Rems-Murr-Kreis

Banker fliegt Betrüger aus Urbach noch mit Geld nach Brasilien hinterher

Landgericht
Hier im Landgericht Stuttgart läuft der Betrugsprozess. © ALEXANDRA PALMIZI

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts hat sich jetzt herausgestellt, dass der nach Brasilien abgetauchte mutmaßliche Millionenbetrüger aus Urbach auch noch einen Banker geschmiert haben soll. Der Beweisaufnahme zufolge soll ihm dieser 500 000 Euro nach Brasilien hinterhergeflogen und dafür 20 000 Euro Transportlohn kassiert haben.

Ins Visier des Vorsitzenden Richters Günter Necker ist im Falle des 59-jährigen Urbacher Geschäftsmannes, der sich laut Anklage der Stuttgarter Staatsanwaltschaft vor etwa 20 Jahren mit gefälschten Unterlagen bei mehreren Banken Kredite in Höhe von rund zehn Millionen Euro ergaunert hat, auch eine Bankmitarbeiterin geraten, die das Urbacher Privathaus des Angeschuldigten zu hoch bewertet hat. Das Eigenheim, welches der Beschuldigte seinen eigenen Angaben nach von einer Bank in Schorndorf supergünstig für drei Millionen Euro gekauft hat und das im Zuge des Insolvenzverfahrens unter den Hammer gekommen ist, sollte gutachterlich sechs bis neun Millionen Euro wert gewesen sein. Bei ihrer polizeilichen Vernehmung, so blickte der Vorsitzende Richter Günter Necker in die Akte, habe die Bankmitarbeiterin nichts mehr von ihrem geschönten Gutachten wissen wollen. Geschäftsbeziehungen der Urbacher Sanitäranlagen GmbH, die so groß werden sollte, dass über eine Beteiligungs-GmbH traumhafte Börsengewinne fließen sollten, gab es nach der Zeugenaussage eines Kriminalbeamten auch zu einer Werbeagentur, deren Geld ein Dritter bezogen hat.

Geschäftspartner zieren sich, in den Zeugenstand zu kommen

Gesellschafter, Bankmitarbeiter, Lebensgefährtinnen, Kreditvermittler: Mit dem Millionenbetrug des Urbachers, der von Brasilien nach Deutschland ausgeliefert wurde, hatten viele Menschen um und auf einem hiesigen Golfplatz, wo Geschäfte ausgemauschelt wurden, zu tun. Etliche Geschäftspartner zieren sich, in den Zeugenstand zu kommen, müssen mehrmals geladen werden und geben sich - wenn sie dann endlich erscheinen - eher bedeckt. Ein 70-jähriger Pensionär aus Freiburg beispielsweise hat es gerade noch in den Gerichtssaal geschafft, bevor ihn die Polizei gebracht hätte, um zu erklären, wer außer ihm noch finanzkräftig in die Firma hätte einsteigen sollen, um schnell viel Geld zu machen. Er hat sein Geld wieder eingeklagt, aber bis heute keinen Cent davon gesehen, weil der Angeklagte behauptet hat, er müsse Löhne bezahlen, die aber auch nicht an die armen Mitarbeiter geflossen sind. Bei seinen Geschäften mit dem Angeklagten sei er wohl „zu blauäugig“ gewesen, beteuerte dieser Zeuge.

Als die Kripo im Ermittlungsverfahren „Bäder Oase Remstal“ Geschäfts- und Privaträume durchsuchte, war der Angeklagte längst nach Brasilien abgetaucht. Gefälschte Unterlagen mit dem Stempel eines verstorbenen Steuerberaters hätte der Beschuldigte allen Banken vorgelegt, um an Millionenkredite zu kommen, berichtete die Zeugin, die mit Kollegen einen Großteil der Banken in Welzheim, Schorndorf, Göppingen, Friedrichshafen, Marburg, Braunschweig, Leipzig, Augsburg und in Österreich abgeklappert hat.

Größter Schaden fast fünf Millionen Euro

Der größte Schaden von fast fünf Millionen Euro, so die Polizeibeamtin, sei in Braunschweig entstanden, wo die Bank vergebens versucht habe, den Hauptgeldgeber des Angeklagten zu Gesicht zu bekommen. Er sollte leider nur telefonisch erreichbar sein. Kein Wunder: Die Stimme wurde am Telefon nachgeahmt.

Kurz vor seiner Flucht nach Brasilien, wusste die Kripo-Beamtin, habe der Angeklagte noch einen Dispo-Kredit über 1,5 Millionen Euro ausgereizt. An gefälschten Sicherheiten habe der Mann so ziemlich allen Banken immer dieselben gefälschten Unterlagen vorgelegt. Gemerkt, dass da etwas nicht stimmen kann, hat nach Aussage der Kripo-Beamtin eine Bank im österreichischen Linz, bei welcher ein von einem Maskenbildner geschminkter Doppelgänger des 78-jährigen Hauptgeldgebers, einem sehr reichen Mann, der noch reicher werden wollte, aufgetreten ist. Auf einem beschlagnahmten Computer des Angeklagten fand sich eine E-Mail, wonach dieser Hauptgeldgeber eine in Wirklichkeit total gefälschte, notariell beglaubigte Bürgschaft „auf dem Golfplatz unter schwierigen Umständen unterschrieben“ habe.

Als Richter Necker mehr über die „Geldflüsse nach Brasilien“ wissen wollte, nannte die Kriminalbeamtin Barabhebungen von der Lebensgefährtin des Angeklagten.

Vor der Wirtschaftsstrafkammer des Stuttgarter Landgerichts hat sich jetzt herausgestellt, dass der nach Brasilien abgetauchte mutmaßliche Millionenbetrüger aus Urbach auch noch einen Banker geschmiert haben soll. Der Beweisaufnahme zufolge soll ihm dieser 500 000 Euro nach Brasilien hinterhergeflogen und dafür 20 000 Euro Transportlohn kassiert haben.

Ins Visier des Vorsitzenden Richters Günter Necker ist im Falle des 59-jährigen Urbacher Geschäftsmannes, der sich laut Anklage der

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