Rems-Murr-Kreis

B14-Ausbau im Rems-Murr-Kreis: Was wird aus dem Nadelöhr Backnang-Waldrems?

B14 Waldrems
Und ewig grüßt der B-14-Stau: Kurz vor dem Ortsschild von Waldrems wird die vierspurige B 14 zweispurig – ein Nadelöhr. © Benjamin Büttner

Das zweite Murrtalviadukt kann ab Sommer gebaut werden. Dann endlich fließt der B14-Verkehr nicht mehr nur zwei-, sondern vierspurig über das Murrtal. Das ist fantastisch. Aber Moment mal: Die Zufahrten von Norden und Süden her zur großen Brücke hin sind ja dann immer noch nur zweispurig. Was bringt der 23,7 Millionen Euro teure Aufwand für den Brückenausbau dann?

Die B14 ist eine der Hauptverkehrsachsen durch den Rems-Murr-Kreis. Hier rauscht der Verkehr. Und zwar seit Jahren vierspurig von Stuttgart her, an Winnenden vorbei bis zur Anschlussstelle Nellmersbach. Kurz vor Waldrems aber stauen sich die Autos und Lkw regelmäßig. Denn dort, quasi mit Beginn der Bebauung am Ortsrand, ist die Bundesstraße wieder nur zweispurig. Und bleibt es – mit ganz kurzen Ausnahme-Streckenabschnitten – dann auch. Autofahrer quälen sich, Anwohner in Waldrems und Maubach noch viel mehr. Denn diese zwei Orte werden von der Bundesstraße durchschnitten. Backnang wird zwar nur am Westrand gestreift – zufriedenstellend ist die Verkehrssituation aber auch da sicher nicht. Passiert denn hier endlich auch was? Denn was bringt ein vierspuriges, zweiteiliges Brückenwunder, wenn davor und dahinter nichts läuft?

Die Strecke zwischen Backnang Mitte über das Viadukt bis Backnang West

Mitte 2023 fangen die Bauarbeiten am zweiten Teil des Murrtalviadukts an. Abgeschlossen sollen sie Anfang 2025 sein. Vom Viadukt in nördlicher Richtung geht’s dann zur Anschlussstelle Backnang West, von der aus die A81 bei Mundelsheim erreicht werden kann. Damit diejenigen, die, auf dem Weg zur Autobahn hin oder von der Autobahn her, nicht im Dauerstau stehen, soll auch dieser Abschnitt der B14 ausgebaut werden. Hier allerdings ist der Stand noch hinter jenem des Viadukts. Die Arbeiten werden, so die Pressestelle des Regierungspräsidiums Stuttgart, in diesem Jahr, also 2023, europaweit ausgeschrieben. Der Baustart soll Oktober 2023 sein. Man beginnt mit Rodungsarbeiten. Dennoch: Das Regierungspräsidium geht davon aus, dass das Murrtalviadukt und die Strecke zwischen Viadukt und Backnang West „im engen zeitlichen Zusammenhang“, also hoffentlich ungefähr gleichzeitig, „fertiggestellt werden“.

Deutlicher länger wird es offenbar dauern, bis auch das Stück zwischen der Anschlussstelle Backnang Mitte und dem Murrtalviadukt auf vier Spuren erweitert ist. Denn es heißt über die Gesamtstrecke Backnang Mitte bis Backnang West: „Die Fertigstellung ... der ausgebauten B14 zwischen den Anschlussstellen Backnang Mitte und Backnang West ist für Ende 2027 geplant.“ Das ist gut zwei Jahre nach Fertigstellung des Murrtalviadukts.

Die Strecke ab Waldrems über Maubach, Backnang Süd bis Backnang Mitte

Doch auch mit dieser Anstrengung ist der B14-Ausbau noch nicht erledigt. Es fehlt ja noch die lange Strecke zwischen der Anschlussstelle Nellmersbach bis zur Anschlussstelle Backnang Mitte. Autofahrer und Anlieger müssen sich gedulden, bis hier alles – wie’s die Verkehrsprofis genau beschreiben – zweibahnig und vierspurig verläuft. Das Regierungspräsidium peilt das Jahr 2028 beziehungsweise 2029 an.

