lang, Grüne

RicardaLang
Deutliche Worte zur angespannten Lage: Kita-Leiterin Iris Lanwer. © Gaby Schneider

Wo bleiben die Kinderrechte im Grundgesetz, insbesondere das Recht der Kinder auf Bildung unabhängig vom Geldbeutel der Eltern? Und wie sollen die Kita-Beschäftigten im Zeichen des Fachkräftemangels auf Dauer durchhalten? Darüber diskutierten am Samstagabend die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang (Grüne) und die Kita-Leiterin Iris Lanwer in der Volkshochschule Winnenden. Es wurde kein bequemer Abend für Lang, die sich mit einigen unangenehmen Wahrheiten konfrontiert sah.

Die Betonung lag auf „endlich“, als sich die Leiterin einer Brennpunkt-Kita in Bietigheim-Buch wünschte, dass die Kinderrechte im Grundgesetz verankert werden. Hier musste sich Ricarda Lang fragen lassen, wie die von der Großen Koalition vereinbarte Sache letztes Jahr gescheitert ist. Sie berief sich auf die fehlende verfassungsändernde Mehrheit. Da reiche die Ampel nicht aus – und die Union wolle eben nicht mitmachen. Kindertagesstätten, so Lang zur Notwendigkeit der Grundgesetzverankerung, seien aber „keine Verwahranstalten, sondern Orte der frühkindlichen Bildung“.

Recht auf Bildung - wie soll das gehen bei zu wenig Personal?

Iris Lanwer fragte sich als Leiterin einer Kita mit 116 Kindern und 20 Beschäftigten, wie das Recht der Kinder auf Bildung bei so einem Fachkräftemangel überhaupt umgesetzt werden soll. Sie sieht ihre Erzieherinnen, die künftig auch noch Bildung gewährleisten sollen, jetzt schon „am Ende ihrer Kräfte“. Die Anforderungen im Berufsalltag würden von Tag zu Tag höher. Sie frage sich, ob dafür die Erzieherausbildung überhaupt noch ausreicht und warum es eigentlich keine Kita-Sozialarbeiter gibt. Schulsozialarbeiter gebe es ja schließlich auch.

Und sie frage sich, was es für einen politischen Sinn ergeben soll, Familienzentren nicht in sozialen Brennpunkten, sondern als Prestigeobjekte in gehobenen Wohngebieten zu errichten.

Der Beruf gehöre dringend aufgewertet und besser bezahlt, räumte Ricarda Lang ein und hielt mit der Kindergrundsicherung dagegen, mit der sie die Kinderarmut bekämpfen wolle.

Fleischereifachverkäuferin als Krankheitsvertretung

Das wiederum löse aber nicht die Probleme in den Einrichtungen, kristisierte Lanwer, dass nichts gegen den Fachkräftemangel getan werde. „Wie weit wollen wir noch gehen“, vermisst sie ein Qualitätsgesetz in den Kitas. Iris Lanwer berichtete, dass, um den allseits herrschenden Personalmangel zu kompensieren, auch schon eine Fleischereifachverkäuferin als Vertretung einer Erzieherin eingesetzt wurde. Lanwer selbst bleibt als Leiterin kaum Zeit für das Schreiben von Konzepten zur Erfüllung des Schutzauftrages und die Fortschreibung der frühkindlichen Bildung.

„Im politischen Bereich muss man wahnsinnig kämpfen, wenn es um Kinder geht“, berichtete Ricarda Lang (hier eine Einordnung zu ihr) aus dem Bundestag und versprach, den Fachkräftemangel sichtbar und den Beruf attraktiver machen zu wollen; sprach sich aber lediglich für eine Teilakademisierung des Erzieherberufes aus. Sonst fehlten ja wieder die Leute mit einer Ausbildung. Azubis, meinte sie, sollten die Vorteile des Berufes, der ja einen sicheren Job bedeute, bewusster gemacht werden.

Kindertagesstätten und Straßenbau

„Wenn das Thema Kinderrechte Raum bei Anne Will einnehmen würde, wäre ich schon froh“, sagte Ricarda Lang. Aus der Opposition heraus habe sich bereits Annalena Baerbock für die Kinderrechte starkgemacht. „Jetzt sind wir an der Regierung und kriegen auch keine hin“, bedauerte Lang.

Mehr und bessere Fachkräfte, Kinderrechte im Grundgesetz, Inklusion in den Kitas und einen Kinderbildungsgipfel – das erwarten die Zuhörer, die am Samstag in die VHS kamen, unbedingt von den Grünen.

In einem waren sich Lang und Lanwer einig: „Über die Wichtigkeit der Kindertagesstätten wird sehr viel geredet – und das Geld fließt dann in den Straßenbau.“

Wo bleiben die Kinderrechte im Grundgesetz, insbesondere das Recht der Kinder auf Bildung unabhängig vom Geldbeutel der Eltern? Und wie sollen die Kita-Beschäftigten im Zeichen des Fachkräftemangels auf Dauer durchhalten? Darüber diskutierten am Samstagabend die Bundestagsabgeordnete Ricarda Lang (Grüne) und die Kita-Leiterin Iris Lanwer in der Volkshochschule Winnenden. Es wurde kein bequemer Abend für Lang, die sich mit einigen unangenehmen Wahrheiten konfrontiert sah.

Die Betonung

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