Rems-Murr-Kreis

Ausgebucht! Alle Termine der Sonder-Impfaktion mit übrig gebliebenem Astrazeneca-Impfstoff sind vergeben

Feature Symbolbild   Impfstoff Astrazeneca   spritze  impfen Impfdose
Der Kreis-Pandemiebeauftragte Dr. Jens Steinat appelliert an alle Ü-60-Jährigen, Solidarität mit den Jüngeren zu zeigen und sich mit Astrazeneca impfen zu lassen. © Benjamin Büttner

Arztpraxen bleiben auf Astrazeneca-Impfstoff sitzen. Deshalb gab es am Mittwoch (5.5.2021) eine Sonderimpfaktion in Pforzheim. Etwas Ähnliches mit Unterschieden im Detail zieht an diesem Wochenende (8./9.5.) das in Oppenweiler niedergelassene Ärzte-Ehepaar Dres. Jens und Daniela Steinat durch. Alle Termine sind ausgebucht (Stand: Freitagmorgen, 7.5.). "Wir haben 48 Termine vergeben und werden am Samstag, 15. Mai, einen Zusatztermin mit weiteren 24 Dosen anbieten, aber auch diese Termine sind nun vergeben. Wir haben unsere Patienten berücksichtigt, aber auch alle anderen über 60-jährigen aus anderen Gemeinden", so die beiden gegenüber dieser Zeitung. "Vielen Dank für die überwältigende Bereitschaft zur Impfung." Dr. Jenas Steinat ist gleichzeitig Pandemiebeauftragter des Rems-Murr-Kreises.

„Ich kenne die Aktion in Pforzheim und die Kolleginnen, die daran beteiligt sind. Sie sind ebenfalls Pandemiebeauftragte ihrer Landkreise und wir haben uns erst am Mittwoch noch in unserer wöchentlichen Videokonferenz darüber ausgetauscht“, sagt Dr. Jens Steinat. „Die Aktion finde ich sehr gut. Wir müssen mit innovativen Ideen und pragmatischem Handeln vorwärtskommen. Das ist auch der Grund, warum wir Hausärztinnen und Hausärzte (im Rems-Murr-Kreis) in jetzt fast fünf Wochen annähernd die gleiche Anzahl der Impfungen erreicht haben, die das Kreisimpfzentrum seit Öffnung gemacht hat.“

Es sei tatsächlich schwerer, Patientinnen und Patienten für den Astrazeneca-Impfstoff zu gewinnen, sagt Jens Steinat. Und das, obwohl es ein sehr effektiver Impfstoff sei und „unserer Erfahrung nach gerade bei den über 60-Jährigen zu guten Antikörperreaktionen bereits nach der ersten Impfung führt. Dies haben wir nun in vielen Nachbeobachtungen und Antikörperkontrollen festgestellt. Ich kann nur an die Solidarität der älteren Generation appellieren, damit wir für die Jüngeren ausreichend Biontech-Impfstoff zur Verfügung haben.“

Steinats Praxis hatte deshalb auf der Homepage einen Aufruf zur unkomplizierten Erlangung eines Impftermins für Astrazeneca eingestellt und eine eigene Mailadresse generiert. „Alle über 60-Jährigen konnten sich über die Mailadresse melden und bekamen dann einen Termin an speziellen Astrazeneca-Impftagen am Wochenende“, so Jens Steinat.

Der Unterschied zu der Aktion in Pforzheim ist also, dass nicht unterschiedslos alle und ohne Termin vorbeikommen und auf einen Impftermin hoffen können, solange der Rest-Vorrat reicht, sondern sich ausschließlich über 60-Jährige per Mail um einen Termin bemühen konnten. 

Daran änderte sich spontan auch nichts angesichts der aktuellen Freigabe von Astrazeneca für alle. "Auf Grund der doch hohen Nachfrage impfen wir zum momentanen Zeitpunkt erst einmal die über 60-jährigen. Wir bitten herzlichst um Ihr Verständnis", steht seit dem späten Donnerstagabend (6.5.) nunmehr in der geänderten Ankündigung der Sonder-Impfaktion auf der Homepage der Arztpraxis der Steinats.

