Rems-Murr-Kreis

Bahnverkehr-Absurdistan: WC in Uraltzügen okay, Bahnsteig-Ansagen weiter falsch

Andre Wunderlich
Alles im grünen Bereich? TRI-Zugführer André Wunderlich hebt die Kelle zur Abfahrt (hier in Waiblingen). © Gabriel Habermann

Eine gute und eine schlechte Nachricht für Regionalbahnfahrer im Rems-Murr-Kreis. Die Toiletten der Uraltzüge der TRI Train Rental GmbH, die seit Mitte Dezember 2022 auf der Rems- und Murrbahn im Auftrag von Go-Ahead fahren, funktionieren mittlerweile. Die Verspätungen jedoch, die an Bahnsteigen von der „DB Station & Service AG“ für TRI-Züge angesagt werden, stimmen häufig nicht. Immer noch nicht! Woran liegt’s?

DB gewährt Wasserversorgung: Sanitär-Anlagen funktionieren wieder

„In der Tat konnten wir die Toiletten-Problematik lösen. Alle Züge können nun nach einem festen Schema in den Anlagen der Deutschen Bahn (DB), vorrangig in Stuttgart, mit Frischwasser versorgt werden und ihr Abwasser entsorgen“, sagt Maximilian Richter, geschäftsführender Gesellschafter der TRI Train Rental GmbH. „Hier sind in dichten Intervallen Slots vorreserviert, so dass das Limit auch nach einem eventuellen Entfall der Maßnahme (zum Beispiel bei Zugverspätungen) noch nicht erreicht ist, zudem bestehen bezüglich der Örtlichkeit noch alternative beziehungsweise Ausweichstandorte.“

Aktuell und auch in den letzten Tagen habe sich somit auf den Regionalbahn-Umläufen nach Aalen und Nürnberg sowie auch auf allen anderen Umläufen kein abgesperrtes WC mehr wegen Wassermangels oder eines vollen Abwasserbehälters befunden, sagt Richter. „Die Verfügbarkeit der sanitären Anlagen in unseren Zügen ist sehr hoch.“

Das war während der kalten Tage mit Frost im Dezember 2022 noch ganz anders gewesen. So waren beispielsweise am 15. Dezember auf der Remsbahn-Strecke zwischen Stuttgart und Schwäbisch Gmünd vier der fünf Toiletten „defekt“. TRI-Betriebsleiter Frank Bleske hatte am selben Tag erläutert: „Das Problem ist, dass die Frischwasserzufuhr, auf die wir im Hauptbahnhof Stuttgart zugreifen müssten für die Toiletten, jetzt bei diesen winterlichen Temperaturen zugefroren ist. Der Schlauch liegt dort einfach im eisigen Gleisbett. Früher hat man die Schläuche mit Holzöfen noch frostfrei gehalten.“

Bleske hatte zudem gesagt, er hoffe, dass die TRI-Züge bald in den DB-Betriebshof fahren dürften, um Frischwasser für die Toiletten zu tanken und Abwasser abzulassen. Das darf TRI nunmehr also. Somit ist der „Toiletten-Notstand“ vorbei. Leider besteht aber die Problematik mit den „falschen Verspätungen“ nach wie vor, sagt Maximilian Richter.

Falsche Verspätungen: „Die Gründe dafür sind technischer Natur“

Stellen Sie sich vor, die Bahnsteig-Ansage verkündet für die von Ihnen auserkorene Regionalbahn eine Verspätung von 35 Minuten. Trotzdem fährt wenige Minuten später genau diese Bahn ein. Wenn Sie Glück haben, waren Sie noch auf dem Bahnsteig, wenn nicht, waren Sie schon auf dem Weg zum Bahnhofskiosk, um sich einen Kaffee zu holen, und der Zug fährt Ihnen pünktlich vor der Nase weg.

So etwas kann Fahrgästen weiterhin passieren auf der Rems- und Murrbahn. Seit Inbetriebnahme des TRI-Ersatzverkehrs Mitte Dezember ist das Problem bekannt, aber noch nicht gelöst. „Die Gründe dafür sind technischer Natur“, sagt Maximilian Richter. Zug-Standort-Echtzeitdaten müssten weiterhin händisch nachgebessert und in die betriebsinterne RIS-Infoplattform – Reise-Informations-System der DB – eingetragen werden.

