Rems-Murr-Kreis

Backnang: Soko Tierschutz hat die Videos gemacht und Schlachthof Kühnle angezeigt

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Zwei Rinder auf der Weide. © Pixabay

„Vor den Augen des amtlichen Veterinärs und Überwachungskameras kommt es zu brutalen Übergriffen auf die Tiere. Der amtliche Veterinär macht sogar mit und quält ein Rind illegal mit Stromschlägen.“ Das behauptet die Soko Tierschutz e.V. mit Sitz in München, die die geheimen Videoaufnahmen im Schlachtbetrieb der Metzgerei Kühnle in Backnang gemacht haben will, die am Dienstagabend (23.8.) bei Report Mainz thematisiert werden. Laut Tagesschau hatte die Soko Tierschutz von Mai bis Juli an acht Schlachttagen im Schlachthof von Kühnle in Backnang geheime Kameras installiert und Schlachtungen von Rindern aufnehmen lassen.

„Regelmäßig werden Tiere nicht richtig betäubt, manche Schlachtungen gleichen regelrecht einer Schächtung“, so die Soko Tierschutz. „Die Mitarbeiter haben keine Ahnung, die Tiere erwachen im Todeskampf, der Veterinär bleibt untätig oder macht sogar mit.“ Die Aufnahmen in Backnang würden den Zuständen, der in Vergangenheit aufgedeckten Schlachthofskandale in Tauberbischofsheim, Biberach und Gärtringen gleichen.

Griff auch ein Veterinär zum "Elektroschocker"?

Auf den Videoaufnahmen aus Backnang sei zudem der Zutrieb der Rinder in die sogenannte Betäubungsfalle zu sehen. Ein Schlachthofmitarbeiter treibt die Tiere mit einem Elektrotreiber vorwärts. „Auch dieser Bereich wird von einem amtlichen Veterinär überwacht, der auf den Aufnahmen deutlich zu erkennen ist. Und er greift zum Elektrotreiber und hilft, die Tiere in die Betäubungsfalle zu treiben“, schreibt die Soko Tierschutz.

Dr. Thomas Pfisterer, Leiter der Veterinärbehörde, räumte laut Tagesschau auf das Agieren des amtlichen Veterinärs angesprochen ein, „dass dieses Verhalten nicht zulässig sei. Man wolle jetzt mit dem Mitarbeiter sprechen und prüfen, ob Maßnahmen einzuleiten seien. Der Fall wurde inzwischen bei der Staatsanwaltschaft angezeigt.“

Dieser Zeitung gegenüber sagte Pfisterer, elektrische Treibhilfen seien gemäß § 5 Tierschutzschlachtverordnung grundsätzlich zulässig, aber die Anwendung sei limitiert. „Man darf Tiere nicht nur mit elektrischen Treibhilfen treiben, das haben wir im Betrieb in Backnang auch so definiert. Deswegen sind auf den Videoaufnahmen auch Veterinäre von uns zu sehen, die auch mal danebenstehen und auf einer Kladde etwas notieren und dokumentieren. Da erfassen sie, was für Treibhilfen werden angewendet, warum und wie oft. Die elektrischen Treibhilfen sind zudem nur an geeigneten Stellen des Körpers, zum Beispiel an der Keule, einzusetzen und im Ausnahmefall und limitiert, wenn ein Tier zum Beispiel besonders störrisch ist, nie dauerhaft.“

Schwere Vorwürfe gegen das Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises

Nichtsdestotrotz lautet der Titel des Beitrags im ARD-Magazin Report Mainz an diesem späten Dienstagabend (23.8.), ab 21.45 Uhr, laut Ankündigung des Senders „Schlachthofskandal: Veterinäre schauen bei Tierschutzverstößen weg“. Das impliziert schwere Vorwürfe gegenüber dem Veterinäramt des Rems-Murr-Kreises.