Auch anderswo Sonderaktionen?

Bislang weiß das Landes-Sozialministerium von keinen anderen Sonderaktionen der Ärzteschaft zur Verimpfung von übrig gebliebenem Astrazeneca-Impfstoff in Baden-Württemberg, sagt Ministeriumssprecher Pascal Murmann. „Die Arztpraxen werden ja auch vom Bund direkt über den Pharmagroßhandel beliefert – und nicht vom Land.“ Will heißen: Solche Infos laufen nicht zwangsläufig im Ministerium ein.

Was wird in den Arztpraxen verimpft: Astrazeneca oder Biontech?

„Welche Impfstoffe für die Arztpraxen über den Großhandel und die Apotheken geliefert werden, unterscheidet sich von Woche zu Woche“, sagt Kai Sonntag, Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW). „In den ersten zwei Wochen war es nur Biontech. Die vorvergangene Woche waren es Astrazeneca und Biontech. Die vergangene Woche war es ausschließlich Biontech und diese Woche (3. bis 9.5.) sowie kommende Woche (10. bis 16.5.) sind es wieder Astrazeneca und Biontech.“

Keine maximale Bestellmenge für Astrazeneca mehr

Die maximale Bestellmenge für die Impfstoffe von Biontech und Astrazeneca hat sich laut Kai Sonntag jedoch aktuell geändert: Pro Arzt sind wöchentlich weiterhin zwar nur bis zu 36 Dosen Biontech bestellbar, aber theoretisch eine unbegrenzte Menge an Dosen von Astrazeneca. „Das bedeutet aber nicht, dass die Ärzte diese dann auch wirklich vollständig geliefert bekommen“, sagt Kai Sonntag. „Es steht auch bei Astrazeneca keinesfalls unbegrenzt viel zur Verfügung. Die Verteilungsmengen berechnen sich quasi anhand eines Algorithmus, der die Bestellmengen aller Arztpraxen einbezieht. Maximalbestellungen insgesamt können weiterhin nicht komplett abgedeckt werden.“

Die Impfstoffmenge, die der Bund den Arztpraxen via den Pharma-Großhandel und schließlich die Apotheken zur Verfügung stellt, bleibt also begrenzt. In der zweiten Maiwoche sollen es knapp drei Millionen Impfstoffdosen von Biontech und von Astrazeneca sein – und damit genauso viel wie für die laufende erste Maiwoche.

Im gesamten Baden-Württemberg wurden laut Corona-Impfindex des Zentralinstituts für die Kassenärztliche Versorgung in Deutschland (ZI) in der Kalenderwoche 17 (26. April bis 2. Mai) 280.712 Corona-Impfungen in Arztpraxen durchgeführt. Davon 275.807 mit Biontech und 4824 mit Astrazeneca (sowie 81 mit Moderna). Die KVBW appelliert: „Um möglichst viele Patienten impfen zu können, wird dringend empfohlen, beide Impfstoffe zu ordern.“ Mit Stand 2. Mai wurden nur 77,5 % der von Ärzten bestellten Impfstoffe auch verimpft, so das ZI.

Arztpraxen bleiben auf Astrazeneca-Impfstoff sitzen. Deshalb gab es am Mittwoch (5.5.2021) eine Sonderimpfaktion in Pforzheim. Etwas Ähnliches mit Unterschieden im Detail zieht an diesem Wochenende (8./9.5.) das in Oppenweiler niedergelassene Ärzte-Ehepaar Dres. Jens und Daniela Steinat durch. Alle Termine sind ausgebucht (Stand: Freitagmorgen, 7.5.). "Wir haben 48 Termine vergeben und werden am Samstag, 15. Mai, einen Zusatztermin mit weiteren 24 Dosen anbieten, aber auch diese Termine sind

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