„Wir stehen hier in engem Kontakt mit Go-Ahead Baden-Württemberg (GABW), um derartige Falschmeldungen zu unterbinden, was allerdings stets manuell geschehen muss“, sagt Richter. „Unsere Leitstelle wie auch jene von GABW sowie unser Zugpersonal haben hier stets ein Auge darauf und veranlassen Korrekturen, sobald wieder Derartiges auffällt. Hier bitten wir allerdings auch um Entschuldigung, falls mal eine falsche Verspätung übersehen wird.“

Die Bahnsteig-Ansagen und -Anzeigetafeln, für die die DB Station & Service AG verantwortlich ist, beziehen ihre Daten aus dem RIS. Für Züge und Bahnen der DB bezieht das RIS Soll- und Ist-Daten-Abgleiche automatisch über das DB-Netzprogramm LeiDis. Im LeiDis fließen Schienen-Sensorik-Informationen mit ein. Go-Ahead hingegen hat sein eigenes Meldesystem, genannt Datnet. Leider sind all diese Systeme offenbar nicht gescheit synchronisiert.

Go-Ahead und Deutsche Bahn diskutieren über Daten-Freigabe

„Die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) sind verantwortlich für alle Eingaben ins RIS – in diesem Fall also Go-Ahead“, betont eine DB-Sprecherin in Stuttgart. „Es muss eine stete Daten-Einpflegung stattfinden. Nur so kann ein Abgleich von Soll- und Ist-Fahrtzeiten aller Züge gewährleistet werden.“ Das sei bereits im April 2018 explizit an alle EVU kommuniziert worden. Nur so können die Bahnsteig-Ansagen und Anzeigetafeln auf Echtzeitdaten basierend auch korrekt sein, so die DB-Sprecherin.

Go-Ahead-Sprecher Winfried Karg erläutert: „Echtzeit-Standort-Daten von Zügen kriegen wir grundsätzlich von der DB. Und wir müssen die Daten dann in unser Datnet und im RIS der DB händisch einpflegen.“ So übergebe auch TRI als Sub-Auftragsnehmer von Go-Ahead keine Zug-Standort-Daten an Go-Ahead, sondern ausschließlich an die DB. Nun müsse die Freigabe der TRI-Daten von der DB an Go-Ahead noch organisiert werden. „Die Deutsche Bahn muss hier noch zustimmen. Wir gehen davon aus, dass sich die Daten-Freigabe wegen der Feiertage verzögert hat, aber nun bald erfolgen wird“, sagt Karg.

Dabei könnte es viel einfacher sein

Ginge es nicht einfacher? Doch. Die DB Netz AG könnte automatisiert via ihre Schienen-Sensorik-Informationen Echtzeit-Daten auch für TRI-Züge gewinnen und automatisiert ins RIS einfließen lassen, sagt Karg: „Die Sensorik funktioniert, egal ob ein digitalisierter ICE durchfährt oder ein analoger Museumsbahn-Dampfzug“ – oder eben ein TRI-Uraltzug.

Die Frage ist nur, ob die Deutsche Bahn dies überhaupt will, oder ob sie aus mutmaßlichen Wettbewerbsgründen weiterhin darauf beharrt, dass Eisenbahnverkehrsunternehmen, die ihr im Zuge der Privatisierung des Bahnverkehrs Geschäft weggenommen haben, für die Echtzeit-Daten-Pflege verantwortlich sind – egal wie umständlich das ist und völlig egal, dass es einfacher gehandhabt werden könnte. Womöglich zwingen aber auch gesetzliche Vorgaben die Deutsche Bahn zu dieser „Datenschutz-Sensibilität“.

Eine gute und eine schlechte Nachricht für Regionalbahnfahrer im Rems-Murr-Kreis. Die Toiletten der Uraltzüge der TRI Train Rental GmbH, die seit Mitte Dezember 2022 auf der Rems- und Murrbahn im Auftrag von Go-Ahead fahren, funktionieren mittlerweile. Die Verspätungen jedoch, die an Bahnsteigen von der „DB Station & Service AG“ für TRI-Züge angesagt werden, stimmen häufig nicht. Immer noch nicht! Woran liegt’s?

DB gewährt Wasserversorgung: Sanitär-Anlagen funktionieren

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