Amtsleiter Thomas Pfisterer widerspricht: „Der Titel trifft nicht zu. Wir haben nicht weggesehen. Die Mängel, die wir Dienstagabend von Report Mainz präsentiert bekommen, waren in großen Teilen bekannt und haben auch dazu geführt, dass wir reagiert haben. Wir haben sie bei einer Kontrolle festgestellt und seit dem zweiten Halbjahr 2020 den Schlachtbetrieb-Betreiber gemahnt, verwaltungsrechtliche Verfahren angestoßen, auch Zwangsgelder, und Ordnungswidrigkeiten angezeigt, um ihn dazu zu bringen, Maßnahmen zu ergreifen und die Mängel abzustellen.“

Die Begutachtung und die Verfahren dauerten aber, so Pfisterer. „Da musste ein Bundesinstitut hinzugezogen werden, da war auch Corona hinderlich, was alle Abläufe in die Länge zog, bis der Gutachter dann kam und alles aufbereitet hatte.“ Auch sei die Metzgerei Kühnle zu dem Zeitpunkt nicht kooperativ gewesen, habe zum Beispiel ein eigenes Gutachten in Auftrag gegeben, Rechtsmittel eingelegt und Anwaltsschreiben verschickt.

Bestimmte Mängel im Schlachtbetrieb bestanden also weiterhin. „Sie waren aber nicht dergestalt, dass wir rechtlich in der Lage gewesen wären, eine Zwangsschließung anzuordnen.“ Die Metzgerei Kühnle hat von Report Mainz mit den Videoaufnahmen der Soko Tierschutz konfrontiert seit dem Wochenende (20./21.8.) den Schlachtbetrieb freiwillig vorläufig geschlossen.

Pfisterer betont außerdem, dass bei jeder Schlachtung in letzter Zeit ein Kontrolleur in Backnang anwesend gewesen sei, zusätzlich zu jenem der Lebensmittelkontrolle für das Fleisch. „Wir haben unser Personal extra deshalb deutlich verstärkt. Der Schwerpunkt der Kontrolle und Dokumentation lag im Eintrieb der Rinder in die Betäubungsfalle.“

Anonymes Schreiben der Tierschützer bereits im Juli 2022

Der Soko Tietschutz e.V. behauptet, das Veterinäramt habe von vielen Problemen im Schlachtbetrieb Kühnle gewusst, „hatte lange zugesehen und war schon vor sechs Wochen ausdrücklich durch uns gewarnt worden“, schreibt die Soko Tierschutz.

Veterinäramtsleiter Thomas Pfisterer bestätigt zumindest: „Ja, wir haben Mitte/Ende Juli ein anonymes Schreiben bekommen, in dem über Missstände in dem Schlachtbetrieb in Backnang berichtet wurde. Missstände, deren Behebung wir längst angestrengt hatten.“ Die rechtliche Lage hätte eine Zwangsschließung aber nicht hergegeben.

Das Metzgerei-Unternehmen Kühnle ließ über seien Anwälte schon am Montag (22.8.) mitteilen: „Bezüglich des Zutriebs der Rinder gestaltete sich die Umsetzung der behördlichen Vorgaben aufgrund der baulichen Gegebenheiten des Schlachthauses als schwieriger. Aber auch hier wurden die baulichen Gegebenheiten bereits optimiert. Weitere Maßnahmen wurden zudem bereits beauftragt. So wurden Pläne und Konzepte zur Optimierung des Zutriebs erstellt, deren Umsetzung umfangreiche Umbauarbeiten erfordern. Nach intensiver und langer Suche konnte schließlich ein Unternehmen gefunden werden, welches zusagte, eine neue Rinderfalle mit automatischem Zutrieb bis Februar 2023 zu liefern. Für die Übergangszeit hat unsere Mandantin in Absprache mit der Behörde bereits Umbaumaßnahmen vornehmen lassen, unter anderem wurden die Rinderfalle abgeändert, die Schlachtzahlen reduziert sowie eine neue Rampe zur Großviehfalle gebaut.“

Pfisterer bestätigt: „Das Lieferdatum Februar 2023 war auch unser aktueller Kenntnisstand.“

„Vor den Augen des amtlichen Veterinärs und Überwachungskameras kommt es zu brutalen Übergriffen auf die Tiere. Der amtliche Veterinär macht sogar mit und quält ein Rind illegal mit Stromschlägen.“ Das behauptet die Soko Tierschutz e.V. mit Sitz in München, die die geheimen Videoaufnahmen im Schlachtbetrieb der Metzgerei Kühnle in Backnang gemacht haben will, die am Dienstagabend (23.8.) bei Report Mainz thematisiert werden. Laut Tagesschau hatte die Soko Tierschutz von Mai bis Juli an acht

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