Rems-Murr-Kreis

Ausgeträumt: Keine Chance für die Wieslauftalbahn bis Welzheim

TITEL Ferienexpress
Als „Ferienexpress“ waren die Züge der Wieslauftalbahn schon bis Welzheim unterwegs. © Gabriel Habermann

Seit 25 Jahren ist die Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Rudersberg unterwegs. Ein Grund zum Feiern. Denn der von vielen Unkenrufen begleitete Neustart des „Wiesel“ erwies sich als eine Erfolgsgeschichte. Jahr für Jahr sind die Fahrgastzahlen gestiegen. 2019 waren es 1,2 Millionen. Doch die Jubelfeiern zum 25-Jahr-Jubiläum fielen in diesem Jahr jedoch Corona zum Opfer.

Seit einem Vierteljahrhundert träumen Bahnenthusiasten im Rems-Murr-Kreis gern auch von einer Weiterführung des regulären Zugbetriebs über Rudersberg hinaus bis nach Welzheim. Ausgeträumt. Die Fahrgastzahlen geben eine Reaktivierung der 1911 erstmals von Schorndorf bis Welzheim befahrenen Gesamtstrecke nicht her.

Landesverkehrsministerium hatte Hoffnungen geweckt

Das Verkehrsministerium Baden-Württemberg hatte Hoffnungen geweckt, als es die Reaktivierung von alten Zugstrecken in Aussicht stellte. Denn immer mehr Menschen sollen in Busse und eben auch in die Züge gelockt werden. Insgesamt 42 Strecken im Land wurden deshalb auf ihr Fahrgastpotenzial hin untersucht. Bei den Etatberatungen im Umwelt- und Verkehrsausschuss hatte die Gruppe Wilhelm/Klinghoffer um einen Sachstandbericht in Sachen Wiesel bis Welzheim gebeten.

Die Antwort fiel ernüchternd aus. Die Chancen, dass das Land als SPNV-Aufgabenträger die Reaktivierung der Strecke fördert, seien gleich null, erklärte die Kreisverwaltung. Das Land beteilige sich an den Kosten für die Bestellung und den Betrieb nur unter folgenden Kriterien:

  • Wenn eine Reaktivierung der Strecke für einen SPNV-Betrieb infrastrukturell möglich ist,
  • die Strecke ein ausreichendes Fahrgastpotenzial hat und
  • die zu erwartenden Investitionskosten im Rahmen einer standardisierten Bewertung erwarten lassen, dass ein Nutzen-Kosten-Quotient von über eins erzielbar ist.

Das Verkehrsministerium hat insgesamt 42 stillgelegte Strecken im Land ermittelt, bei denen eine Reaktivierung infrastrukturell möglich ist. Für diese 42 Strecken seien die erzielbaren Fahrgastzahlen bis 2030 abgeschätzt worden, heißt es in einer Vorlage für die Kreisräte. Dabei wurde unterstellt, dass die Reaktivierung bis 2025/2030 erfolgt. Auf dieser Grundlage wurden die Strecken in vier Kategorien eingeteilt.

Zur Kategorie A zählen Strecken mit sehr hohem Fahrgastpotenzial, das heißt mehr als 1500 Personenkilometer pro Streckenkilometer, zur Kategorie B Strecken mit hohem Fahrgastpotenzial (mehr als 750 Personenkilometer pro Streckenkilometer) und zur Kategorie C Strecken mit mittlerem Fahrgastpotenzial (mehr als 500 Personenkilometer pro Streckenkilometer). Bei Kategorie D (weniger als 500 Personenkilometer pro Streckenkilometer) solle ein Gelegenheitsverkehr und touristischer Verkehr geprüft werden.

Für die Wieslauftalbahn komme die Studie unter Anwendung zu folgendem Ergebnis: Die Strecke Rudersberg-Oberndorf – Welzheim zählt mit 350 Personen (Einsteiger täglich) und 260 Personenkilometern pro Streckenkilometer zur Kategorie D. „Das für einen Vollbetrieb erforderliche Nachfragepotenzial kann somit nicht erreicht und deshalb nicht gefördert werden“, schreibt abschließend das Landratsamt Rems-Murr.

Heißt: Auch in Zukunft werden auf der Wieslauftalbahn bis Welzheim nur an Wochenenden Nostalgiezüge der Schwäbischen Waldbahn den Berg rauf- und runterzuckeln.

Dass ein Zugverkehr zwischen Schorndorf und Welzheim nicht der Renner sein würde, zeigen die Fahrzeiten. Mit dem Bus sind die Fahrgäste auf direktem Weg derzeit 26 Minuten unterwegs. Auf der Schiene mit dem Umweg über Rudersberg dürfte es fast doppelt lang sein. Schon heute kann man mit dem Bus bis Oberndorf fahren und dort in den „Wiesel“ umsteigen. Die Fahrzeit beträgt im optimalsten Fall: 41 Minuten.

Neue Pläne für den Alltags-Wiesel

Für den Alltags-Wiesel Schorndorf-Oberndorf hingegen werden bereits neue Pläne geschmiedet. Weil die vor 25 Jahren angeschafften Diesel-Triebwagen in die Jahre gekommen sind, muss längst Ersatz her. Und der soll klimapolitisch auf dem neuesten Stand sein. Untersucht wird der Betrieb der Züge mit grünem Wasserstoff, der in Waiblingen im Rahmen des Innovationsprojektes „HyPerformer“ hergestellt werden soll.

Allerdings hegt die CDU-Kreistagsfraktion bereits Bedenken gegen den Wasserstoff-Wiesel. Sie hat darum auch bei den Etatberatungen im Umwelt- und Verkehrsausschuss beantragt, zu prüfen und zu untersuchen, ob nicht auch synthetische Kraftstoffe für die Wieslauftalbahn infrage kommen. „Dies wäre eine klimafreundliche Alternative zur kostenträchtigen Wasserstofflösung.“

Das Landratsamt betonte, dass die Untersuchung der Hochschule Esslingen ergebnisoffen erfolge. Dass bei der Antriebstechnologie also keine Vorfestlegung auf Wasserstoff erfolgt sei.

Seit 25 Jahren ist die Wieslauftalbahn zwischen Schorndorf und Rudersberg unterwegs. Ein Grund zum Feiern. Denn der von vielen Unkenrufen begleitete Neustart des „Wiesel“ erwies sich als eine Erfolgsgeschichte. Jahr für Jahr sind die Fahrgastzahlen gestiegen. 2019 waren es 1,2 Millionen. Doch die Jubelfeiern zum 25-Jahr-Jubiläum fielen in diesem Jahr jedoch Corona zum Opfer.

Seit einem Vierteljahrhundert träumen Bahnenthusiasten im Rems-Murr-Kreis gern auch von einer Weiterführung des

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