Interessant und sehr aufwendig wird der Ausbau vor allem bei Waldrems und Maubach. Dort nämlich wird die B14 verlegt. Wobei die alte B14 nicht wegfallen kann. Denn wer beispielsweise aus Waldrems kommt und nach Norden in Richtung Backnang fahren will, kommt auf die neue Bundesstraße nicht drauf. Die Anschlussstelle sei ein „Halbanschluss“, heißt es aus dem Regierungspräsidium.

An genau jener Stelle, wo die jetzt schon ausgebaute, vierspurige B14 am Ortsrand von Waldrems endet und jetzt aktuell nur zweispurig weiterführt, werden die zukünftigen zwei Fahrbahnen mit ihren vier Spuren ins Erdreich absinken, um dann in einem Tunnel zu verschwinden. Obendrüber wird ein großer Kreisverkehr die Reisenden in den Ort oder zum Beispiel in Richtung Heiningen verteilen. (Die Karte der Planung der zuständigen Abteilung im Regierungspräsidium gibt's hier.)

Nach etwa 500 Metern haben die Fahrbahnen wieder Tageslicht, sind aber im Vergleich zur umgebenden Landschaft tiefer gelegt. Fachleute sprechen hier von einem „Trog“. Dieser neue B14-Abschnitt führt im leichten Bogen westlich entlang der alten B14-Strecke. Kurz vor der alten Schule Waldrems, jenem Gebäude, das ganz direkt neben der alten B14 liegt, bekommt der B14-Trog nochmals einen – begrünten – Tunneldeckel, führt ein Stück nach Osten, um dann, wieder mit Tageslicht, erneut gen Westen zu schwingen. Die neue Strecke durchschneidet hier die Felder. Die alte B14 führt wie gehabt bei der alten Schule Waldrems über die neue B14 hinweg Richtung Westen und nach Maubach hinein. Erst kurz vor Backnang treffen sich die alte und die neue B14-Strecke wieder, werden vereinigt und führen wie immer westlich an Backnang vorbei.

Wenn das alles in gut fünf Jahren geschafft ist, sollten die Menschen aus Waldrems, Maubach und Backnang und alle Autofahrer entlastet sein. (Die Karte des Regierungspräsdiums zur Gesamtplanung kann hier angesehen werden.) Die Einschnitte in die Natur, egal ob wild oder landwirtschaftlich genutzt, sollen mittels Ausgleichsmaßnahmen wenigstens abgemildert sein.

Die Strecke ab Backnang West in Richtung Großerlach

Stellt sich dann nur noch die Frage, was hinter der Anschlussstelle Backnang West passiert. Ab dort nämlich, es folgen die Kommunen Oppenweiler, Sulzbach und Großerlach, ist noch nichts vom B14-Ausbau zu hören. Und das wird laut Regierungspräsidium auch so bleiben. Beziehungsweise: Rund um Oppenweiler wird's irgendwann in der Zukunft eine Ortsumfahrung geben, die B14 aber bleibt zweispurig. Die Verkehrszahlen würden, „je weiter man Richtung Sulzbach kommt“, stetig abnehmen. Im Jahr 2019 wurde von der Straßenverkehrszentrale Baden-Württemberg hier gezählt. Nördlich von Sulzbach lag die durchschnittliche Anzahl von Kraftfahrzeugen in 24 Stunden bei rund 7600. Bei der Anschlussstelle Backnang Süd dagegen rauschten täglich durchschnittlich 22.900 Fahrzeuge durch.

Das zweite Murrtalviadukt kann ab Sommer gebaut werden. Dann endlich fließt der B14-Verkehr nicht mehr nur zwei-, sondern vierspurig über das Murrtal. Das ist fantastisch. Aber Moment mal: Die Zufahrten von Norden und Süden her zur großen Brücke hin sind ja dann immer noch nur zweispurig. Was bringt der 23,7 Millionen Euro teure Aufwand für den Brückenausbau dann?

Die B14 ist eine der Hauptverkehrsachsen durch den Rems-Murr-Kreis. Hier rauscht der Verkehr. Und zwar seit Jahren

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